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9. Oktober, 2015

Indira Weis: Ikone des Grauens- Er ist wieder da

Mann, ich war echt gespannt, was mich bei der Premiere von “Er ist wieder da“ erwarten würde. Ein neues Hitler-Szenario in unsere Gegenwart transportiert? Kennen wir doch von irgendwo her. Aber diesmal ist alles ganz anders. Vom Hitler zum Klickhit-Wonder! Vom Führer zum Popstar! Wie geht das denn? Das geht traurigerweise nur, wenn es manipulierbare Menschen gibt, deren Sympathien und Zuspruch man trotz eines grauenhaften Plans mehrheitlich gewinnen kann.

indira-eristwiederdaUnd da wird der Mensch zu seinem eigenen Problem. Fatal, Adolf Hitler als Ausgeburt des Bösen zu verkennen.
In “Er ist wieder da“ ist nämlich nicht nur Hiter wieder da. Wieder da ist auch die Begeisterungsfähigkeit für ihn.

Brrrr. Der Film läuft. Ich erschaudere in Saal1 des Zoopalast und um mich herum noch so mancher Premierengast, als Bilder gezeigt werden, wie ein wiederauferstandener Hitler, genial gespielt von Oliver Masucci, durch Berlin zieht. Wir alle werden Zeugen, wie er in Uniform und perfekter Manier am Brandenburger Tor zum Selfie-Objekt der Begierde wird. Mal mit Hitlergruss, mal ohne. Nach unserer Gesetzeslage könnte man auch sagen, mal mit Straftatbestand mal ohne. Nur nicht in einem fiktiven Film, dessen Buchvorlage ebenso Fiktion ist. Aber: Die Menschen, die begeistert mit einem Hitler ein Selfie machen, sind keine Komparsen. Keine Fiktion. Sie sind real.

Buchautor Timur Vermes skizziert nicht wie George Orwell in 1984 etwa ein Zukunftsszenario, vielmehr ein schreckeneinflössendes Gegenwartsszenario. Ähnlich wie Borat die Amerikaner und ihre Grundsätze vorgeführt hat, führt Vermes den Deutschen vor. Aber auch die quotengetriebene Medienlandschaft, die keine Skrupel kennt. Wir Kinogänger lachen quasi nicht nur über den Neuzeit-Hitler, sondern auch über uns selbst. Und wenn wir uns erschrecken, dann auch über uns selbst oder über das,  zudem wir vielleicht fähig wären. Aber dürfen wir denn darüber lachen? Ich denke schon.

Wir sind die, die den Auftrag, die Vergangenheit nicht zu wiederholen, nicht als Bürde, sondern als unser Versprechen an Generation Y sehen.

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Auf der Afterparty mit Oliver Masucci

Trotzdem hält Vermes uns den Spiegel vor. Sein Kult-Hitler verurteilt das deutsche Volk aus 2015 dafür, dass es Kochsendungen oder Gerichtsshows im Nachmittagsprogramm schaut, anstatt das Land nach vorne zu bringen und beschimpft es zugleich als gesellschaftlich verwahrlost mit fehlendem Interesse an deutscher Identität. So wurde im Film ein vermeintlicher Comedian, dessen Propaganda man für ein einstudiertes Satireprogramm hält, nach und nach zum Popstar stilisiert und wie ein Volksheld gefeiert.

Mein erster Gedanke als ich diese Bilder sah- Die Welle. Wäre das denn wirklich möglich? Könnte ein Comedian nationalsozialistische Propaganda so verpacken, dass die Mehrheit der Gesellschaft sich mit jeder Pointe mehr damit identifiziert?

Soviel ich bei dem Film auch gelacht habe, gegangen bin ich nachdenklich. Der Film machte mir schon ein bisschen Angst. Angst vor uns selbst. Dennoch sind wir die Einzigen, die solche Szenarien aus der Realität verbannen können.

Vielleicht sollten wir unseren Drang nach Hypes zukünftig etwas genauer beobachten und uns bewusst werden, dass TV Inhalte und Medien manipulativer sein können, als wir es ihnen zutrauen.
Eure Indira

 

 

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