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17. September, 2015

Indira Weis – Mein Abend mit Königin Silvia

Sie ist mit Grace Kelly die Urmutter des modernen Märchens. Ein cinderellagleiches Märchen, von dem jedes Mädchen schon einmal geträumt hat. Wobei Silvia Sommerlath sich bei den Olympischen Sommerspielen 1972 wahrscheinlich niemals erträumt hätte, auf ihren Traumprinz zu treffen, der schon bald um ihre Hand anhalten wird und sie zu ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden macht.

Ich hielt es zunächst für einen schlechten Scherz, als ich eine Email bekam, in der stand, dass ich zum Benefiz-Bankett mit Königin Silvia eingeladen bin. Die haben sich bestimmt vertan. Was soll ich denn da? Durch den Kaisersaal des Schlosses twerken? So als neumoderner, königlicher Hofnarr? Hm. Ich greife zum Telefon, um mich der Richtigkeit dieser Einladung zu vergewissern. 5 min später ist klar: Ich brauche ein Kleid.

Dresscode Black Tie / Abendkleid. Ok. Nicht zu sexy, nicht zu schrill und ach ja, am Besten nochmal Knigge lesen. Ich ras-te aus! ! ! ! ! Einmal Prinzessin spielen in einem echten Schloss mit einer echten Königin! Hoffentlich googelt mich das schwedische Königshaus nicht, sonst wars das wieder ganz schnell mit der Einladung.

Ding Dong. Der DHL Service liefert ein Paket. Drin ein ist ein sehr edeles, langes Seidenkleid, das aussieht wie ein mittelalterliches, züchtiges Prinzessinnenkleid und so ziemlich das komplette Gegenteil von mir ist.

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Hm. Euer Ernst? Das soll ich anziehen? So sicher bin ich mir nicht mehr, ob man mich nicht doch gegoogelt hat und mir vorsichtshalber ein Kleid zukommen lässt. Als wüsste ich nicht, wie man sich adäquat bei Hofe kleidet. Tststs. Ihr werdet Augen machen. Prinzessin? Kann ich! So oft schon auf Karneval gemacht….

4 Wochen später ist es endlich so weit.


Beim Defilee im Kaisersaal. Hoffentlich knicke ich beim Knicks nicht weg, ich Tollpatsch. Ich bin dran. Ihre Hofdame stellt mich namentlich vor. Diese Vorbereitung ist wahrlich neben Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige. Knicks. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht. “ Ihre Majestät ich freue mich sehr, hier sein zu dürfen. Ich hoffe, wir sammeln viele Spenden.“ Daraufhin reicht sie mir ihre Hand und lächelt. „Aus welchem Land kommen sie?“

„Ich bin halb Inderin und halb Deutsche.“ Sie mustert mich freundlich. Am liebsten hätte ich direkt ein Selfie mit ihr gemacht. Im Knigge stand nämlich nur, dass man keine Fragen stellt.

Ich gehe weiter und hopse unkniggemässig vor Freude. Hihi. Endlich die Frau getroffen, die ich seit Jahren bewundere. Die den Weg der bürgerlich-adligen Verbindung geebnet und eine Kate oder Mette Marit salonfähig gemacht hat. Die bis heute das schwedische Königshaus zusammenhält, deren drei Kinder alle nichtadelig heiraten durften und die so mit frischem Wind das schwedische Adelsgeschlecht ins neue Jahrhundert geführt hat.

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Die Uhr schlägt zwölf. Wie war das nochmal bei Cinderella? Oder bei drei Nüsse für Aschenbrödel? Schnell weg, bevor der Zauber vorbei ist und sich mein Abendkleid wieder in ein Tshirt und meine Kutsche in ein Skateboard verwandeln!

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Ich eile die Treppe des Schlosses herunter und blicke ein letztes Mal nach oben. War das jetzt alles echt? Ich überlege, meinen linken Schuh auf der Treppe zurückzulassen. Ein linker Schuh gehört an so einem Abend auf so eine Treppe. Zurück im Hotel schlafe ich im Tshirt und einem Schuh am rechten Fuß ein.

Den linken habe ich bis jetzt ( noch ) nicht zurück bekommen. . .
Eure Indirella

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