Von Olympia und Berlinale – von Ski bis Skrei
Grande finale bei Olympia und Berlinale. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen nimmt beide Weltereignisse in den Blick. Angesichts ausgesprochen verrückter Sportarten fragt er sich, was demnächst so bei Olympia anstehen könnte. Darts? Wasserski? Fest steht: Gold und Silber gibt’s auch bei den Filmfestspielen in der Hauptstadt. Elbertzhagen drückt diesmal dem Film „Rose“ mit Sandra Hüller die Daumen – und erinnert sich an den großen Moment, in dem Meltem Kaptan den Silbernen Bären gewann.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
die Welt des Entertainment hatte in der vergangenen Woche zwei klare Schwerpunkte: die Olympischen Winterspiele in Norditalien und die Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Ihre jeweils finalen Höhepunkte erreichen beide Events an diesem Wochenende. Als quantitativ absolut überwältigend erwies sich wie erwartet die Olympia-Präsenz. Die Entertainment-Disziplin Sport dominierte vor allem im Fernsehen, also in den öffentlich-rechtlichen Sendern.
Antreiber des Olympia-Booms waren laut einer dpa-Meldung die jungen Zuschauer. Besonders weit oben in der Gunst liegen offenbar Rodeln und Bobfahren. Klar, das sind genau die Disziplinen, in denen deutsche Athletinnen und Athleten traditionell die Nase vorn haben. Und Sieger sind eben besonders sexy.
Ausgesprochen entertaining scheinen aber auch weniger klassische Leibesübungen zu sein. Zum Beispiel das Skibergsteigen oder „Ski Mountaineering“. Dabei begeben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst einmal per pedes auf eine Wandertour. Sobald sie das höher gelegene Etappenziel erreicht haben, lösen sie die mitgebrachten Ski von ihren Rucksäcken, stellen sich auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und rasen ins Tal zurück. Wer am schnellsten unten ist, gewinnt.
Bei anderen Wettbewerben, wie beispielsweise dem Slopestyle geht es darum, mit irrwitzigen Sprüngen und Drehungen die Grenzen der Physik auszutesten. Wenn man das sieht… „das crazy!“, möchte man sagen. Im Laufe der Berichterstattung wurde schon heftig gewitzelt, inwieweit denn ebenso verrückte Kombinationssportarten wie Ski-Schach oder Ski-Schwimmen möglich wären. Biathlon, also Skilaufen und Schießen, wäre da vielleicht ein Vorbild. Auch diese Kombi scheint Außenstehenden heutzutage ja eher absurd. Aber sie begeistert das Publikum seit Generationen.
Oder denken Sie an Curling. Da flutschen mit einem Griff bewehrte Steine über eine Eisfläche und vor diesen klobigen Sportgeräten wird mit Besen alles glatt gewischt. Auch ziemlich crazy. Manch einer nennt das übrigens schon Schach auf Eis. Aber irgendwie erinnert das Ganze eher an Darts. Und das ist ja bekanntlich höchst begehrt – bei Zuschauerinnen und Zuschauern genauso wie bei TV-Sendern. Passenderweise wurde diese Woche bekannt, dass Sport 1 seine Darts-Übertragungsrechte im kommenden Jahr an ProSiebenSat.1 abtreten muss. Ob Darts demnächst auch olympisch wird? Oder Wasserski? Das war immerhin schon mal Demonstrationssportart, bei Olympia 1972 auf der Kieler Förde.
Aber vergessen wir bei all der Olympiabegeisterung nicht das eingangs erwähnte zweite Weltereignis. Jedenfalls ist die Berlinale aus deutscher Sicht ein solches. Dort herrscht wirklich eine besondere Atmosphäre, vor allem dann, wenn man etwas gewinnt. Das war auch für mich ein toller Moment, als die von der Kick-Media-Firma Pool Position gemanagte Schauspielerin Meltem Kaptan 2022 mit dem Silbernen Bären für die Hauptrolle in Andreas Dresens Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ ausgezeichnet wurde.
Erfreulich ist, dass bei diesem, wie Olympia kompetitiv angelegten Event in diesem Jahr gleich drei von deutschen Filmschaffenden geprägte Kandidaten im Rennen um den Goldenen Bären dabei sind: „Etwas ganz Besonderes“ von Eva Trobisch, „Gelbe Briefe“ von „Das Lehrerzimmer“-Regisseur İlker Çatak und „Rose“ mit einer überragenden Sandra Hüller – übrigens mein persönlicher Favorit. Schon allein die Performance der Hauptdarstellerin dürfte die Jury überzeugen.
Sandra Hüller ist eine der ganz großen Schauspielerinnen unserer Zeit, einer der wenigen deutschen Weltstars. Ich hatte das Glück, sie vor zwei Jahren bei der Ruhrtriennale zu sehen, und fand sie mehr als sensationell. Dass es auf der Berlinale abgesehen von Stars und Bären kontroverse politische Diskussionen gibt, macht dieses Gipfeltreffen der Filmbranche und der Filmbegeisterten nur noch interessanter.
Rund um das Festival wurde bekannt, dass deutsche Filme bzw. „majoritär deutsche Filme“ (also Filme, bei denen der größte Teil der Finanzierung aus Deutschland kommt) laut German Films im Ausland derzeit gut ankommen. 2025 wurden mit ihnen außerhalb der Bundesrepublik Einnahmen von knapp 250 Millionen Euro erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Verdopplung. Auf den Spitzenplätzen rangieren das Maria Callas-Biopic „Maria“ mit Angelina Jolie und „Das Kanu des Manitu“. Gerade der letztgenannte Film ist in den Augen so mancher Betrachter offenbar besonders entertaining. So wie Curling oder Skibergsteigen.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes, unterhaltsames Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: In der vergangenen Woche war Bundespräsident a.D. Joachim Gauck in Sandra Maischbergers ARD-Talkshow zu Gast – ein wunderbar ruhiger, pointierter und einfach toller Gesprächspartner, dem zuzuhören ein Genuss war. Ich hoffe, Sie konnten das miterleben. Wenn nicht: hier geht’s zur ARD-Mediathek!
PPS: Der Mensch lebt nicht nur vom TV allein. Gerade habe ich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Feinschmecker“ ein wunderbares Rezept für Skrei entdeckt. Das passt, denn jetzt ist die Zeit für Skrei, diesen köstlichen norwegischen Winterkabeljau. Vor fast einem Jahr durfte ich ihn auf den Lofoten probieren. Meine Reisen zu den abgelegensten Orten Europas hatten mich im März dorthin verschlagen. Gemeinsam mit einem Freund habe ich die wunderschöne Landschaft, den Schnee, das eiskalte, glasklare Wasser und schließlich diese wunderbaren Fische genossen. Es war, als sei der Skrei direkt aus dem Atlantik auf den Teller gesprungen. Unvergesslich. Auch schön war, wie die Menschen auf den Lofoten nach ihrem Saunagang unerschrocken ins eiskalte Meer tauchten. Und das mehr als einmal. Norwegisches Eisbaden – vielleicht wird das auch mal eine olympische Disziplin…


