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Nordrhein-Westfalen feiert seinen 80. Landesgeburtstag. Grund zur Freude hat man deshalb nicht nur im Düsseldorfer Landtag, sondern auch beim NRW-Tag in Münster. Kick-Media-Vorstandschef und Wahl-Rheinländer Alexander Elbertzhagen feiert 80 Jahre Demokratie und NRW als Medienstandort. Außerdem schaut er kurz bei der Gamescom in Köln vorbei, gönnt sich einen Abstecher nach Bochum und verliert bei all dem aber auch sein Geburtsbundesland nicht aus den Augen.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
in diesem Jahr hat Deutschland vieles zu feiern: Eine ganze Reihe von Bundesländern wird 80. In Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern wurden 1946 die Verfassungen verabschiedet. Gleiches gilt für Thüringen, das die Zentralregierung der DDR aber 1952 wieder auflöste. Die wohl größte Party gönnt sich noch bis Sonntag das am 23. August 1946 gegründete Nordrhein-Westfalen mit dem NRW-Tag in Münster. Schließlich ist dieses Bundesland ja auch das bevölkerungsreichste. Heute leben zwischen Eifel und Weser knapp 18 Millionen Menschen. Also mehr als in den benachbarten Niederlanden, in Belgien oder Dänemark. Selbst zusammengefasst kommen da auch die sogenannten fünf neuen Länder im Osten nicht ran.
Wenn ich auf die Länderjubiläen schaue, habe ich vor allem Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen im Blick. Weil ich in Schleswig-Holstein geboren, in Hamburg beruflich geprägt und in Köln heimisch wurde. Was hier seit der Gründung dieser Bundesländer passierte, ist höchst spannend und prägt die Geschichte der gesamten Republik bis heute.
Als Medienmensch denke ich da selbstverständlich an die verschiedenen Medienlandschaften. Vor acht Jahrzehnten passierte so einiges. Und zwar in ganz Deutschland. So genehmigte in Berlin die sowjetische Militärverwaltung die Tageszeitung „Neues Deutschland“, die dann zum sogenannten „Zentralorgan der SED“ wurde. In Leipzig ging erstmals die „Leipziger Volkszeitung“ in Druck und in München erschien bereits im Herbst 1945 die erste Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“.
Auch in „meiner Region“, also der damaligen britischen Besatzungszone, die ja den Norden und den Westen Deutschlands umfasste, wurden in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis heute bekannte Medien gegründet. Beispielsweise in Hamburg startete Axel Springer die „Hörzu“ und Gerd Bucerius „Die Zeit“, während in Düsseldorf Anton Betz aktiv wurde. Als erfahrener Journalist gründete er gemeinsam mit dem späteren NRW-Ministerpräsidenten Karl Arnold und dem Juristen Erich Wenderoth die „Rheinische Post“, heute die größte Tageszeitung im Rheinland mit einer täglichen Markenreichweite von mehr als 1,8 Millionen Leserinnen und Lesern.
Nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 blieb die Medienhoheit bei den Ländern. Das ist bis heute so und NRW weiterhin ein bedeutender Medienstandort. Denken sie nur an den WDR, an RTL oder Bertelsmann überhaupt (die Gütersloher veröffentlichten erst gestern wieder sehr gute Geschäftszahlen). Außerdem schrieben hier beispielsweise VIVA und GIGA TV Mediengeschichte. Zugegeben, das ist schon ein Weilchen her, aber beide Sender bildeten vor laufender Kamera zahlreiche Talente aus, die dann später bei großen Sendern Karriere machten. Stefan Raab, Matthias Opdenhövel, Klaas Heufer-Umlauf, Miriam Pielhau oder Enie van de Meiklokjes sind hier beispielhaft zu nennen.
Auch heute könnten große Sender ähnliche, möglicherweise zeitgemäßere Wege gehen, um neue Talente auszubilden und zu rekrutieren. Warum das nicht geschieht, ist mir schleierhaft. Thematische Aufhänger gäbe es genug. Zum Beispiel hören und sehen Menschen schließlich immer noch Musikinhalte. Und vor allem das Thema Games bietet schier unendliche ökonomische, aber auch kreative Möglichkeiten.
Die Bedeutung der Games unterstreicht in diesen Tagen die gamescom hier bei uns in Köln. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war vor Ort. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst erwies dem Wirtschaftszweig einmal mehr seine Reverenz – und nutzte die Gelegenheit für coole Bilder. Schließlich ist in einem guten halben Jahr wieder Wahlkampf im Land. Ob Wüst dann wieder als Regierungschef in Düsseldorf antritt, oder ob man ihn bald eher in Berlin sieht?
Wie auch immer, jetzt wird erst einmal gefeiert. 80 Jahre Nordrhein-Westfalen, aber auch 80 Jahre Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Bayern und mit Unterbrechung Thüringen stehen für 80 Jahre Demokratie in Deutschland. Diese zu bewahren, ist eine Aufgabe, die angesichts so mancher gesellschaftspolitischer und ganz konkret landespolitischer Entwicklung dringender ist denn je. Ich wünsche mir jedenfalls, dass unsere Republik auch noch ein freiheitlich demokratisches Land ist, wenn wir in drei Jahren 80 Jahre Grundgesetz feiern.
Ihnen wünsche ich nun ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: In Nordrhein-Westfalen werden die unterschiedlichsten Biere getrunken. Hier gibt es nicht nur die meisten Menschen in Deutschland, sondern auch die größte Anzahl von Bieren. Meine liebste Variante führt mich ins Ruhrgebiet zur Privatbrauerei Moritz Fiege und dem dort gebrauten Pils.
PPS: Gerade war ich in Schleswig-Holstein. Dort ist man mit alkoholischen Getränken nicht zimperlich. Zwischen Nord- und Ostsee werden sehr gute Kornbrände oder auch Aquavite gereicht. Ursprünglich aus Flensburg kommt der einst von den Toten Hosen besungene eisgekühlte Bommerlunder. Zu empfehlen ist aber auch ein Oldesloer Weizenkorn aus Bad Oldesloe. Im Norden immer wieder gern kredenzt wird natürlich ein klassischer Import aus Norwegen: Linie-Aquavit, nachdem er in Sherryfässern wochenlang auf See war und dabei den Äquator, die Linie, überquerte.
