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31. Januar, 2026

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ESC – Knallharter Karrierebooster und ein bisschen mehr

Es ist wieder ESC-Zeit. Gestern veröffentlichte die Kick-Media-Künstlerin Sarah Engels ihren Beitrag zum deutschen Vorentscheid in voller Länge: den Song „Fire“. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen hat hingehört und erinnert außerdem daran, dass Nicoles Siegersong von 1982 leider immer noch oder wieder aktuell ist. „Ein bisschen Frieden“? Wäre nicht schlecht.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

in jüngster Zeit macht das Wort „kriegstüchtig“ die Runde. Da frage ich mich: Sind wir überhaupt „friedenstüchtig“? Angesichts der überall auf der Welt ausgetragenen Waffengänge, die mal Krieg und dann wieder nicht Krieg, sondern irgendwie anders genannt werden, kommt man um solche Fragen leider nicht umhin.

Da scheint rückwirkend sogar ein Lied wie „Ein bisschen Frieden“, mit dem Nicole vor 44 Jahren in Großbritannien den damaligen Grand Prix d‘Eurovision de la Chanson gewann, alles andere als harmlos. Wenn schon ein großer Frieden utopisch zu sein scheint, dann wäre wenigstens ein bisschen sehr hilfreich für die direkt betroffenen Menschen.

Die Tatsache, dass am Eurovision Song Contest Vertreterinnen und Vertreter aus über 30 Ländern teilnehmen, um sich in einem friedlichen Sängerwettstreit zu messen, sendet durchaus sowas wie eine Love-and-Peace-Botschaft. Trotzdem bleibt natürlich Musik der Kern des Ganzen. Und dieser Kern ist durchaus hart. Denn es geht darum, möglichst viele Menschen so zu begeistern, dass man den Wettbewerb gegen alle Konkurrenz gewinnt.

Bis zum diesjährigen Contest in Wien sind es noch einige Monate hin. Doch jetzt bekommen wir langsam Stück für Stück die ersten Songs zu hören, die am 16. Mai am Start sein könnten. Bei uns in Deutschland wird der Vorentscheid bereits mit Spannung erwartet. Am Abend des 28. Februar steht fest, wer uns beim 70. ESC vertritt. Wir von der Kick-Media AG werden im Übrigen besonders mitfiebern, denn „unsere“ Sarah Engels gehört zu den Künstlerinnen und Künstlern, die sich in Berlin um das Ticket nach Wien bewerben. Sie geht mit einem, wie ich meine, sehr guten Titel ins Rennen: „Fire“. Gestern ist der Song offiziell erschienen.

Entscheidend für die deutsche Musik- und Entertainmentbranche wird aber sein, dass der Beitrag, der schließlich ausgewählt wird, am Ende in Wien möglichst gut abschneidet. Wer hat schon Lust auf „Germany zero Points“? Klar ist: Wer zum ESC fährt, will nicht nur teilnehmen. Wer zum ESC fährt, will gewinnen. Denn ein Sieg kann nun mal der Beginn eines neuen und erfolgreichen Karriereabschnitts sein. Kann, muss aber nicht. Wem fällt beispielsweise auf Anhieb der Name des Siegers vom letzten Jahr ein? Und wer war nochmal „Nemo“? Niemand hat 2024 in Malmö gewonnen? Erfolgsgarantien gibt es eben auch beim ESC nicht.

Nicole hatte 1982 Glück. Für sie war „Ein bisschen Frieden“ ein Karriere-Booster. Auf internationaler Ebene wird in diesem Zusammenhang immer wieder ABBA aus Schweden genannt. Deren „Waterloo“ ging 1974 ironischerweise als entscheidender Sieg in die Popgeschichte ein. Die Folge: Weltkarriere. Ganz ähnlich lief es bekanntlich für die Kanadierin Céline Dion, die 1988 mit „Ne partez pas sans moi“ für die Schweiz gewann. Oder denken Sie an die Band Måneskin aus Italien. Deren „Zitti e buoni“ sicherte Italien 2021 den ersten Platz. Für das diesjährige Gastgeberland Österreich sang Udo Jürgens bereits 1966 „Merci Chérie“. Er stand am Ende als Sieger da und war spätestens jetzt nicht mehr aufzuhalten.

Lena Meyer-Landrut, die Erstplatzierte von 2010, wurde in Oslo zum Star. Und auch wenn Michael Schulte 2018 in Lissabon „nur“ auf Rang 4 landete, so hinterließ er doch einen bleibenden Eindruck. Entscheidend für Erfolg und vor allem für nachhaltigen Erfolg ist selbstverständlich auch ein cleveres Management. Außerdem ein gutes Label (früher nannte man das Plattenfirma) und viel Glück. Vor allem aber geht es um Talent. Oder wie der große Enrico Caruso einmal definierte. „Das Zubehör eines Sängers: ein großer Brustkorb, ein großer Mund, 90 Prozent Gedächtnis, zehn Prozent Intelligenz, sehr viel schwere Arbeit und ein gewisses Etwas im Herzen.“

Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!

Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)

PS: Am vergangenen Samstag ging es an dieser Stelle u.a. um „Wenn die Sonne untergeht“, Florian Illies‘ höchst spannendes Buch über Thomas Mann und seine Familie im Exil. Dazu habe ich viele Rückmeldungen bekommen, was mich sehr gefreut hat. Ganz besonders möchte ich mich bei einer Leserin bedanken, die mir das Buch „Fabelhafte Rebellen“ von Andrea Wulf empfohlen hat. Darin geht es um die revolutionären Frühromantiker, die um 1800 von Jena aus Denken, Leben und Lieben in der westlichen Welt nachhaltig auf den Kopf gestellt haben. Protagonisten sind u.a. Fichte, die Humboldt-Brüder, die Schlegel-Brüder, Hegel, Novalis und vor allem Caroline Schlegel bzw. Schelling. Hin und wieder schauen sogar Goethe und Schiller vorbei.

PPS: Erfreulich ist aber vor allem, dass es auch heute noch Musikerinnen und Musiker gibt, die ihre Stimme erheben, um Missstände offen und klar anzusprechen. So wie Bruce Springsteen, der mit seinem neuen Song „Streets of Minneapolis“ gegen die brutalen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE Stellung bezieht. Das Lied sei seine „Antwort auf den Staatsterror“, so der Boss. Ich frage mich nur: Wann beziehen deutsche Singer-Songwriter wieder Stellung? Wann verlassen sie in ihren Texten die Sphäre der Beziehungskrisen und persönlichen Befindlichkeiten? Gegen vieles von dem, was wir da heute zu hören bekommen, ist „Ein bisschen Frieden“ wirklich fast schon ein Protestsong.

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