smalltalk-Interview (c) Robert Eikelpoth(c) Robert Eikelpoth

18. August, 2017

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Paul Falk: „Man macht sein Ding und dann schaut man, was passiert“

18.August 2017 – Fernsehzuschauer kennen Paul Falk als Schauspieler aus Serien wie „Der Lehrer“, „SOKO Köln“ oder „Alarm für Cobra 11“. Im Juli hat der 20-jährige Düsseldorfer nun sein Debütalbum „1000 Lieder“ veröffentlicht – eine abwechslungsreiche Mischung aus Pop- und Rockmusik. Im Stil seiner musikalischen Vorbilder Coldplay, Jamie Cullum, Herbert Grönemeyer oder Andreas Bourani liefert das Singer-Songwriter-Talent Hymnen wie „Allererste Liebe“, Klavierballaden wie „Immer mehr“ oder Partykracher wie „Tanzen“. Im Interview mit smalltalk erzählt Falk, wie er zur Musik fand, was ihn an der Gesangssprache Deutsch fasziniert und wie er auf seine Texte kommt.

smalltalk: Paul, du bist mit dem Musikmachen buchstäblich aufgewachsen. Schon vor deiner Geburt war dein Vater Dieter ja schon ein erfolgreicher Musikproduzent, Keyboarder, Arrangeur und Komponist. So hat er beispielsweise das PUR-Album „Abenteuerland“ produziert. Wann hast du das Ganze für dich persönlich realisiert?

Paul Falk: Schon als ich zur Grundschule ging und selbst anfing, mich für Musik zu interessieren. Auf dem Heimweg von der Schule lag das Studio meines Vaters. Ich habe dann immer dort zu Mittag gegessen und im Regieraum am Mischpult zugehört. Dann fing allerdings die Ausbildung an: klassischer Klavierunterricht, so mit 7 oder 8 Jahren. Das war grauenhaft für meinen Bruder und mich. Ich dachte vorher immer: Musik ist cool, da muss man nichts für tun. Außerdem wollten wir Rock- oder Popmusiker sein und nicht Bach nach Noten klimpern.

smalltalk/Markus Laux

Paul Falk: „Als andere angefangen haben zu studieren, habe ich mich im Studio eingeschlossen.“ (Foto: smalltalk/Markus Laux)

smalltalk: Aber irgendwann hast du dann doch Geschmack daran gefunden?

Paul Falk: Ein Bekannter von uns hatte die Idee, dass wir im kleinen Rahmen in der Schule mal ein Familienkonzert geben könnten. Mein Vater hat sich dann überreden lassen. Für meinen Bruder und mich war es ein Aha-Erlebnis. Ich an Synthesizer und Hammondorgel, mein Bruder am Schlagzeug. Mit elf Jahren stand ich so zum ersten Mal auf der Bühne und es war für mich ein magisches Erlebnis: dem Publikum ins Auge zu schauen und die Reaktionen zu sehen. Ab dem Moment wusste ich: Ich will die Bühne nicht mehr verlassen.

smalltalk: Zu diesem Zeitpunkt hattest du noch lange Zeit Schule vor dir. Wie bist du trotzdem immer am Ball geblieben?

Paul Falk: Unter dem Namen Falk & Sons haben wir weiter Konzerte gegeben. Dann fing ich an, eigene Lieder zu schreiben – zuerst auf Englisch, weil das alles viel cooler für mich klang. Die Stücke habe ich dann immer auf den Konzerten gesungen. Das war so was wie eine Probebühne, auf der ich mich austoben konnte.

smalltalk: Wie hast du dann trotzdem die Kurve zur deutschen Sprache gekriegt?

Paul Falk: Auf den Konzerten habe ich festgestellt, dass das die richtige Sprache für mich ist. Irgendwann habe ich dann den Song „Immer mehr“ für meine Mutter geschrieben. Das war der Startschuss für meine deutschen Texte. Da habe ich festgestellt, dass der Schlüssel zur deutschen Sprache die Ehrlichkeit ist – weil es sich ganz anders angefühlt hat, als auf Englisch zu singen. Danach habe ich ein deutsches Lied nach dem nächsten geschrieben.

smalltalk: Parallel dazu hast du geschauspielert?

