Grimme-Preis statt Glanz und Gedöns
Deutsche Fernsehschaffende schauten diese Woche mit Spannung auf die Bekanntgabe der Grimme-Preise. Ausgezeichnet werden u.a. die jungen Filmemacher Julius Drost und Moritz Henneberg für ihre Doku „Der talentierte Mr. F.“. Ein Sonderpreis geht an Show-Legende Frank Elstner. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen blickt an diesem Wochenende aber auch Richtung Oscar-Verleihung und freut sich über den Sold-Out-Award der Kick-Media-Künstlerin Doc Caro.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
in dieser Woche gab das Grimme-Institut in Marl bekannt, wer und was in diesem Jahr mit dem Grimme-Preis geadelt wird. Die Auszeichnung ist unter Fernsehschaffenden äußerst begehrt – obwohl es dazu weder ein Preisgeld noch eine große Primetime-Awardshow gibt. Aber vielleicht gilt die kleine verspiegelte Trophäe ja gerade deswegen so viel. Es geht nicht um Glanz und Gedöns, sondern um Fernsehen, das außergewöhnlich, anders, innovativ, wegweisend und einfach besonders ist.
Sein Renommee verdankt der Preis dem Mann, dessen Namen er trägt: Adolf Grimme. Der gelernte Germanist war in der jungen Bundesrepublik Generaldirektor des NDR- bzw. WDR-Vorgängers NWDR und ein vehementer Verteidiger der Rundfunkfreiheit. Warum die so wichtig ist, hatte Grimme zuvor sehr persönlich zu spüren bekommen. In den letzten Jahren der Weimarer Republik war er preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung – bis ihn die Nazis vor die Tür setzten und schließlich 1943 ins Zuchthaus steckten. Ein Jahr nach seinem Tod 1963 wurde der erste Grimme-Preis verliehen.
Es ist wohl diese Geschichte, der die mittlerweile vom Deutschen Volkshochschul-Verband gestiftete Auszeichnung den Ursprung ihres guten Rufs verdankt. Und diesen guten Ruf genießen nun auch die Preisträgerinnen und Preisträger, deren Namen am Donnerstag veröffentlicht wurden. Ihre Trophäen erhalten sie am 24. April im Theater der Ruhrgebietsstadt Marl. Wir haben diese Woche im smalltalk darüber berichtet.
Was mir dabei besonders gefällt, ist u.a. der Spezialpreis für die ARD-Dokumentation „Der talentierte Mr. F.“. Darin erzählen die beiden Filmstudenten Julius Drost und Moritz Henneberg von ihrer Suche nach einem jungen Amerikaner, der ihnen einen Film gestohlen und sie damit um Ruhm und Ehre betrogen hat. Die besondere Ehrung der Grimme-Preis-Stifter geht in diesem Jahr an „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner. Mit ihm habe ich in der Vergangenheit mehrfach und sehr gerne zusammengearbeitet. Frank Elstner erwies sich dabei immer als kompetenter und nicht zuletzt höchst sympathischer Gesprächspartner.
Preisverleihungen haben ihren besonderen Reiz. Aber in jüngster Zeit werden sie immer mal wieder zum Reizthema. Das war bei der Berlinale so und jetzt auch beim Festakt zum Buchhandlungspreis, der dieser Tage komplett abgesagt wurde. Da gibt es also gar keinen Glanz mehr. Nur noch Gedöns.
An diesem Wochenende bleibt uns aber immerhin noch der Blick nach Los Angeles. Dort werden in der Nacht zum Montag die Oscars verliehen. Mich interessiert da vor allem das Abschneiden des deutsch-britischen Komponisten Max Richter. Der geht mit seiner Musik zum Shakespeare-Film „Hamnet“ ins Rennen. Vielleicht trifft Richter ja im Dolby Theatre auf Timothée Chalamet und nutzt die Gelegenheit, um dem jungen Mann zu erklären, was eine Oper ist. Nicht weniger spannend ist die Frage, ob die beiden Deutschen Michael Ralla und Guido Wolter, die die Spezialeffekte für Ryan Cooglers Oscar-Favoriten „Blood & Sinners“ kreiert haben, James Camerons drittes „Avatar“-Epos schlagen können.
Einen ebenfalls ganz schönen Preis bekam in diesen Tagen übrigens die von der Kick-Media-Firma Pool Position gemanagte Ärztin und Bestsellerautorin Dr. Carola Holzner alias Doc Caro. Am Mittwoch beendete sie in ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr ihre erste Tournee. Alle 22 Termine ihres Bühnenprogramms „Lebe jetzt! – Lachen auf Rezept“ waren ausverkauft. Dafür erhielt sie einen Sold-Out-Award.
Warum Doc Caro das Publikum so begeistert, durfte ich am vergangenen Samstagabend in Krefeld selbst erleben. Sie hat eine ungeheure Bühnenpräsenz und zugleich eine große Nähe zu den Menschen. Sie bringt sie zum Lachen, zum Staunen und zum Nachdenken über Gesundheit. Dabei verbindet sie ihr medizinisches Fachwissen mit persönlichen Geschichten aus ihrem Alltag als Anästhesiologin und Notärztin. Man ist bestens unterhalten und lernt noch was dabei. Doc Caro macht also genau das, was der römische Dichter Horaz schon vor 2.000 Jahren als Voraussetzung für gelungenes Entertainment definierte: prodesse et delectare! Nutzen und erfreuen!
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes und erfreuliches Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Heute freue ich mich auf einen entspannten und zugleich spannenden Fernsehabend. Denn RTL strahlt in der Primetime die erste Ausgabe der Show „Wer weiß wie wann was war“ mit Barbara Schöneberger und Stefan Raab aus. Mal sehen, mit welchen Überraschungen dieses neue Entertainment-Konzept aufwartet.
PPS: Zur Freude gehört für mich heute Abend auch ein schöner Riesling. Und wenn schon Riesling, dann einer von der Mosel. Ich bevorzuge einen Marienburg Fahrlay von Clemens Busch. Ein Großes Gewächs zu einer großen Show. Was bevorzugen Sie?


