Bei RTL herrscht nach der Übernahme von Sky Deutschland Aufbruchstimmung. Auch von anderen Medienkonzernen gibt es trotz allgemein angespannter Lage kleinere und größere Erfolgsmeldungen. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen macht sich Gedanken über die Zukunft der Branche und die wichtige Rolle des Windowing bei der Auswertung von Bewegtbild-Content. Außerdem geht’s um das traditionelle Pool Position-Spargelessen in Köln.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
Die Stimmung scheint trübe. Die Zahlen scheinen gut. Die Hoffnung ist da. Das sind die Eindrücke, die man aus den jüngsten Verlautbarungen der großen Medienhäuser und -konzerne gewinnen konnte. Vor allem bei RTL macht sich nach der vollzogenen Sky-Übernahme Aufbruchstimmung breit. In der vergangenen Woche stellte das neue Powerhouse die Struktur seines Content-Bereichs vor, in dem die geballte Entertainment-, Fiction-, Studio- und Sportkompetenz unter der Leitung von CCO Inga Leschek gebündelt wird. Dabei rückt das Zauberwort „Windowing“ zunehmend in den Mittelpunkt.
Auch andernorts gibt es trotz der bekannt schwierigen wirtschaftlichen Gesamtsituation Lichtblicke zu vermelden. DuMont, das sich als Medien- und Technologieunternehmen breiter aufgestellt hat, gab deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn bekannt. Auch die Funke-Mediengruppe sieht sich durch kontinuierliche Zukäufe von Medienmarken auf einem guten Weg.
Der große RTL-Konkurrent ProSiebenSat.1 übt sich unterdessen in selbstbewusster Bescheidenheit. „Wer einfach wächst, ohne die Profitabilität zu erhöhen, schafft keinen nachhaltigen Wert“, erklärte CEO Marco Giordani unlängst in einem „Handelsblatt“-Interview. „Wir sind darauf vorbereitet, ein kleineres Unternehmen zu werden – aber mit einer höheren Profitabilität.“ Kleiner werden und damit Geld verdienen, lautet also die Devise. Wir sehen: Bei den Medien führen alle Wege nach Rom, bzw. nicht nach Amerika.
All dies waren natürlich auch Gesprächsthemen beim traditionellen Spargelessen, zu dem die Kick-Media-Tochter Pool Position Management, vor wenigen Tagen in das Restaurant „Kölsche Art“ hier in der Domstadt einlud. Zahlreiche Produzenten, Senderverantwortliche, TV-Protagonisten und weitere Gäste ließen sich die Gelegenheit zum entspannten Gedankenaustausch bei kühlen Getränken und exzellentem, al dente gekochten Spargel nicht entgehen. Dieses Get-Together, zu dem wir regelmäßig Anfang Juni einladen, hat mittlerweile seinen festen Platz in den Kalendern der Medienschaffenden aus Köln und darüber hinaus. So soll es auch weiterhin sein.
Aber noch einmal zurück zum eingangs erwähnten Windowing, das in Zeiten, in denen Bewegtbild längst nicht mehr nur im klassischen TV stattfindet, stetig an Bedeutung gewinnt. Es geht um die plattformübergreifende Steuerung und Auswertung von Inhalten, um deren Zuschauerpotenzial optimal auszuschöpfen. Gerade im Zusammenspiel von klassischen Sendern mit Streamern gibt es hier bereits erfolgreiche Beispiele von den Öffentlich-Rechtlichen und ihren Mediatheken, ProSiebenSat.1 mit Joyn und natürlich nicht zuletzt von RTL und RTL+. Bei Letztgenannten waren und sind u.a. schon „Neue Geschichten vom Pumuckl“, „Der Bachelor“ oder „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ plattformübergreifend erfolgreich. Im Zusammenspiel mit Sky eröffnen sich hier nun ganz neue Möglichkeiten.
Natürlich muss man sehen, was alle Prognosen und Ansagen in ein, zwei Jahren noch wert sind. So mancher wird die Entwicklungen in unserer Branche mit besonderem Interesse und auch Anspannung verfolgen, weil womöglich der eigene Arbeitsplatz davon abhängt. Aber wir sollten alle nicht vergessen, dass wir von einem sehr hohen Niveau jetzt in die Realität zurückkehren. Meiner Ansicht nach können wir froh sein, dass wir nicht in bestimmten Bereichen des Einzelhandels tätig sind – oder gar in der Automobilbranche.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Apropos Spargel essen. Vor Kurzem war ich mit einem alten Freund in Königswinter. Zum Spargel trank ich „Königswinterer Riesling Rüdenet“, einen wunderbaren Riesling Cuvée vom Weingut Pieper am Hang des Drachenfelses. Der alteingesessene Familienbetrieb ist als nördlichstes Weingut am Mittelrhein bekannt.
PPS: Ja, ich weiß, dass es noch viel nördlicher gelegenere Weinanbaugebiete gibt – zum Beispiel in Deutschland auf den Inseln Sylt und Föhr und darüber hinaus auch in Dänemark und Südschweden. Womöglich in Zukunft sogar noch viel weiter nördlich?!?. Aber dann sind wir schon bei einem ganz anderen und sehr ernsten Thema: den dramatischen Auswirkungen des Klimawandels.
