Smalltalk ruth-moschner

14. August, 2015

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Interview mit Ruth Moschner

Ruth Moschner ist Moderatorin, Autorin, Backexpertin – und ab sofort auch Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit. Neben ihren zahlreichen TV-Auftritten war die 39-Jährige sehr fleißig und hat ihre Ausbildung an einer Fernuni erfolgreich abgeschlossen. Im Interview mit smalltalk verrät sie, wie sie ihr neues Wissen in der Praxis umsetzen will, warum gesunde Ernährung und Genuss kein Widerspruch sind und warum man auch mit wenig Geld nicht auf Bio verzichten muss.

Du hat ein Fernstudium als „Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit“ abgeschlossen, herzlichen Glückwunsch. Wie bist du darauf zu kommen, diesen Ausbildungsweg zu gehen? Was fasziniert dich an diesem Gebiet?

Danke, ich bin auch sehr stolz. 🙂

Es war schon lange mein Wunsch, etwas in der Richtung zu machen. Als Kind wollte ich sogar mal Chirurgin werden und habe während des Schulunterrichts meine Radiergummis „operiert“. Viel später habe ich ja meine „Schoko-Diät“ entwickelt und enorm viel positives Feedback bekommen. Bis heute wollen die Leute Tipps von mir. Durch meine ZDF-Sendung „Die Ärzte“ wurde ich auch nochmal motiviert, dass das mein Herzensthema ist. Und jetzt ist es eben nicht mehr nur autodidaktisch, sondern hat Hand und Fuß.

Wie hast du es geschafft, neben all deinen TV-Jobs noch Zeit fürs Lernen aufzubringen?

Eigentlich hätte ich dafür auch gar keine Zeit gehabt, aber ich wollte das schon so lange machen und dachte mir: „Jetzt oder nie“. Da mich die Themen von Beginn an gepackt haben, war es keine große Überwindung. Aber manchmal habe ich schon geflucht, weil man einfach ständig irgendwelche Bücher mitschleppen musste, um jede freie Minute im Zug oder Flugzeug für die Paukerei zu nutzen.

Was genau macht eine „Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit“?

Eine ganzheitliche Gesundheitsberaterin kann zum einen dabei helfen, die Gesundheit zu erhalten oder sie zu optimieren. Sie kann z.B. bei Allergien und Intoleranzen beraten, aber auch eine gute Ergänzung sein, wenn jemand Probleme mit den Organen hat. Mit so einer Ausbildung kann man im Grunde in jeder Lebenssituation Hilfe leisten und beraten. Das Studium umfasst jeden Bereich des Körpers in den unterschiedlichen Phasen des Lebens, die Ernährungs- und Lebensweise während einer Schwangerschaft, im Alter, in den Wechseljahren, bei Sportlern sind genauso ein Thema wie ADHS, Demenz, Arthritis, COPD, und, und, und. Was hilft bei zu hohem Cholesterin, wie nimmt man ab, wie nimmt man gesund zu? Verdauung ist natürlich in der heutigen Zeit auch ein riesen Thema und wahnsinnig spannend, wie man durch einfache Maßnahmen ein großes Leiden verschwinden lassen kann. Natürlich werden auch die seelischen Aspekte bei so einer Beratung berücksichtigt. Meiner Ansicht nach ist so eine ganzheitliche Betrachtungsweise eine tolle Ergänzung zur Schulmedizin. Aber vor allem könnten viele Beschwerden verhindert werden, wenn man so eine Beratung genießt. Wir sind uns unserer Gesundheit leider meist erst bewusst, wenn sie nicht mehr intakt ist. Wenn man allerdings weiß, wie großartig unser Körper funktioniert, dann geht man doch anders mit ihm um. Ich habe gelernt, den Körper ganzheitlich zu betrachten. Das bedeutet, nur weil der große Zeh weh tut, muss die Ursache nicht unbedingt direkt am großen Zeh zu finden sein.

Wie kannst du das Gelernte mit deiner Arbeit als Moderatorin verbinden?

Zum einen habe ich etwas mehr Selbstbewusstsein, weil ich ja jetzt was eigens habe, quasi mein Jodeldiplom. 🙂 Und zum anderen freue ich mich natürlich über jede Gelegenheit, meine Leidenschaft für das Thema mit dem Beruf zu verbinden. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, Seminare zu geben oder Vorträge zu halten. Aktuell ploppt ja jede Woche ein neuer Food-Trend auf, Essen ist der neue Porsche – da braucht es schon jemanden, der einem so ein bisschen die Panik nimmt und vor allem das ganze Essens-Latein mal ins Deutsche übersetzt. 😉

Könntest du dir vorstellen, deine TV-Karriere an den Nagel zu hängen, um als Gesundheitsberaterin zu arbeiten? Wie müsste der Job dann aussehen?

Ich liebe meine Arbeit als Moderatorin und Autorin. Das macht mir sehr viel Spaß. Ich werde daher nicht plötzlich eine Praxis aufmachen und als Beraterin arbeiten. Aber natürlich dürfen mich meine Freunde und Kollegen jederzeit um Rat fragen. Und wer weiß, was noch passiert. Ich werde da auf jeden Fall weitermachen und noch den ein oder anderen Zusatzkurs belegen. Ich kann mir aber auch vorstellen, Produkte zu entwickeln oder ein ganzes Konzept.

Du hast eine Schwäche für süße und schokoladige Themen und zauberst herrliche Tortenkreationen. Das scheint auf den ersten Blick gar nicht mit gesunder Ernährung zusammenzupassen. Oder doch?

