Kolumne In Venedig läuft das Filmfestival und Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen blickt gespannt auf die Lagunenstadt. Dort feiert heute Guillermo del Toros neue „Frankenstein“-Interpretation Weltpremiere. Gleichzeitig drückt Elbertzhagen die Daumen, dass Mascha Schilinskis bildstarkes Drama „In die Sonne schauen“ die nächste Oscar-Hürde nimmt. Doch da ist ja noch Zeit. Beim Thema Oscars erinnert er sich zudem an seine Begegnungen mit dem mehrfachen Schweizer Oscar-Preisträger Arthur Cohn. Foto © Ken Woroner Netflix

30. August, 2025

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Von Oscars und Löwen: Auf die Leinwand schauen!

In Venedig läuft das Filmfestival und Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen blickt gespannt auf die Lagunenstadt. Dort feiert heute Guillermo del Toros neue „Frankenstein“-Interpretation Weltpremiere. Gleichzeitig drückt Elbertzhagen die Daumen, dass Mascha Schilinskis bildstarkes Drama „In die Sonne schauen“ die nächste Oscar-Hürde nimmt. Doch da ist ja noch Zeit. Beim Thema Oscars erinnert er sich zudem an seine Begegnungen mit dem mehrfachen Schweizer Oscar-Preisträger Arthur Cohn.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

der von Sandra Maischberger produzierte Dokumentarfilm „Riefenstahl“ stand in diesem Jahr auf der deutschen Vorschlagsliste für die nächste Oscar-Verleihung. Die Expertenjury von German Films entschied sich aber dann doch ganz klassisch für einen fiktionalen Beitrag: Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“. Ein toller Film, der in Cannes bereits den Preis der Jury gewann und diese Woche in den Kinos angelaufen ist.

Bei der Entscheidung ging es um die Kategorie des „Besten fremdsprachigen Films“ und da tauchen Dokumentationen bekanntlich eher selten auf. Aber selbstverständlich gibt es da noch die Kategorie „Bester Dokumentarfilm“. Und in der hat ein deutschsprachiger Produzent, den ich persönlich sehr schätze, gleich drei Mal gewonnen: der Schweizer Arthur Cohn. Für „Nur Himmel und Dreck“ (1960), „American Dream“ (1990) und „Ein Tag im September“ (1999) verlieh ihm die Academy jeweils eine goldene Statuette.

Allein die Jahreszahlen hinter den Titeln machen deutlich: Der Mann muss schon vergleichsweise lange im Geschäft sein. Kein Wunder, schließlich ist er bereits fast 100 Jahre alt. Bis 2006 veranstaltete Arthur Cohn auf dem Münsterplatz seiner Heimatstadt Basel Jahr für Jahr große sommerlicher Open-Air-Events, bei denen auch ich mehrfach anwesend war. Dabei vergab er oft Souvenirs mit dem Slogan „Think with your heart“. Ich habe ihn als einen selbstbewusst-charmanten Menschen kennengelernt. Stets erschien er mir als das, was man früher einmal einen „soignierten Herrn“ nannte.

Wenn man seine Mitwirkung an den jeweils mit dem Auslands-Oscar prämierten Spielfilmen „Der Garten der Finzi Contini“ (1972), „Sehnsucht nach Afrika“ (1977) und „Gefährliche Züge“ (1985) noch mitrechnet (Cohn war an allen dreien als Produzent beteiligt), kann er sich sogar sechsfacher Oscarpreisträger nennen. Darüber hinaus wurden seine Filme unzählige Male nominiert.

In diesem Jahr kann man sich in der Schweiz vorstellen, dass der von der Regisseurin Petra Volpe inszenierte Film „Heldin“ mit der deutschen Schauspielerin Leonie Benesch in der Hauptrolle, Chancen auf einen Oscar haben könnte. Jedenfalls ist das der eidgenössische Vorschlag. Benesch war bereits im vergangenen Jahr in „September 5“ des Basler Regisseurs Tim Fehlbaum zu sehen – der Film war übrigens von Arthur Cohns „Ein Tag im September“ inspiriert und lief u.a. bei den Filmfestspielen von Venedig.

Apropos, Venedig. Die aktuelle Ausgabe des Festivals ist gerade angelaufen. Eine der ersten Auszeichnungen ging am Mittwoch an Kino-Legende Werner Herzog. Er erhielt einen Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Sein neuer Film „Ghost Elephants“ läuft außer Konkurrenz. Wer am Ende im Wettbewerb die Nase vorn hat, werden wir nächsten Samstag wissen. Bis dahin dürfen wir gespannt sein. Einige ebenso prominente wie verdiente Regiegrößen wetteifern um die begehrte Trophäe, darunter Paolo Sorrentino, François Ozon, Jim Jarmusch und Kathryn Bigelow. Guillermo del Toro ist ebenfalls dabei – mit einem klassischen Kinostoff: Heute feiert seine Verfilmung von „Frankenstein“ am Lido Weltpremiere.

Ob mit oder ohne Wettbewerb – beim cineastischen Gipfeltreffen in der Lagunenstadt gibt es sehr, sehr viel zu sehen. Zu viel, wie Oscar-Preisträgerin Julia Roberts am Freitag scherzend wissen ließ. Auf der Pressekonferenz zu ihrem neuen Film „After the Hunt“ bedauerte sie laut dpa lächelnd, bei all den Festivalterminen weder Zeit für den Markusplatz noch für eine Gondelfahrt zu haben.

Venedig dürfte aber auch ohne Gondelfahrt ein sehr besonderes Erlebnis sein. Ich freue mich jedenfalls auf neue Impulse, die von hier ausgehen und mit Sicherheit ebenso das Filmschaffen hierzulande inspirieren werden.

Einstweilen wünsche ich Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!

Alexander Elbertzhagen

(Herausgeber smalltalk)

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