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Die Open-Air-Saison läuft. Doch so ein Konzertsommer verbraucht jede Menge Energie und am Ende türmen sich die Müllberge. Muss das so sein? Dass es auch anders geht, zeigen gerade Die Toten Hosen mit ihrer „Trink aus! Wir müssen gehen“-Tour. Die Düsseldorfer Band versucht, nachhaltiger zu touren. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen macht sich Gedanken über das Thema Nachhaltigkeit in der Entertainment-Branche. Er findet: Kultur und Klimaschutz müssen sich nicht widersprechen.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
nach den Hitzerekorden der Vorwoche war es in den vergangenen Tagen etwas erträglicher. Doch die hohen Temperaturen kommen wieder. Nun fragt man sich: Ist das einfach nur der Sommer? Oder doch der Klimawandel? Tatsache ist, dass wir uns auf heiße Zeiten werden einstellen müssen. Einfach nur eine Klimaanlage zu kaufen, hilft da nicht wirklich weiter. Die Lösung liegt wohl eher in nachhaltigem Verhalten. Doch das sagt sich so leicht. Seit Jahren. Und seit Jahren passiert zwar einiges, aber es ist nicht genug.
Bei aller Skepsis besteht trotzdem Grund zum Optimismus. So ist die Nachricht des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass im ersten Halbjahr in Deutschland 58 Prozent des Stromverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden konnten, doch schon mal positiv. Selbstverständlich wird das nicht reichen, um die sich abzeichnenden Probleme in den Griff zu kriegen. Schließlich geht es nicht nur ums Klima, sondern überdies um die Wirtschaft und damit auch um Politik und staatliche Souveränität.
Nicht irgendwo im Nirgendwo
„Je höher der Anteil der Erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger und desto resilienter wird unsere Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks“, sagt Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg im Bericht des BDEW.
Was das alles mit der Entertainment-Branche zu tun hat? Eine ganze Menge. Schließlich leben wir ja nicht irgendwo im Nirgendwo. Wir sind mittendrin. Und da bei der Produktion von Filmen, Serien, TV-Shows und Videos hohe CO2-Emissionen anfallen, gibt es seit 2017 den Arbeitskreis „Green Shooting“. Zu den Mitgliedern gehören ARD, ZDF und Arte ebenso wie die RTL-Gruppe, ProSiebenSat.1, diverse Streamingdienste und Verbände. Ziel des ZDF ist es beispielsweise, die Herstellung von Programm vollständig auf „grüne Produktion“ umzustellen. Auch bei Arte will man bis 2028 mindestens zu 70 Prozent nachhaltig produzieren. Ähnlich sieht es bei den anderen Anstalten und Anbietern aus.
Längst ist das Thema auch im Musikgeschäft angekommen. Beispielsweise haben sich die Veranstalter des Wacken Open Air ebenfalls vorgenommen, den ökologischen Fußabdruck ihres Festivals zu verkleinern. Müllentsorgung, Wasseraufbereitung, nachhaltige Materialien beim Merchandising und vieles mehr gehören zum Konzept von Green Wacken. Aber da gibt es zum Glück noch viel, viel mehr.
Die Nachhaltigen Hosen
Anfang Juni starteten Die Toten Hosen ihre finale Tour „Trink aus! Wir müssen gehen“. Gestern Abend hatte die Band ein Heimspiel in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena. Back to back legen sie dort heute mit einer zweiten Show nach. Bis September folgen dann noch 16 weitere Termine – und wie die vorigen sind sie alle ausverkauft. Da kommt einiges zusammen. Allein in diesem Sommer werden über 900.000 Menschen erwartet. Vor diesem Hintergrund haben die Hosen ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept entwickelt, das alle Bereiche eines solchen Mammutprojekts umfasst.
Wo immer es möglich ist, wird Ökostrom eingesetzt. Es gibt alternative Kraftstoffe anstelle von Diesel und ins rechte Licht gesetzt wird die Show von energieeffizienter LED-Technologie. Es geht um mehr vegetarische und vegane Lebensmittel, weniger Verpackungen, um Mülltrennung und Recycling. Hinzu kommt u.a. die Förderung von öffentlichen Verkehrsmitteln für die Anreise des Publikums. Unterstützt werden zudem Fahrgemeinschaften und die Nutzung von Fahrrädern.
Kultur meets Klimaschutz
Bei all dem arbeiten die Musiker mit der Berliner Hochschule für Technik (BHT) zusammen. Auf diese Weise soll das Projekt wissenschaftlich ausgewertet werden. Wenn man hinterher weiß, was funktioniert hat und was nicht, lassen sich diese Erkenntnisse auch auf andere Produktionen übertragen. Das ist jedenfalls die Idee.
Die Toten Hosen setzen damit ein Zeichen dafür, dass Kulturveranstaltungen, auch die größten, und Klimaschutz durchaus zusammenpassen können. Schon klar, Die Ärzte aus Berlin haben das alles vor ein paar Jahren schon vorexerziert. Doch die alte Konkurrenz der beiden Bands soll hier nicht wieder aufgewärmt werden. Wichtig ist nur, dass sich immer mehr Menschen ernsthafte Gedanken über praktikable Antworten auf die Frage machen: Wie können Filme, Serien, Shows und Konzerte in Zukunft aussehen? Und da ist das aktuelle Konzept der Toten Hosen eine sehr gute Sache.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Bei diesem Wetter sollte man viel trinken. Die Toten Hosen haben da sogar ein eigenes Bier im Angebot: Hosen Hell. Entwickelt hat es die Band in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Altbierbrauerei Uerige, also mit Spezialisten für obergäriges Bier. Trotzdem wird Hosen Helles untergärig gebraut – und zwar in Bayern, was wiederum zum Biertyp passt.
PPS: Der beste Durstlöscher ist immer noch gutes Mineralwasser. Bei mir zu Hause in Köln bevorzuge ich Gerolsteiner aus der Eifel. Da sind auch die Transportwege nicht so weit. Das ist in meinem Fall also eine nachhaltige Erfrischung. In Italien – und dort bin ich meistens auf Sardinien – trinke ich das sardische Smeraldina. Das kommt von dort und wurde einmal zum besten Mineralwasser der Welt gekürt.
