Smalltalk tim-schreder

17. Juli, 2015

Serious Smalltalk mit: Tim Schreder

Seit nunmehr vier Jahren moderiert Tim Schreder die Kindernachrichtensendung „logo!“ beim KIKA. In der heutigen Spezialausgabe um 19:25 beschäftigt sich der 24-Jährige mit einem Thema, das derzeit heftig und teils kontrovers diskutiert wird: der Flucht von Menschen aus kriegs- und krisengeschüttelten Staaten nach Europa. Gerade beispielsweise steht Angela Merkel massiv in der Kritik wegen ihres angeblich unterkühlten Umgangs mit einem weinenden Flüchtlingsmädchen in ihrem Bürgerdialog „Gut Leben“. Hier das Video:



 

Tim Schreder hat versucht, sich selbst ein Bild der Lage zu machen und ist mit vielen Fragen im Gepäck losgereist, um mit Flüchtlingen zu sprechen – u.a. in der spanischen Exklave Melilla. Mit smalltalk hat er über die Erfahrungen seiner Reise gesprochen.

 

Du hast für „logo! extra: Flucht nach Europa – Hoffnung auf ein besseres Leben“ mit vielen Menschen gesprochen, die eine weite und oft gefährliche Reise auf sich genommen haben, um ein besseres Leben in Europa zu führen. Was sind ihre Beweggründe?

Die meisten Flüchtlinge fliehen vor Armut, Krieg oder weil sie in ihrer Heimat verfolgt werden. Keiner von ihnen möchte eigentlich gerne nach Europa kommen, die meisten haben nur keine andere Wahl und keine andere Möglichkeit. Fast alle Flüchtlinge, mit denen ich gesprochen habe, haben mir gesagt, dass sie am liebsten Morgen wieder zurück möchten.

 

Wie bringt man junen Menschen ein schwieriges Thema wie die Flüchtlingsproblematik näher?

Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Junge Menschen sind sehr emphatisch und sie interessieren sich immer dafür, wie es anderen Menschen, besonders anderen Kindern, geht. Deshalb hilft es, einfach mit Flüchtlingen zu sprechen, zu drehen und so den Zuschauern zu zeigen, wie es Flüchtlingen geht und in welcher Situation sie sich befinden.

 

Wie sehr bewegt dich das Schicksal von Flüchtlingen persönlich?

Es ist unvorstellbar, wie es Flüchtlingen geht. Ich habe eine Familie aus Syrien getroffen, die wirklich alles verloren hat. Ihr Zuhause ist durch eine Bombe zerstört, all ihre Sachen sind zerstört. Familienangehörige sind gestorben, die Freunde weit weg. Sie sind dann alleine in Europa, mit einem Koffer voller Sachen. Das ist unvorstellbar. Und auch die vielen Flüchtlinge, die ich getroffen habe, die mir von der Reise übers Mittelmeer erzählt haben, haben mich sehr berührt. Sie haben mir teilweise erzählt, dass sie ihre besten Freunde haben ertrinken sehen und ihnen noch währenddessen in die Augen geguckt haben. Das nimmt einen schon mit.

 

Flüchtlige ertrinken im Mittelmeer, sterben in der Wüste, in Gefängnissen in Libyen auf dem Weg nach Europa. Aber hey, who cares?! Der Wendler hat sich die Hand gebrochen! Ernsthaft?!

Posted by Tim Schreder on Donnerstag, 16. Juli 2015

 

Was können wir in Deutschland von Flüchtlingen lernen?

Wir können lernen wie, unfassbar gut es uns selbst geht – wie ungleich verteilt Glück und Wohlstand auf der Welt sind. Für mich ist es selbstverständlich, genug zu Essen zu haben, ein Zuhause zu haben, in Sicherheit zu leben. Für viele Menschen ist das nicht selbstverständlich. Es ist eigentlich ein unfassbar großes Glück, was ich habe und das vergisst man leider zu oft.

 

Im Vergleich mit vielen anderen Ländern ist das Leben in Deutschland relativ unbeschwert. Was hältst du davon, wenn ärmere Staaten wie zum Beispiel Griechenland einen Groll gegen Deutschland hegen und zum Boykott deutscher Produkte aufrufen?

Davon halte ich nichts! Ich glaube nicht, dass es etwas hilft, wenn die Länder sich nun gegenseitig beschimpfen oder gegeneinander hetzen. Wir müssen zusammenhalten und uns gemeinsam engagieren, um Probleme zu lösen. Miteinander kann nur die einzige Antwort sein.

 

Was kann jeder einzelne tun, um die Situation von benachteiligten Menschen zu verbessern?

Ich finde schon wichtig, dass man sich einfach informiert, was los ist! Dass man kritisch ist, der Politik und auch Rechten gegenüber. Dass man auch selbst in Gesprächen aufklärt. Und natürlich kann auch jeder, der etwas hat, abgeben. Den meisten Flüchtlingen fehlen ganz einfache Sachen wie Kleidung, Nahrung oder Spielzeug für Kinder. Das kann man einfach spenden, am besten an ein Asylantenheim in der Nähe!

 

Mehr über Tim Schreder:
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