Kabarettist Dieter Nuhr wurde in Berlin vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis 2026 geehrt. Erste Gratulanten waren Zentralratspräsident Josef Schuster, die Vizepräsidenten Abraham Lehrer und Mark Dainow sowie der Laudator Ahmad Mansour.
Kabarettist Dieter Nuhr wurde in Berlin vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis 2026 geehrt. Erste Gratulanten waren Zentralratspräsident Josef Schuster, die Vizepräsidenten Abraham Lehrer und Mark Dainow sowie der Laudator Ahmad Mansour.
Seit 1957 zeichnet der Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis Persönlichkeiten aus, die sich in besonderem Maße für die jüdische Gemeinschaft und gegen Antisemitismus eingesetzt haben. Preisträger 2026 ist der Kabarettist Dieter Nuhr. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis erinnert an den Rabbiner Leo Baeck.
Die diesjährige Verleihung fand am gestrigen Mittwochabend vor rund 300 Gästen in Berlin statt, Darunter waren ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, FDP-Chef Wolfgang Kubicki, Deutsche Welle-Intendantin Barbara Massing, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sowie Israels Botschafter Ron Prosor, der Diplomat und Publizist Avi Primor, die Schauspielerin Adriana Altaras und deren Kollege Wolfgang Bahro.
In seiner Dankesrede erinnerte sich Dieter Nuhr u.a. an seinen ersten Besuch in Israel vor 40 Jahren und die damalige „hippiemäßige“ Atmosphäre. „Ich habe immer gedacht, die Tatsache, dass Israel der einzige Staat im Nahen Osten ist, in dem Frauen gleichberechtigt leben können, in dem Schwule feiern, in dem Menschen von überall her selbstbestimmt leben und arbeiten, allein schon das würde zu einer gewissen Sympathie von Kulturschaffenden für die einzige Demokratie im Kreis von mittelalterlichen Folter-Regimen führen. Da war ich naiv“, führte er aus.
Wer gute Argumente habe, um die israelische Regierung zu kritisieren, dürfe das tun. „Der ist selbstverständlich deswegen kein Antisemit“, betonte der Kabarettist. Allerdings sei es sehr wohl Antisemitismus, wenn zum Beispiel Juden am Betreten einer Universität gehindert würden, weil sie Juden sind. Es sei auch Antisemitismus, „wenn die Ermordung Tausender Juden relativiert wird, indem man ihnen die Schuld an ihrer Ermordung selber zuweist. Indem man die Täter zu Opfern erklärt“, gab Nuhr zu bedenken. „Dass Antisemitismus nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch unter Linken und Kulturschaffenden gefühlt eher die Regel als die Ausnahme ist, macht mich fassungslos. Es zeigt, dass ein großer Teil derer, die sich Antifaschisten nennen, heute keine Antifaschisten sind. Sondern im Gegenteil.“ Dass es sich dabei nicht um ein deutsches, sondern um ein weltweites Phänomen handele, sei keineswegs ein Trost.
„Wir erleben heute wieder, dass Menschen mitlaufen, sich offensichtlich gedankenlos einfügen in eine sich moralisch überlegen fühlende Menge. Und genau da entsteht der Raum, in dem sich das Böse entfaltet“, erklärte Dieter Nuhr zum Ende seiner Rede. „Und wir können nicht mehr tun als dagegenhalten, argumentieren – und Witze machen…“
Zuvor hatte der Psychologe und Autor Ahmad Mansour die Laudatio auf den Leo-Baeck-Preisträger des Jahres 2026 gehalten. „Ich bin froh, eine Stimme wie Dieter Nuhr in diesem Land zu haben“, betonte er darin. „Denn Demokratie bedeutet, aushalten zu können. Demokratie bedeutet Meinungsvielfalt. Und Toleranz heißt nichts anderes als: ertragen.“
