Aufmacher_HP_Sandra Hueller_Vaterland_Foto_Neue Visionen
Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen ist ein großer Sandra-Hüller-Fan. Den Kinostart ihres in Cannes mit einer Goldenen Palme geehrten Films „Vaterland“ nimmt er zum Anlass einer Würdigung. Die „thüringische Europäerin“ (Hüller über Hüller in der „Süddeutschen Zeitung“) ist für ihn der größte deutsche Filmstar seit Langem.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
diese Woche startete in den Kinos „Vaterland“ mit Sandra Hüller in der Rolle der Erika Mann, die ihren Vater Thomas Mann auf einer Reise durch das vom Krieg zerstörte Deutschland begleitet. Der Film ist eine Sensation – auch weil Sandra Hüller selbst eine Sensation ist. Nach „Der Astronaut – Project Hail Mary“, „Rose“ und „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ ist dies in diesem Jahr der vierte Kinofilm mit ihr. „Rose“ wurde mittlerweile sogar als österreichischer Oscar-Beitrag für die Kategorie „Bester Internationaler Film“ eingereicht.
Apropos, Oscars: Nach einer Regeländerung ist es möglich, dass Sandra Hüller demnächst etwas gelingen könnte, was vor ihr noch niemand geschafft hat: Oscar-Nominierungen könnte sie gleichzeitig für ihre Hauptrollen in „Vaterland“ und „Rose“ erhalten. Und auch als Nebendarstellerin in „Der Astronaut – Project Hail Mary“ an der Seite von Ryan Gosling sowie in „Digger“ neben Tom Cruise wäre sie im Rennen. Vier Oscars auf einmal für einen einzigen Menschen? Noch stehen die Nominierungen nicht fest, aber noch ist alles möglich!
Fest steht nur: An Sandra Hüller führt derzeit kein Weg vorbei. Für mich ist sie eine der ganz Großen, nicht nur des deutschen Schauspiels. Ich sehe sie sehr gerne auf der Leinwand und auf der Theaterbühne. Eine Höchstbegabte!
Vor zwei Jahren habe ich sie, wie damals schon mal erwähnt, im Rahmen der Ruhrtriennale in dem Musiktheaterstück „I Want Absolute Beauty“ erleben dürfen. Wie sie dort in der Bochumer Jahrhunderthalle sang und spielte, war absolut großartig. In dieser einzigartigen Performance existierte diese Künstlerin mit allen Fasern ihres Ichs. Und mir wurde klar: Hier nimmt jemand seinen Beruf und die Darstellung dieses Berufes auf höchst erfreuliche Weise sehr ernst.
Meine Begeisterung für Sandra Hüller begann aber schon etwas früher. Denn aufgefallen ist sie mir vor nicht ganz 20 Jahren in dem Film „Fräulein Stinnes fährt um die Welt“ und kurz darauf in der Heinrich-Mann-Verfilmung „Henri 4“, mit der wir bei Kick-Media nebenbei bemerkt auch zu tun hatten. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ sie dann 2013 in „Finsterworld“.
Vor genau zehn Jahren kam dann der ganz große Auftritt: „Toni Erdmann“. Neben Peter Simonischek spielte sie die weibliche Hauptrolle. Damit gewann sie als „Beste Darstellerin“ den Europäischen Filmpreis, den Bayerischen Filmpreis und den Deutschen Filmpreis. Außerdem war „Toni Erdmann“ 2017 für einen Oscar nominiert. 2024 erhielt sie ihre erste persönliche Oscar-Nominierung für die Hauptrolle in „Anatomie eines Falls“. Höchst beeindruckend auch, wie sie in „The Zone of Interest“ die Frau des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß verkörperte. Der Film gewann zwei Oscars, darunter die Kategorie „Bester internationaler Film“.
Wer Sandra Hüller bei der Ausübung ihres Berufes sieht, spürt: Da steht ein Mensch, der weiß, was er will und wie er das, was er will, umsetzt. Schon allein Fotos von Dreharbeiten oder vom roten Teppich in Cannes oder sonst wo belegen das immer wieder. Da ist jeder Blick, jede Geste überlegt und zugleich empathisch. Nicht (zu) abgehoben. Sie ist also auch auf dem nicht-roten Teppich geblieben. Sandra Hüller ist ebenso deswegen der größte deutsche Filmstar seit Langem.
Jetzt bestätigt sie ihren Ruf, indem sie an der Seite von Hanns Zischler die Tochter Thomas Manns spielt. Regisseur Paweł Pawlikowski bedient sich in „Vaterland“ übrigens eines dramaturgischen Tricks und erzählt die grundsätzlich wahre Geschichte von Thomas Manns Nachkriegsreise so, dass ihn nicht wie in Wirklichkeit Ehefrau Katja, sondern Tochter Erika begleitet. Aber dieser Film ist nun mal keine Doku. Er ist vielmehr einer der beeindruckendsten deutschen Spielfilme der letzten Jahre. Müssen Sie gesehen haben!
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Beim Thema Filme und Drinks darf natürlich ein Martini nicht fehlen. Wenn es nicht immer die von James Bond bevorzugte geschüttelte Variante (mal mit, mal ohne Wodka) sein soll, empfehle ich einen Espresso-Martini. Da ist definitiv Wodka drin, aber vor allem auch leicht abgekühlter frisch gebrühter Espresso und Kaffeelikör. Hinzu kommen möglichst wenig Zuckersirup und Eiswürfel.
PPS: Zu den bekanntesten Marken des Freistaats Thüringen gehört neben Goethe, Schiller und Hüller sicherlich auch das Köstritzer Schwarzbier. Die entsprechende Brauerei im heutigen Bad Köstritz ist eine der ältesten Braustätten Deutschlands. Das dort produzierte Bier kommt farblich dem Espresso-Martini sehr nahe, schmeckt aber vor allem schön malzig erfrischend. Kein Wunder, dass es mittlerweile auch internationale Beliebtheit genießt. In Anlehnung an das Interview, das die Thüringerin Sandra Hüller jüngst der „Süddeutschen Zeitung“ gab, kann man sagen: Es ist ein thüringischer Europäer.