Paul Falk: Ja, die Schauspielerei kam letztlich durch die Musik, weil ich für den Zeichentrickfilm „Der kleine König Macius“ den Titelsong gesungen habe. Der Sprecher kam dann plötzlich in den Stimmbruch und ich habe auch noch seine Rolle als Titelfigur übernommen. So bin ich auf den Geschmack gekommen. Die Schauspielerei macht mir auch Spaß, mein Herz schlägt aber für die Musik.

smalltalk: Gibt’s aktuelle Schauspielerprojekte?

Paul Falk: Ich hab gerade einen Thriller in der Schweiz gedreht, eine neue deutsche Serie mit Klaus Maria Brandauer: „Capelli Code“ von Regisseur Alex Martin. Es geht dabei um eine Geiselnahme. Der Geiselnehmer ist der Hauptdarsteller und ich spiele diesen Geiselnehmer in jung. Es wird die Geschichte erzählt, wie er zu diesem Menschen wird. Das Ganze hat mich total fasziniert. Ich spiele nun mal gerne Rollen, die mich auch irgendwie herausfordern.

smalltalk: Zurück zur Musik. Wie kam es schließlich zur Realisierung von „1000 Lieder“? Hast du die Platte direkt nach dem Abi in Angriff genommen?

Paul Falk 1000 Lieder Cover

Paul Falk: Genau, das war ein Kindheitstraum von mir. Früher sagte ich mir, dass ich irgendwann meine eigene CD in der Hand halten wollte. Als ich mich fragte, wann ich reif dafür sein würde, wusste ich: erst nach dem Abi. Als andere angefangen haben zu studieren, habe ich mich im Studio eingeschlossen.

smalltalk: Viele der Songs handeln von Liebe, Beziehungen und Gefühlen. Haben deine Texte einen autobiographischen Hintergrund?

Paul Falk: Auf jeden Fall. Ich kann nur über Dinge schreiben, die ich erlebt oder reflektiert wahrgenommen habe. Das Stück „Allererste Liebe“ ist z.B. eine wahre Geschichte. Das Album war eigentlich schon fertig und ich war glücklich damit – doch dann hat es mit meiner allerersten Liebe nicht funktioniert. Das hat mich ziemlich mitgenommen, deshalb habe ich ein Lied daraus gemacht, um es zu verarbeiten. Eigentlich wollte ich es gar nicht veröffentlichen, doch es ist richtig gut geworden und wurde letztlich sogar die erste Single.

smalltalk: Diesen autobiografischen Bezug gibt’s wohl auch in dem Song „Kindheit“…

Paul Falk: Genau. Ich hatte mir alte Fotos angeschaut und festgestellt, dass die Kindheit eine Zeit war, in der man sich über nichts Gedanken gemacht hat. Man hat von Tag zu Tag gelebt. Das größte Problem war, wenn eine Sandburg kaputt ging. Als 20-Jähriger sieht das alles etwas anders aus. Auch ich weiß inzwischen, was Druck und Alltagsstress sind. Da wünscht man sich manchmal die Kindheit zurück. So kam mir die Zeile „Ich will zurück in meine Kindheit“. Das war eine Momentaufnahme.

smalltalk: Was hast du von deinem Vater gelernt?

Paul Falk: Dass man sich nicht verrückt machen und ruhig bleiben sollte. Man macht sein Ding und dann schaut man, was passiert. Wenn ich einen Song schreibe, frage ich mich immer, ob er gut genug ist. Er sagt dann immer: „Entspann dich, wenn es sich für dich richtig anfühlt. Du bringst den Song raus und alles, was danach passiert, liegt nicht in deiner Hand.“

smalltalk: Wie sind deine weiteren Pläne als Musiker?

Paul Falk: Nächstes Jahr will ich eine Tour machen. Ich will so viel wie möglich live spielen, weil mir das Live-Erlebnis wichtig ist. Für mich als Hörer ist es auch immer aufregender, Musik im Konzert zu erleben statt zu Hause.

smalltalk: Vielen Dank für dieses Interview.

 

Foto © Robert Eikelpoth

Das Interview darf für redaktionelle Zwecke mit Quellenangabe „smalltalk/Kick-Media“ genutzt werden.



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