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5. Februar, 2016

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Indira Weis: Alaaf! Helau! Hilfe! Die Karneval-Überlebenstrategie

Ja, es ist wieder so weit. Die Jecken und Narren sind los. Von Süddeutschland bis ins Rheinland. Der Norden bleibt von verkleideter Lustigkeit verschont. Böse Zungen behaupten, die hätten da oben keinen Humor. Oder einfach nur zu wenig Alkohol. Zu wenig Kölsch und zu wenisch von dem Äppelwoi, der so lustisch mache tut.

Wir da unten aber schmeißen uns alljährlich voller Hingabe in Einweg-Polyester-Kostüme und setzen uns bescheuerte Perücken auf, als hätten wir im Leben nichts anderes gelernt. Wir? Ja, auch ich. Hineingeboren an einem unbedeutenden Septembertag in eine bedeutende fastnachtsverrückte, närrische, südhessische Gemeinde namens Gernsheim.

Bei uns heißt es Fastnacht und wir rufen von Frankfurt bis Mainz: Helau! Es soll schon hessische Babys gegeben haben, deren erstes Wort Helau statt Mama war. Nur ab Köln wird aus Helau plötzlich Alaaf. Ob Helau für die Rheinländer genauso bekloppt klingt wie für uns Alaaf? Die Rivalität scheint mir seit jeher unlogisch, wachen wir letzten Endes doch alle mit mindestens 1,0 Promille Restalkohol und der Clownsbemalung auf dem Kopfkissen irgendwo auf.

Ich könnte jetzt noch reichlich referieren, woher die karnevalistische Kultur kommt, aber diese Kolumne mache ich lieber zu einem Überlebensratgeber, der zeigt, wie man die Narrensaison unbeschadet übersteht:

Freitag:

Juhu, endlich verlängertes Wochenende bis Aschermittwoch! Unbedingt jetzt schon krank melden. Ganz heftige Diarrhö, die dann im Laufe der Woche zur Magendarmgrippe umgewandelt werden kann. Funktioniert immer. Reicht bis Gründonnerstag.

Samstag:

Restalkohol vom Vortag. Die leichte Flüssiganästhesie nutzen, um am besten Name, Adresse und wichtige Telefonnummern beim Tattoostudio um die Ecke auf den Unterarm tätowieren zu lassen, damit die Person, auf deren Couch du kotzen und einschlafen wirst, dem Taxifahrer Bescheid geben kann, wenn sie dich rauswirft oder dich jemand nach deiner Alkoholvergiftung aus dem Krankenhaus abholen kann. Haustürschlüssel am besten beim Piercingstudio als Ohring oder Brustwarzenpiercing verlustsicher anbringen lassen. Aspirin einwerfen, los geht’s zur Karnevalssitzung.

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Sonntag:

Aufwachen mit brutalen Kopfschmerzen, da seit Freitag nicht nüchtern. Einfach weiter machen. Kopfschmerzen betäuben. Zum Frühstück erstmal drei Feigling und zehn Kölsch. Um 12 Uhr bist du dann wieder schmerzfrei auf Pegel, als wäre nie was gewesen. Du hast längst vergessen, welcher Tag heute ist. Du machst einfach durch. Bester Tip, um den Rosenmontagsumzug nicht zu verpassen.

Rosenmontag:

Inzwischen weißt du auch nicht mehr, wie du heißt. Bist du eine Frau, weißt du auch nicht, ob du schwanger bist. Oder ob du mit deinem Partner nach Hause bist, weil ungefähr 1000 andere mit dem gleichen Kostüm in der Stadt herumwankten und am Schluss sowieso alle gleich aussahen. Davor schützen nur: Sterilisation, Keuschheitsgürtel oder ein Warnhinweis auf dem Slip mit der Aufschrift: “Achtung Genitalpilz!“

Dienstag:

Absoluter Verlust der Muttersprache. Inzwischen müsste man den Hausarzt zwecks Arbeitsunfähigkeit nicht mal mehr anlügen. Könnte nach allem aussehen. Am besten die letzten Stunden vor der eigenen Haustür feiern und auf diese Weise endlich mal die nette Nachbarschaft kennenlernen. So kommt man bis Aschermittwoch wirklich völlig problemlos durch.

Nur den Richtigen mit nach Hause nehmen oder im richtigen Zuhause aufzuwachen. Ja, das ist die Königsdisziplin, die nur wenige beherrschen. Für jeden anderen hilft tatsächlich nur, wenn du dich über die komplette Fastnachtszeit mit Handschellen an deinen Partner kettest, den Schlüssel verschluckst oder dir ’ne elektrische Fußfessel zulegst, die dir in jedem falschen Bett Elektroschocks gibt.

Immerhin – Boris hat’s nach der Besenkammeraffäre geholfen.

TÄTÄÄÄÄ! TÄTÄÄÄÄ! TÄTÄÄÄ!

Karneval_Indira Weis

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