News Indira-weis-kolumne-cinema-for-peace-foto-1-ws

22. Februar, 2016

0

Indira Weis: Können Kino & Kunst Frieden? Von Au Weia Weia bis Oh Wow Wow

Bilder sind stärker als jede Waffe. Sagt man. Aber stimmt das auch? Bei „Cinema for Peace“ prangert unübersehbar ein gewaltiges Statement des Künstlers Ai Wei Wei am Treppenaufgang des Konzerthauses am Berliner Gendarmenmarkt, als ich nachmittags in die Maske geschickt werde. Die einen finden es Oh Wow Wow , die anderen Au Weia Weia.

Indira-weis-kolumne-cinema-for-peace

Von weitem sieht es aus, als hätte man wunderschöne, übergroße, orangefarbene Blumen um die majestätischen Säulen drapiert. Kommt man näher, erkennt man, dass es hunderte einzelner Rettungswesten sind. Nicht irgendwelche Rettungswesten. Nein, die ertrunkener Flüchtlinge auf ihrem Weg in Frieden und Freiheit. Dieses Bild provoziert. Wachrüttelnde Kunst. Das Statement: „Seht her, was passiert, wenn wir nicht helfen! Lasst statt leerer Rettungswesten, Menschen aus Fleisch und Blut hier ankommen.“

Indira-weis-kolumne-cinema-for-peace

Dieses Jahr steht „Cinema for Peace“ im Zeichen der Flüchtlinge. Charlize Theron ist Schirmherrin. Vor ihr waren es schon Leonardo di Caprio, Michail Gorbatschow und Sharon Stone, die dem politisch kritischen Kino eine Stimme gaben.

In einer Gesellschaft, in der sich gerade beim Thema Flüchtlinge das Stimmungsbarometer wöchentlich ändert, ist es anscheinend wichtig geworden, Bilder zu zeigen, die Flüchtlinge auf ihrer Reise zwischen Leben und Tod portraitieren, damit wir in unserer Komfortzone im sicheren Deutschland vielleicht zweimal darüber nachdenken, ob wir denn nun für oder gegen Flüchtlinge sind. Wenn man mich fragt: Nehmt doch einfach den längst zweckentfremdeten Solidaritätszuschlag als Flüchtlingshilfe.

Im Saal sitze ich neben Neffi Temur, Senior Director A&R / Marketing bei Universal Music Deutschland. Auf unseren Stühlen liegen goldene Wärmeschutzfolien, die Verunglückte bei der ersten Hilfe umgelegt bekommen. Häh? Findet die Afterparty draußen bei null Grad statt? Auf einmal die Aufforderung von „Cinema for Peace“-Initiator Jaka Bizilj: „Ai Wei Wei hat euch die Goldfolien hingelegt. Lasst uns ein Statement setzten.“ Wir legen uns alle die Goldfolien um. Bildhafte, wortlose Solidarisierung mit den Flüchtlingen. Ein: „Wir fühlen mit euch. Wir helfen. Wir sind pro.“

Am nächsten Tag betitelt die Bildzeitung jene Solidarisierung als geschmacklos. Und als sinnlos. Das man in Luxus schwelge und heuchlerisch sei, ist der spitze Unterton. Aber was ist an einem starken Bild, das durch Provokation aufmerksam macht, geschmack- oder gar sinnlos? Dieses Bild ging am nächsten Tag um die Welt. Jeder sah uns Deutsche im Saal mit einer klaren Aussage, ohne auch nur ein Wort sagen zu müssen: Wir fühlen mit den Menschen, die ihr Leben auf der Flucht vor Krieg riskieren. Wir reichen die Hand. Wir heißen sie willkommen.  In vielen anderen Ländern, die Flüchtlinge ablehnen, wäre diese Aktion tatsächlich geheuchelt. Nicht in Refugee-Home No1. Das sind wir nun mal.

Indira-weis-kolumne-cinema-for-peace

Alle kommen Dresscode-getreu in Smoking und langer Abendrobe. Trotz der Kritik, es sei heuchlerisch, Charity-Galas im noblen Rahmen zu veranstalten. Versteh ich nicht. Dann wäre jeder Gast nur dann authentisch, wenn er auch privat komplett auf Luxus zugunsten eines Sauberimage in puncto Charity verzichtet und seinen Porsche verkauft, um das Geld zu spenden. Ist doch unrealistisch. Wenn etwas heuchlerisch wäre, dann so zu tun, als würde jeder Cent, der für die meist durchgesponserte Ausführung einer Gala draufgeht, verlorene Flüchtlingshilfe sein, bei Menschen, die vielleicht auf eine Stehparty mit Currywurst und Rotkäppchensekt erst gar nicht kommen würden, geschweige denn so viel spenden.

Auch wenn wir es gerne sehen würden: Eine Charlize Theron kommt auch nicht Economy hergeflogen und dennoch hat es einen hohen Impact, dass sie kommt. Diese Veranstaltung bringt gut betuchte Opinion-Leader aus oberen Entscheiderkreisen zusammen, gerade weil das Event ein nobles Highlight ist und man das Angenehme mit dem Karitativen verbindet, wofür man dann auch gerne ein paar rote Scheine springen lässt. DAS ist die Wahrheit. Egal ob sie Gegnern schmeckt oder nicht. Und das ist dann auch der Zweck, der die vieldiskutierten Mittel heiligt. Lieber so, als gar nicht, oder?

Indira-weis-kolumne-cinema-for-peace

Die Filmbeiträge sind stark. Sie rütteln nochmal wach. Bilder sind definitiv eine starke Waffe. Ich frage Neffi: „Meinst du nicht ‚Music for Peace‘ würde funktionieren? Bilder wie hier sind stark, aber Musik ist auch eine der stärksten Waffen der Welt. Ich sag nur: ‚Imagine‘.“ Er nickt: „Könnte man ’ne krasse Charity-Veranstaltung draus machen. Würde funktionieren.“ Wer weiß. Spontane Ideen sind die besten. Und diese Idee kann gerne jemand klauen. Auch da würde der Zweck die Mittel heiligen.

Eure Indira for Peace

Tags: ,



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Back to Top ↑

  • Jetzt erhältlich

  • Jetzt bestellen