Wandern?! Nicht mit Ferdinand von Schirach
Bestsellerautor Ferdinand von Schirach war am 27. Februar in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“ zu Gast. Dabei erklärte er u.a., warum er die Natur am liebsten durch geschlossene Autofenster betrachtet und wie seine Alternative zum Wandern aussieht.
Der Schriftsteller und Jurist Ferdinand von Schirach ist alles andere als ein Naturbursche. Bei seinem Besuch in der von Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo moderierten Radio Bremen-Talkshow „3nach9“ lieferte er sich u.a. einen humorvollen Schlagabtausch mit der Langstreckenwanderin Christine Thürmer. „Ich finde es großartig, dass Sie das machen, aber wenn ich ganz ehrlich sein darf, würde ich lieber nicht mitgehen“, erklärte von Schirach.
Zum letzten Mal gewandert sei er schätzungsweise im Alter von acht Jahren, berichtete der 61-Jährige, der bei „3nach9“ grundsätzlich ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Ausflügen ins Grüne offenbarte. Er empfinde die Natur „immer so ein bisschen aufdringlich“, wenn man sich draußen aufhalte. „Wesentlich schöner ist es doch, in einem komfortablen klimatisierten Wagen langsam durch die Gegend zu fahren und sich die Natur durch das geschlossene Fenster anzuschauen“, führte von Schirach aus. „Letztlich ist es ja so: Draußen ist es nur von drinnen schön.“
Seine Skepsis gegenüber der Natur begründete der Autor mit einem soziologischen Ansatz: „Die Natur steht uns feindlich gegenüber, bestenfalls gleichgültig. Und in der Natur gilt das Recht des Stärkeren. Der Starke frisst den Schwachen“, sagte Ferdinand von Schirach. „Zivilisation, um es mal ein bisschen zu überhöhen, ist genau das Gegenteil: Das Recht ist erfunden, um den Schwachen vor dem Starken zu schützen.“ Weniger wissenschaftlich formulierte Ferdinand von Schirach eine seiner Schlussfolgerungen daraus: „Also, ich gehe wesentlich lieber ins Kaffeehaus als auf einen Wanderweg.“


