Wird Hendrik Wüst der neue Kanzler oder will er nur spielen? Bereits im vergangenen Jahr eröffnete der NRW-Ministerpräsident gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Dorothee Bär die Gamescom. Die diesjährige Ausgabe der weltgrößten Computerspiele-Messe startet kommende Woche in Köln. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen schaut schon mal voraus und hat selbstverständlich wieder eine passende Getränkeempfehlung. (Foto © Koelnmesse/Uwe Weiser/Stephan Pick)
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
am Mittwoch beginnt in Köln die Gamescom, die größte Computerspiele-Messe der Welt. Der Branchentreff gehört mittlerweile zu Köln wie das Kölsch. Dabei sollte nicht vergessen werden, wem die Stadt diesen Erfolg letztlich zu verdanken hat. Ursprünglich fand das Ganze ja unter dem Namen Games Convention in Leipzig statt. Dort wurde das Thema von 2002 bis 2008 großgemacht.
2026 stünden die Zeichen wieder auf Wachstum, so Koelnmesse-Chef Gerald Böse gegenüber dpa. Erwartet werden 1.600 Aussteller, zwei Drittel davon aus dem Ausland, sowie weit über 300.000 Besucherinnen und Besucher. Auch wenn sich die Massen auf eine Gesamtfläche von 233.000 Quadratmetern verteilen, steht fest: Es wird wieder voll in den Messehallen im Stadtteil Deutz.
Der vom game – Verband der deutschen Games-Branche veröffentlichte Report 2026 meldet ebenfalls ein Wachstum. Demnach wurden mit dem Erwerb von Games, entsprechender Hardware und Online-Services 9,4 Milliarden Euro umgesetzt, was einem Plus von vier Prozent entspricht. Der Markt ist also gigantisch.
Die erfolgreichsten Spiele kommen allerdings weiterhin aus dem Ausland. An der Spitze der neu erschienenen PC- und Konsolenspiele lag 2025 „EA Sports FC 26“ des US-amerikanischen Herstellers Electronic Arts. Auf Platz zwei rangiert ebenfalls Electronic Arts mit „Battlefield 6“, gefolgt von „Mario Kart World“ von Nintendo, made in Japan.
Die öffentliche Diskussion über die negativen Folgen von Computerspielen, also mehr Aggressivität und sittliche Verrohung der Gesellschaft weil die Menschen zu viel zocken, ist in jüngster Zeit eher abgeebbt. Mittlerweile geht es bekanntlich mehr um die Gefahren durch Social Media und diesbezügliche Verbote und Altersbegrenzungen. Liegt das womöglich daran, dass die analoge Wirklichkeit in vielerlei Hinsicht mittlerweile brutaler geworden ist als die digitalen Spiele? Zum Glück nicht ganz und nicht überall. Laut game-Report spielen in Deutschland 41,2 Millionen Menschen Computerspiele. Die werden nicht alle zu Amokläufern, können also offenbar mehrheitlich gut zwischen Fiktion und Realität unterscheiden.
Zugegeben, in sogenannten Ballerspielen wird mit blanken Waffen, mit Schnellfeuergewehren und Granaten hantiert. Ich halte das nicht für besonders unterhaltsam, aber denken Sie mal an all die Filme und Serien und vor allem an die nach wie vor höchst erfolgreichen TV-Krimis. Was da abgeht, ist im Grunde nicht weniger erschütternd brutal als so manches Game-Gemetzel. Gleiches gilt für die Unterhaltungsliteratur, zum Beispiel für die Thriller von Sebastian Fitzek, dessen Bücher mittlerweile eine Auflage von mehr als 20 Millionen erreichen.
Games sind für viele Menschen Teil ihrer persönlichen Entertainment-Biografie. Wer als junger Mensch in den 90ern Disneys damals bahnbrechenden Animationsfilm „Toy Story“ gesehen hat, wird kürzlich auch ein Kinoticket für Teil fünf gekauft haben und sich obendrein auf die Veröffentlichung des dazugehörigen Computerspiels freuen. Für Oktober wurde nämlich „Toy Story: Retro Roundup!“ angekündigt. Da dürften bei vielen Fans nostalgische Gefühle aufkommen.
Es gibt also auch Games ohne Schnellfeuergewehr. Die inhaltliche Bandbreite bei Computerspielen ist nun mal mindestens so umfassend wie bei Filmen, Büchern oder Musik. Seien wir also auf die Gamescom gespannt. Falls Sie in Köln nicht dabei sein können, gibt’s die Messe übrigens auch online. Der Startschuss (ob mit oder Ballerspiel) fällt mit dem Livestream der Opening Night am 25. August.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei und ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Sollten Sie im Rahmen der Gamescom nach Köln kommen, probieren Sie doch mal eine der vergleichsweise neuen Biere dieser Stadt. Da gibt es zum Beispiel das traditionell obergärige „Schreckenskammer“-Kölsch. Doch die Kölner können auch anders und stoßen mit „Zappes“ an, einem naturtrüben Bio-Pils.
PPS: Weniger flüssig läuft ausgerechnet während der Gamescom der Zugverkehr rund um Köln. So ist die gerade für Messebesucher wichtige Strecke zwischen Köln und Düsseldorf ab diesem Wochenende bis Anfang September gesperrt. Was sich die Deutsche Bahn dabei gedacht hat, bleibt wie immer rätselhaft. Vielleicht ist das nur ein Spiel? Aber dafür ist die Sache dann doch zu Ernst. Die Bahn und die Bundesregierung haben offenbar weiterhin vieles gemeinsam: Da wird einiges auf die Schiene gesetzt und dann so eifrig wie ahnungslos wieder ausgebremst.
