Sport-TV: Jeder Schuss ein anderer Sender!
Fußballstars verdienen Millionen, die nicht zuletzt durch die enormen Abo-Gebühren, die die Fans an verschiedenste Plattformen entrichten, finanziert werden. Trotzdem ärgert sich kaum jemand über üppige Spielerhonorare. 18,36 Euro Rundfunkbeitrag befeuern dagegen weiterhin die Debatte über die Existenzberechtigung öffentlich-rechtlicher Sender. Und der Druck steigt. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen vergleicht ganz bewusst Äpfel mit Birnen und findet, dass beides durchaus zusammenhängt.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
über Gehälter spricht man nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Man könnte ja neidisch werden. Auf den Kollegen, auf die Nachbarin oder den blöden Schwager. Eine besondere Stufe des Unmuts wird erreicht, sobald es um Abgeordnetendiäten geht, deren Höhe ja bekannt ist. Dann werden viele Durchschnittsverdiener regelmäßig gelb vor Neid. Ähnliches passiert angesichts der Intendantengehälter bei den öffentlich-rechtlichen Medien. Es gibt allerdings einen Bereich, in dem das Salär nicht hoch genug sein kann: das Geschäft mit dem Fußball. Darüber regt sich kaum jemand auf.
An der Spitze der Skala sollen hierzulande die beiden Bayern-Spieler Harry Kane und Jamal Musiala stehen. Laut „Sport Bild“ kommen sie jeweils auf ein geschätztes Brutto-Jahresgehalt von 25 Millionen Euro. Cheftrainer Vincent Kompany soll dem FC Bayern sieben Millionen Euro wert sein, vermutete die Zeitschrift im Sommer. Und es sieht so aus, als hätten Zahlen wie diese auf die Gesichtsfarben auch auf den billigen Plätzen (noch) relativ wenig Einfluss.
Doch das Mediengeschäft mit dem runden Leder nähert sich einer roten Linie. Für manche ist sie bereits überschritten, sodass sie vielleicht schon bald die rote Karte zücken könnten. Wer beispielsweise ab 2027 die Übertragungen aller Spiele von Champions League und Bundesliga sehen will, wird wohl tief in die Tasche greifen müssen. Für das volle Programm sind dann nach jetzigem Stand mindestens vier verschiedene Abos notwendig: Prime Video, Paramount+, Sky und DAZN. Ich habe mal nachgerechnet: Legt man die aktuellen Tarife zugrunde, werden bei der günstigsten Variante rund 85 Euro pro Monat fällig. Dass es bei dieser Summe bleibt, ist allerdings eher unwahrscheinlich.
Was sind dagegen die 18,36 Euro Rundfunkbeitrag für sämtliche ARD-Programme (TV und Radio und Online), ZDF und Deutschlandradio? Bei diesem Thema kochen bekanntlich die Emotionen hoch. Sogar Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sprach in diesem Zusammenhang vor wenigen Wochen von „Zwangsbeiträgen“. Dafür gab es erwartungsgemäß Applaus von rechts.
Und dann die bereits erwähnten Intendantengehälter! 403.000 Euro für SWR-Chef Kai Gniffke, 391.000 Euro für seinen ZDF-Kollegen Norbert Himmler und je 348.000 Euro für die Intendantinnen von Bayerischem und Westdeutschem Rundfunk. Der „Spiegel“ listete das alles in der Titelgeschichte der vorvergangenen Woche auf. Hätte man ein besseres Gefühl, wenn jede Chefin oder jeder Chef 100.000 Euro billiger würde? Die CEOs der privaten Anbieter erhalten sicherlich mindestens Hunderttausende (Plural!) mehr. Und deren Einkommen zahlen die Verbraucher ja streng genommen auch mit. Über die Marketing-Budgets der werbetreibenden Industrie – und (siehe oben) Abogebühren.
Selbstverständlich bleibt es jeder und jedem selbst überlassen, ob sie oder er Sky, DAZN, Joyn, RTL+ oder was auch immer abonniert, während man sich der Entrichtung des Rundfunkbeitrags nur schwer entziehen kann. Doch den Öffentlich-Rechtlichen ernsthaft die Existenzberechtigung abzusprechen, halte ich für einen schweren Fehler. Denn gerade jetzt brauchen wir sie: verlässliche Informationen, die weder von staatlichen noch von privatwirtschaftlichen Interessen gesteuert werden.
Dass die Öffentlich-Rechtlichen, die im vergangenen Jahr durch den Rundfunkbeitrag insgesamt 8,6 Milliarden Euro eingenommen haben, dringend reformiert werden müssen, ist deswegen nicht weniger notwendig. Und dass einem in den jeweiligen Programmen nicht immer alles gefällt? Zu rechts oder zu links? Blöde Shows? Immer diese Krimis! Zu viel oder zu wenig Fußball? Das wird man schon noch aushalten können. Im Zweifel kann man ja auch mal abschalten. Off Air wie offline gibt es jede Menge zu erleben.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes erstes Adventswochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Die Idee, sportliche Wettbewerbe wie beim Fußball medial aufzuspalten, lässt sich bestimmt auch auf andere Disziplinen übertragen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Berichterstattung der allseits beliebten Biathlon-Wettkämpfe auf verschiedene Plattformen verteilt würden? Jeder Schuss ein anderer Sender? Ob dann die Wintersport-Fans in der Spur bleiben?


