Smalltalk

5. August, 2015

smalltalk mit: Miriam Pielhau

Für die ZDF-Reihe „Schöne harte Welt“ sind TV- und Radiomoderatorin Miriam Pielhau, Fernsehkoch Christian Rach, Ex-Turnerin Magdalena Brzeska und ZDF-Moderator Tim Niedernolte nach Indonesien gereist und haben ihr Leben im Rampenlicht eine Woche lang gegen ein Gastarbeiter-Dasein in einer Thunfischfabrik getauscht. Zu sehen ist das TV-Experiment am 5. und am 12. August jeweils ab 23:15 Uhr. smalltalk hat im Vorfeld der Ausstrahlung mit Miriam Pielhau über ihre Erfahrungen gesprochen.

Für die ZDF-Reihe „Schöne harte Welt“ warst du eine Woche lang in einer indonesischen Thunfischfabrik als Gastarbeiterin. Was hat dich an diesem Experiment gereizt?

Ich war vor allem an der Beantwortung der Kernfrage interessiert: Wo kommen unsere günstigen Lebensmittel her? Wie werden sie hergestellt? Unter welchen Bedingungen? Wie werden die Menschen dafür entlohnt?

Und wie lautet dein Fazit?

Über die Herstellungsbedingungen habe ich vorher nur im Rahmen meiner informellen Möglichkeiten nachgedacht. Also, mit dem Wissen, was man aus Zeitungsberichten oder Dokumentationen hat. Ich drehe aber seit dieser Reise häufiger Verpackungen um und lese, wo das herkommt. Ein neues Bewusstsein ist geweckt worden. Und Respekt vor der Arbeit und den Menschen. Noch mehr, als ich vorher schon fühlte.

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Was war dein Eindruck von den Menschen, die dort arbeiten?

Die Menschen sind dankbar über den sicheren und gut organisierten Arbeitsplatz, den sie haben. Es ist hart, ja. Aber im Vergleich zu anderen Verdienstmöglichkeiten, ist die Arbeit in einer Thunfischfabrik nicht das Schlechteste.

Wie sind die Arbeitsbedingungen in Indonesien verglichen mit Deutschland?

Die Hygienebedingungen sind meines Erachtens durchaus vergleichbar mit europäischem Standard. Ansonsten ist es eben „Fabrikarbeit“. Akkord, Fließband, körperlich anstrengend. Das ist hier aber nicht anders, denke ich.

pielhau

Du warst nur eine Woche in der indonesischen Fabrik. Aber wie halten Menschen eine derart monotone und gleichzeitig körperlich fordernde Arbeit über Jahre aus?

Über die Gemeinschaft untereinander. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schätzen sich, kommunizieren, motivieren sich. Und sie haben Ziele. Nicht alle wollen für immer in dieser Fabrik bleiben, sondern Geld sparen für Studium, Haus und Familie.

Was nimmst du als Erfahrung mit nach Hause?

Vor allem eine große Dankbarkeit. Für die vielen, tollen, zwischenmenschlichen Kontakte. Die Einblicke. Das neue Verständnis für die Art, wie etwas hergestellt wird, was wir weitestgehend gedankenlos in den Einkaufskorb werfen.

Hat die Zeit in der indonesischen Fabrik etwas in deinem Bewusstsein geändert?

Absolut. Ich werde weiterhin Thunfisch konsumieren. Aber bewusster. Und zum Thema Überfischung: Es würde überhaupt nichts bringen, den Thunfischfang komplett zu verbieten. Damit würden im südostasiatischen Raum mehrere 10.000 Menschen auf einen Schlag ihrer finanziellen Existenz beraubt. Die Lösung muss sein, den Thunfisch zum teureren Produkt zu machen und den Fang zu reduzieren.

Glaubst du, dass eine Reihe wie „Schöne harte Welt“ Menschen zu einem Überdenken der eigenen Verhaltensmuster führen kann?

Ich hoffe und wünsche es sehr.

Was kann jeder einzelne tun, um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten?

Zuviel, als dass es in diesen Rahmen passen würde. Kleine Beispiele: Saisonal, regional kaufen. Bio, so gut es geht. Fleischverzicht oder -einschränkung. Aber auch: Plastikverpackung reduzieren. Schalen mitbringen zum Einkauf usw. Solche Dinge.

Wann hast du dein letztes Thunfischsandwich gegessen?

Vor Indonesien. (lacht). Und jetzt verzichte ich nur darauf, weil ich gedanklich und in der olfaktorischen Erinnerung erst einmal den Geruch aus der Fabrik wieder loswerden möchte. Dann geht’s wieder.

Heute Abend um 23Uhr15 läuft die ZDF-Doku "Schöne, harte Welt", bei der ich mitmachen durfte. Und die lieben Menschen auf dem Foto auch.

Posted by Miriam Pielhau on Mittwoch, 5. August 2015

 

Foto Titelbild: Felix Rachor

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