Ich bin ein großer Fan von dunkler Schokolade und halte das eher für eine Stärke. Kakao enthält unzählige wertvolle Bestandteile, die nicht nur glücklich, sondern auch gesund machen. Ich war Anfang des Jahres im Süden von Belize auf einer nachhaltigen Kakaoplantage, das war einer der schönsten Tage meines Lebens. Natürlich sollte man nicht jeden Tag Zuckerhaltiges essen. Aber mal ein Stück Kuchen ist doch völlig ok, insbesondere, wenn man es in netter Gesellschaft genießt. Ansonsten habe ich das vegane Backen für mich entdeckt und stelle mich der Herausforderung, statt mit Zucker zum Beispiel mit getrockneten Datteln, Maulbeeren oder Ahornsirup zu süßen. Hier kann man den Eigengeschmack perfekt in die jeweilige Speise integrieren und ihr dadurch noch eine zusätzliche Note verliehen, anstatt nur mit schnödem Zucker zu süßen.

In Deutschland ist in den letzten Jahren ein regelrechter Bio-Hype ausgebrochen. Was hältst du persönlich davon?

Ich finde das großartig! Bio-Lebensmittel sind nicht nur weniger belastet, sie garantieren auch unseren Fortbestand, weil sie nachhaltig angebaut werden. Fleisch aus artgerechter Tierhaltung enthält keine Antibiotika oder Hormone, ganz davon abgesehen, dass die Tiere nicht gequält werden. Ich kann Fleischesser nicht verstehen, die Massentierhaltung unterstützen. Dieses Fleisch ist weder gesund, noch ist es lebensnotwendig jeden Tag tierische Produkte zu essen. Wer einmal pro Woche unbedingt Fleisch möchte, der kann auch Bio-Fleisch bezahlen.

Gesunde Ernährung ist vielen Menschen zu teuer. Hast du einen Tipp, wie man auch ohne hohe Kosten gesund leben kann?

Dieses Argument wurde in der Vergangenheit schon sehr oft widerlegt, schade, dass dieser Irrtum immer wieder auftaucht. Wer selbst kocht und gut haushaltet, schafft es auch, sich gesund zu ernähren. Ich habe einige Freunde, die durchaus aufs Geld achten müssen, aber die schaffen es auf beeindruckende Weise, die familie gesund und kreativ zu ernähren.

Wer nicht kocht, hat es da natürlich schwerer. Klar, eine Fertigpizza ist natürlich sehr praktisch und unkompliziert, aber alles andere als günstig. Mal abgesehen davon macht vollwertige Nahrung länger satt und zufrieden als Produkte aus Weißmehl und voller Zucker. Die lassen kurzfristig den Insulinspiegel hochschnellen, danach sackt aber der Blutzuckerspiegel in den Keller und man hat schon wieder Heißhunger auf Schokoriegel und Co. Und auf Dauer betrachtet, macht eine ungesunde Ernährung leider krank und das wiederum kann dann richtig teuer werden.

Am besten haltbare Sachen auf Vorrat kaufen, wenn sie im Angebot sind und ansonsten für die frischen Lebensmittel einen Wochenplan erstellen, damit nichts unnötig weggeworfen werden muss.

Mir tut es in der Seele weh, dass unsere Supermärkte aufgrund absurder Gesetze tonnenweise Lebensmittel wegwerfen. Deshalb schaue auch ich gerne bei frischen Produkten nach Sonderangeboten. Erstens spart man richtig viel Geld und zweitens rettet man damit Nahrung, die sonst im Müll landen würde!

Was tust du selbst, um dich fit zu halten und gesund zu bleiben? Nutzt dir da das ganzheitliche Gesundheitskonzept?

Absolut. Seit dem Studium achte ich natürlich noch bewusster auf meinen Körper. Natürlich sind „ungesunde Sachen“ wie Zucker nicht komplett tabu, aber es ist schon faszinierend, wie sich das Wohlbefinden ändert, wenn man eine Zeit lang darauf verzichtet. Trotzdem: nur Verzicht kann auch ungesund sein und zu einer krankhaften Sucht werden. Ein schöner Abend mit Freunden, an dem man mal fünfe grade sein lässt, ist auch gut für die Gesundheit. Natürlich ernähre ich mich anders, ausgewogener. Vor allem treibe ich moderat Sport. Anstatt stundenlang zu schwitzen mache ich lieber täglich etwas für mich, was wirklich Spaß macht und sich gut integrieren lässt. Pilates, Hula Hoop, Trampolin, Joggen gehen… Ich achte darauf, Lebensmittel zu essen, die möglichst gering verarbeitet wurden, möglichst naturbelassen sind. Ich liebe Superfoods wie Sprossen, Mandeln, Kräuter… Ich glaube, die große Herausforderung im Leben ist es, tatsächlich auf den Körper zu hören und das Ganze dann auch zu akzeptieren. Auch, wenn das in manchen Phasen bedeutet, 2-3 Kilo mehr zu haben. Auch das ist eine Form von Freiheit. 😉

Zum Schluss: Hast du ein leckeres und gleichzeitig gesundes Rezept für die heißen Sommertage?

Na klar! Ich friere immer Bananen ein, die den Reifegrad im Idealfall schon fast überschritten haben. Dann einfach in dünne Scheiben schneiden und ab ins Tiefkühlfach. Wenn ich dann spontan Lust auf was Süßes habe, gebe ich die Menge von etwa einer Banane in eine Schüssel, dazu etwas Wasser und 1-2 TL Mandel- oder Erdnussmus. Mit dem Pürierstab pürieren und fertig ist ein köstliches veganes Eis ohne Zusatzstoffe innerhalb von zwei Minuten.

Fotocredit: Amant Maitresse

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