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Wie spricht man über Musik, ohne dass man dauernd über Musik spricht? Die Berliner Musikjournalistin Anja Caspary weiß, wie das geht. Und KLang-PR-Chefin Kathrin Lang feiert das. Casparys Podcast „Berlin Sounds Inside“ hört sie regelmäßig. Was ihr daran so gefällt, zeigt sich beispielhaft in der aktuellen Folge mit der Singer-Songwriterin Mine.
Anja Caspary ist für mich ein fester Bestandteil der Berliner Musikszene. Als treue radioeins Hörerin (mittlerweile sogar von Köln aus) bin ich ihr im Grunde jeden Tag dankbar für die musikalische Ausrichtung des Senders. Für mich ist der rbb-Sender radioeins seit mittlerweile 15 Jahren meine „Radiowelle #1“. Und wenn jemand ein Interviewformat über Musik moderieren sollte, dann bitte Anja Caspary.
Dabei begann ihre Karriere erstaunlich weit weg vom Radio: Caspary ist ausgebildete Physiotherapeutin, studierte später Theaterwissenschaft sowie Germanistik und kam 1989 über den SFB zum Rundfunk. Ab 1993 war sie beim Aufbau des Jugendradios Fritz dabei, moderierte von 1995 bis 1997 beim Musiksender VH-1 und gehörte 1997 zur ersten „Besetzung“ von radioeins. Dort prägte sie den Sender 26 Jahre lang, von 2015 bis 2023 sogar als Musikchefin.
Mit anderen Worten: Anja Caspary hat nicht irgendwann angefangen über Musik zu sprechen, sie war einfach immer dabei. Sie kennt Künstler*innen, die einzelnen Szenen und Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg und genau das merkt man ihrem Podcast „Berlin Sounds Inside“ auch ziemlich klar an. Caspary muss ihr Wissen nicht ausstellen. Sie hört gut zu, kennt die richtigen Geschichten und schafft es dadurch, Gespräche auf Augenhöhe zu führen. Der rbb selbst beschreibt ihre Stärke ziemlich treffend: „Persönlich, überraschend und nah an Haltung und Herkunft.“
An dieser Stelle muss ich auch einmal eine kleine Lobeshymne auf die ARD loswerden, denn genauso wünsche ich mir öffentlich-rechtlichen Musikjournalismus 2026: „Berlin Sounds Inside“ funktioniert als Podcast bzw. Videopodcast, ist auf dem Portal ARD Sounds ebenso wie auf radioeins zu hören, in der ARD Mediathek zu sehen und läuft zusätzlich ganz klassisch im rbb Fernsehen. Ein Inhalt, viele verschiedene Ausspielwege und ich kann selbst entscheiden, wie ich diesen Content konsumiere. Und ja: ARD Sounds ist inzwischen wirklich eine verdammt gute App zum Podcast-Hören. Sollte jeder mal testen.
Eine gute Gelegenheit dazu bietet die aktuellen Folge. Darin ist die Singer-Songwriterin Mine zu Gast. Das Gespräch zeigt, warum Anja Caspary für diesen Job genau die Richtige ist. Aus dem Sprechen über Musik wird ziemlich schnell eine Unterhaltung über das Leben hinter der Kunst. Es geht um Mines späten und organisch gewachsenen Erfolg, ihre DIY-Mentalität, Berlin, den frühen Tod ihrer Mutter und darüber, warum sie heute immer besser darin wird, sich nicht mehr um das zu kümmern, was andere über sie denken.
Besonders hängen geblieben ist mir, wie offen Mine mit Caspary über ihre Optik spricht. Sie beschreibt ihren Hang zu düsteren, abgefahrenen Looks, spricht über negative Kommentare und darüber, dass sie sich eine Zeit lang bewusst angepasster angezogen hat, weil sie gemerkt hat, dass sie für all diese Reaktionen einfach nicht stark genug war. Heute schafft sie es immer besser, das an sich abprallen zu lassen. Das beschreibt sie als höchst befreiend. Wie befreiend, das merkt man Mine im Rahmen ihrer aktuellen Promo-Aktionen auch an. Vielleicht ist das überhaupt das Schönste an diesem Gespräch: Es geht um Musik, ohne dass es die ganze Zeit nur um Musik gehen muss. Und genau deshalb hört man bis zum Ende zu – und schließlich bei Mines Musik ganz anders hin.
