York Höller: Die GEMA ehrt den stillen Star der Neuen Musik
Mit bahnbrechenden Arbeiten wie seiner großen Oper „Der Meister und Margarita“ zählt der Kölner Musiker York Höller zu den prägenden Komponistenpersönlichkeiten unserer Zeit. Für sein Lebenswerk erhält der 82-jährige, mittlerweile erblindete Künstler Ende des Monats den Deutschen Musikautor*innenpreis der GEMA. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen stellt den stillen Weltstar der Neuen Musik vor und findet, dass sich das Zuhören bei Höller ebenso lohnt wie bei dessen Kollegen Morricone, Zimmer oder Bertelmann.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
Ende des Monats verleiht die GEMA den Musikautor*innenpreis 2026 an Deutschlands beste Komponisten und Texter. Einer, der als Preisträger jetzt schon feststeht, ist der Kölner Komponist York Höller. Der 82-Jährige steht in der Tradition der großen Klassiker. Insofern ist er ein direkter Nachfahre von Bach und Beethoven. Nun wird er für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
York Höller ist eher das, was man einen stillen Star nennt. Aber er gehört zweifellos zu den ganz Großen der deutschen Musik der Gegenwart. So lieferte der Schüler von Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez bereits in den 70ern den Soundtrack zur Eröffnung des Centre Pompidou in Paris. Und 1999 schrieb er die offizielle Musik zum Umzug des Deutschen Bundestages von Bonn nach Berlin.
Sein Opus magnum ist sicherlich die Oper „Der Meister und Margarita“ nach dem gleichnamigen Roman von Michail Bulgakow, inklusive Rolling-Stones-Zitaten. Die Zeitschrift „Fonoforum“ zählt das Stück zu den zehn besten Opern der vergangenen 50 Jahre. York Höller ist ganz einfach Weltspitze. Seine Werke werden von internationalen Top-Ensembles gespielt. Das reicht von den Berliner Philharmonikern bis zum Chicago Symphony Orchestra und dem Londoner BBC Symphony Orchestra.
Dass klassisch komponierende Musiker in der Regel zwar in Konzert- und Opernhäusern sowie im Feuilleton und im Kulturradio gefeiert, aber sonst wegen ihrer fehlenden Bekanntheit weniger beachtet werden, ist schade. Vielleicht hilft ein Award wie der Musikautor*innenpreis der GEMA ein wenig dabei, das zu ändern.
An der Grenze zwischen klassischer und populärer Musik arbeiten nicht zuletzt Komponisten, die für Film und Fernsehen schreiben. Der aus Frankfurt stammende Hans Zimmer ist so ein Künstler. Von „Der König der Löwen“ bis hin zu „Fluch der Karibik“ oder „Dune“ hat er zahllosen Filmen seinen Stempel aufgedrückt. Mit diesen Soundtracks geht er sogar auf Tournee. Oder der Düsseldorfer Volker Bertelmann, der immer wieder für einen Oscar nominiert wird und für „Im Westen nichts Neues“ sogar einen gewann. Der ebenfalls aus Deutschland stammende Brite Max Richter ist in diesem Jahr für seine Musik zum Drama „Hamnet“ im Oscar-Rennen dabei.
Jemand, der die orchestrale Kraft der Tradition mit der zum Teil verstörenden Klangkunst der Moderne zu Meisterwerken der Filmmusik verwoben hat, ist der 2020 mit 91 Jahren verstorbene Italiener Ennio Morricone. Da muss man nur den Namen nennen, und schon hat man den typischen Morricone-Sound im Ohr. Die großen Italo-Western der 60er-Jahre, aber auch spätere Sternstunden des Kinos wie „Mission“, „Cinema Paradiso“ oder „Django Unchained“ wären ohne Morricones Beiträge undenkbar. Auch er lernte übrigens von Boulez und Stockhausen. Seine Musik ist so populär, dass sie weiterhin regelmäßig in Konzerten aufgeführt wird. Das Werk York Höllers, das, so die Jury des Deutschen Musikautor*innenpreises, die Neue Musik-Szene und den „konventionellen“ Musikbetrieb versöhne, hat sicherlich eine ähnliche Resonanz verdient.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Neue klassische Musik ist schon eine großartige Sache, bei der sich das Zuhören lohnt. Neulich war ich in der Oper in Nizza und habe dort ein Konzert mit Musik von Beethoven gehört. Direkt im Anschluss stand Philip Glass auf dem Programm. Dieses Miteinander von mehr als 200 Jahre alter Musik mit einem Werk von heute (Glass ist nur ein wenig älter als Höller) ist unglaublich reizvoll. Es spannt einen Bogen über die Zeiten hinweg und verbindet uns Heutige auf besondere Weise mit der gesamten Menschheit.
PPS: Die Liste der Persönlichkeiten, die bislang mit dem Musikautor*innenpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, liest sich wie ein Who’s who des deutschen Musikschaffens – von moderner Klassik bis zu verschiedenen populären Genres. Zu den Preisträgern des seit 2009 verliehenen Awards gehören u.a. Neue Musik-Stars wie Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm oder die Liedermacherin Bettina Wegner und ihr Kollege Wolf Biermann, der Librettist und Autor Michael Kunze, der Entertainer und Komponist Udo Jürgens, Jazz-Legende Klaus Doldinger, „Winnetou“-Komponist Martin Böttcher und viele andere. York Höller befindet sich also in bester Gesellschaft.


