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8. Juni, 2018

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Rolf Zuckowski: Bei mir gibt es keinen musikalischen Alltag

Musikgeschäfte sind für Rolf Zuckowski „ganz besondere Erlebniswelten“. Deswegen unterstützt er am 16. Juni gemeinsam mit Angelo Kelly, Gregor Meyle, Helmut Zerlett und Tom Gaebel den Aktionstag „Deutschland macht Musik – spiel mit!“.

Der Liedermacher Rolf Zuckowski unterstützt als prominenter Pate die Initiative „Deutschland macht Musik – spiel mit!“ der SOMM – Society Of Music Merchants. Der Verband der Musikalienhändler veranstaltet am 16. Juni einen bundesweiten Aktionstag, an dem Kinder, Jugendliche, junge Familien und Musikbegeisterte aller Altersgruppen Musikinstrumente entdecken, kennenlernen und ausprobieren können. In privaten Musikschulen und Musikgeschäften stehen Workshops, Schnupperkurse und jede Menge Live-Musik auf dem Programm. Zuckowski, der mit Liedern wie „Wie schön, dass du geboren bist“ oder „In der Weihnachtsbäckerei“ den musikalischen Alltag in Deutschlands Familien geprägt hat wie kaum ein anderer, engagiert sich seit Jahren für die musikalische Entwicklung von Kindern.

 

Herr Zuckowski, Ihre Lieder werden in Deutschlands Familien nicht nur als Musikkonserve gehört, sondern immer wieder auch als Anregung zum Selbermusizieren angenommen. Warum ist Musikmachen gerade für Kinder so wichtig?

Rolf Zuckowski: Ich glaube, dass Kinder, die Musik machen, sehr früh sich selbst besser entdecken, als wenn sie dies nicht tun würden. Kinder, die beispielsweise singen, fühlen sich wohler mit den anderen Menschen, mit denen sie zusammen sind und die vielleicht sogar mitsingen. Das setzt sich dann mit Instrumenten fort, wenn Kinder die richtigen Instrumente und vor allem auch die Menschen finden, die ihnen das jeweilige Instrument nahebringen – mit Spaß und ohne zu viel Druck. Diese Kinder entfalten dann oft einen besonders starken Sozialsinn, denn Musik kann man nur machen, wenn man gut zuhört. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gruppe. Außerdem gibt es in der Musik immer jemanden, der den Mut haben muss, nach vorne zu treten. Auch das führt zu enormen Entwicklungsschüben. In diesem Sinne ist Musik nicht nur für die eigene Entwicklung der Kinder sehr, sehr gut, sondern auch für ihr Umfeld.

Mit Ihren Liedern gehören Sie zum musikalischen Alltag vieler Menschen. Wie sieht Ihr eigener musikalischer Alltag aus?

Rolf Zuckowski: Es gibt keinen musikalischen Alltag bei mir. Ich war jetzt gerade unterwegs, um für meine Stiftung neue Projekte anzustoßen. Gestern war es so, dass ich zum Beispiel auf der Rückfahrt von einer langen Rundreise ein autistisches Kind besucht habe, das sich sehr gewünscht hat, mal mit mir zu singen. Aufgrund der Verfassung des Kindes ging das aber nur mit mir allein. Da passt es dann, dass ich immer die Gitarre dabei habe. Das Instrument wird dann wie selbstverständlich Teil des Gesprächs. Außerdem bin ich gerade in Zeulenroda in Thüringen mit einer Big Band aufgetreten. All das ist für mich keineswegs Alltag, sondern eher ein bisschen so wie Weihnachten. Ich empfinde es als Geschenk, dass ich so etwas erleben darf.

Sie spielen selbst vor allem Gitarre und haben kürzlich die Ukulele für sich entdeckt. Wie war überhaupt Ihr Weg in die Musik?

Rolf Zuckowski: Ich kann jetzt wirklich ein bisschen Ukulele spielen. Das macht mir sehr viel Spaß. Die Ukulele ist übrigens ein Trendinstrument, vor allem auch rund ums Kind. Viele Erzieherinnen finden eher den Weg zur Ukulele als zur Gitarre. Und es gibt auch sehr schöne Ukulele-Kurse für Kinder. Dieses Vier-Saiten-Instrument erlebt schon seit einiger Zeit einen ziemlichen Boom. Aber die Gitarre ist schon mein Instrument. Ich bin ja in Hamburg nach dem Krieg aufgewachsen. Und in meiner Familie wurde lediglich Mundharmonika gespielt. Aber mit 14 war ich in einem Ferienlager an der Ostsee. Dort habe ich Pfadfinder erlebt, die am Lagerfeuer zur Gitarre mit uns gesungen haben. Danach habe ich wohl keine Ruhe mehr gegeben. So ein Schlüsselerlebnis braucht man offensichtlich. Mein Vater hat mir jedenfalls eine Gitarre geschenkt und dann ging’s richtig los. Sehr schnell habe ich mit den ersten Akkorden meine ersten Lieder gemacht. Dann spielte ich in einer Band: The Beathovens, das war eine typische 60er-Jahre-Band. Als ich dann selber Vater wurde, kamen die Kinderlieder in unser Leben. Eigentlich kann ich meinen musikalischen Lebenslauf anhand der Gitarre schildern.

