Kolumne Bill und Tom Kaulitz wollen Ende des Jahres den ZDF-Klassiker „Wetten, dass..?“ ins Hier und Jetzt katapultieren. Bereits vorher beleben Barbara Schöneberger und Stefan Raab den Samstagabend bei RTL neu. Diese beiden Meldungen bereiten Alexander Elbertzhagen gute Laune. Es gibt ihn also noch, den Stoff, aus dem guter Content gemacht wird. Doch da geht noch mehr. Der Kick-Media-Vorstandschef schlägt einen Bogen von Tokio Hotel bis Thomas Mann. (Foto: ETH Bibliothek Zürich/Thomas Mann Archiv)

24. Januar, 2026

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Sehr guter Stoff – von „Wetten, dass..?“ bis „Der Zauberberg“

Bill und Tom Kaulitz wollen Ende des Jahres den ZDF-Klassiker „Wetten, dass..?“ ins Hier und Jetzt katapultieren. Bereits vorher beleben Barbara Schöneberger und Stefan Raab den Samstagabend bei RTL neu. Diese beiden Meldungen bereiten Alexander Elbertzhagen gute Laune. Es gibt ihn also noch, den Stoff, aus dem guter Content gemacht wird. Doch da geht noch mehr. Der Kick-Media-Vorstandschef schlägt einen Bogen von Tokio Hotel bis Thomas Mann.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

diese Woche gab es zwei Meldungen, die zeigen, dass das Fernsehen weiterhin ziemlich lebendig ist. Und mit Fernsehen meine ich jede Art von Bewegtbild. Von klassisch linear bis zu den Streamern und YouTube. Zunächst einmal verbreitete also RTL die Nachricht: Barbara Schöneberger und Stefan Raab bekommen eine gemeinsame Quizshow namens „Wer weiß wie wann was war?“.

Das dürfte höchst unterhaltsam werden. Warum? Weil die Kombination einfach überraschend ist. Und in Sachen Schlagfertigkeit, Spontaneität und Humor enormes Potenzial hat! Da ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Außerdem zeigt ein Blick in die Show-Geschichte, dass Duos immer wieder das Publikum begeistert haben. Denken Sie nur an Sonny und Cher, Dietmar Schönherr und Vivi Bach oder ganz einfach an Joko und Klaas!

In der zweiten Top-Meldung der Entertainment-Woche ging es ebenfalls um eine hochspannende Paarung: Bill und Tom Kaulitz übernehmen die Moderation von „Wetten, dass..?“. Mit diesen Protagonisten dürfte das ZDF das televisionäre Lagerfeuer wieder so anfachen, dass man sich gerne davor versammelt. Wenn jemand das Zeug hat, dieses Format zu entstauben, indem man Staub aufwirbelt, dann die Familie Kaulitz. Auf alle Fälle hat das ZDF mit dieser Personalie einmal mehr gezeigt, wie man für eine Sensationen sorgt und warum man schon lange Marktführer ist.

Es ist also wieder mal der Inhalt, auf den es ankommt. So wie beim dramatischen EM-Spiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Spanien. Am Montagabend schalteten knapp sieben Millionen Menschen das ZDF ein und sorgten für einen Marktanteil von 27,7 Prozent. Doch da gab es noch Luft nach oben: Am Donnerstagnachmittag knackte der nächste Sieg des deutschen Teams fast die 40-Prozent-Marke.

Dass Content der entscheidende Hebel ist, gilt natürlich auch für das Radio. Wenn das chronisch langweilige Kontinuum der größten Hits der 80er, 90er und 00er endlich mal von spannenden Features oder Reportagen unterbrochen wird, entsteht auf einmal etwas Eigenständiges, Hörenswertes und Inspirierendes.

Doch ganz gleich, ob Audio oder Video – wenn man möchte, findet man sehr rasch sehr guten Stoff. Denn Gott sei Dank gibt es sie noch: mutige, denkende und kreative Redakteurinnen und Redakteure und nicht nur Verwalter oder gar Algorithmen des Entertainments bzw. der Kultur.

Und zum Glück gibt es ja noch das gute alte Buch. So habe ich gerade „Wenn die Sonne untergeht“ gelesen. Darin beschäftigt sich Florian Illies mit der Wahnsinnsfamilie Mann. Die sind ja im Grunde so was wie die deutschen Royals. Illies beschreibt, wie Thomas, Heinrich, Klaus, Katja, Erika, Golo und all die anderen Mitglieder des Clans nach der Machtübernahme der Nazis im Exil landeten. Er erzählt dabei von den Mann‘schen Höhen und Tiefen. Wobei sich Letztere oft als wahre Abgründe erweisen.

Bei Prime Video habe ich anschließend noch einmal Heinrich Breloers legendäre Dokudrama-Serie „Die Manns“ gesehen. Mit Armin Mueller-Stahl als Thomas Mann. Die Bilder des wunderbaren Kameramanns Gernot Roll offenbaren ein höchst ungewöhnliches Leben zwischen Sex and Drugs and Rock’n’Roll. Wobei der Rock’n’Roll bei den Manns durch Literatur zu ersetzen ist.

In dieser Familie muss es jedenfalls heftigst zur Sache gegangen sein. Das beschreiben Breloer und Illies gleichermaßen intensiv. Wie diese letztlich nonkonformistischen Manns im Deutschland der geordneten Bahnen so populär werden konnten, ist mir immer noch schleierhaft. Wirklich entscheidende Antworten auf die Frage nach den Ursachen dieser Beliebtheit geben aber die Bücher – von Heinrich Manns „Professor Unrat“ bis zu Thomas Manns „Buddenbrooks“ oder „Der Zauberberg“.

Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes und unterhaltsames Wochenende!

Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)

PS: Beim Lesen von „Wenn die Sonne untergeht“ habe ich mich außerdem gefragt: Kann Florian Illies die Manns überhaupt leiden? Das gilt besonders für den Patriarchen Thomas Mann. Falls auch Sie das Buch gelesen haben: Was meinen Sie?

PPS: Davos, der Ort, an dem die Handlung von „Der Zauberberg“ spielt, stand in dieser Woche im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Zu den Höhepunkten zählte dabei sicher die mutige Rede des kanadischen Premiermisters Mark Carney.

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ronald paul yandere