Das klingt sehr angenehm und sehr analog. Heute spielt allerdings auch in der Musik das Thema Digitalisierung eine immer größere Rolle. Auch bei Hobbymusikern. Ist das aus Ihrer Sicht ein Fluch oder ein Segen?

Rolf Zuckowski: Für mich ist es eigentlich immer ein Segen gewesen. Denn wenn man im Studio arbeitet, kommt man schon seit mindestens 20 Jahren ohne digitale Instrumente nicht aus. Die Kombination des Digitalen mit Gitarren und anderen natürlichen Instrumenten ist für mich selbstverständlich. Ich glaube, dass man heutzutage gerade Jugendlichen, die zwar gerne Musik machen möchten, aber keine Lust haben, Gitarre, Blockflöte oder etwas Ähnliches zu spielen, Musik über das Programmieren und Sound-Programme nahebringen kann. Diese Wege sollte man ihnen öffnen. Insofern sehe ich die Digitalisierung nicht als Fluch. Trotzdem: Das körperliche Erlebnis, ein Instrument zu spüren und vielleicht sogar mit dem eigenen Atem zu spielen, wie es bei Blasinstrumenten zum Beispiel der Fall ist, oder auch bei der Geige, die man einfach so nah am Körper spürt, ist natürlich schon etwas anderes. Dieses Erlebnis sollte man immer vorrangig möglich machen. Die Elektronik verstehe ich da als eine ideale Ergänzung.

Wie müsste vor diesem Hintergrund Ihrer Meinung nach eine erfolgreiche Förderung von Musikunterricht aussehen? Und was kann der Aktionstag „Deutschland macht Musik“ dazu beitragen?

Rolf Zuckowski: Ich fand diese Initiative einfach sehr unterstützenswert. Musikgeschäfte waren für mich immer auch ganz besondere Erlebniswelten. Ich habe Gitarren angeguckt, mir Anregungen geholt und dann auf das nächste Instrument gespart. Die Welt der Musikfachgeschäfte ist schon weit mehr also nur etwas rein Kommerzielles. Sie ist vor allem sehr inspirierend. Und was das Thema Musikunterricht angeht: An den Musikhochschulen zum Beispiel studieren viele in der Regel eigentlich nur, weil sie Solist an ihrem Instrument werden und eine Weltkarriere machen wollen. Und wenn das nicht klappt, wird man vielleicht Orchestermusiker. Und wenn das irgendwie auch nicht so das Wahre ist, wird man vielleicht Musikerzieher. Ich finde, dass das kein guter Weg ist. Musikerziehung als Vermittlung von Freude an der Musik aber auch von Kraft, die durch die Musik in die Kinder und ihre Gemeinschaft hineinkommt, muss man eigentlich höher schätzen. Vielleicht sollte man die Ausbildungswege entsprechend überarbeiten. Und dann geht es darum, die späteren Lerninhalte auf die Sicht der Kinder auszurichten und nicht zu sehr auf die Sicht fortgeschrittener Musiker. Darüber hinaus muss Eltern immer wieder vermittelt werden, dass Musik für ihre Kinder wirklich ungeheuer wertvoll ist: für die persönliche Entwicklung, für die Lernfreude und auch für die Gemeinschaft. Bei den Erzieherinnen und Erziehern in den KITAs ist das übrigens ähnlich. In der heutigen Ausbildung ist es so, dass Erzieherinnen und Erzieher zu selten an das aktive Musizieren herangeführt werden. Deshalb können sie das Thema auch nicht vermitteln. Da gibt es allerdings viele Privatinitiativen. Im November findet zum Beispiel in Koblenz ein KITA-Musik-Kongress statt, um Erzieherinnen und Erziehern Anregungen zu geben. Da bin ich auch dabei. Aber die Instanzen, die ausbilden, die müssten meines Erachtens, der Musik einen höheren Stellenwert geben. Das würde sich gesellschaftlich auf jeden Fall lohnen.

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