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25. April, 2026

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Binge oder nicht Binge – Wörter kommen und gehen

Begriffe kommen und gehen. „Binge-Watching“ zum Beispiel. Bei den Streamern gibt es derzeit die Tendenz, neue Folgen einer Serie nicht auf einmal, sondern im Wochenrhythmus zu veröffentlichen. Das gilt zum Beispiel auch für die Doku-Reihe „Wontorras World Cup – Vater. Tochter. WM.“, die im Vorfeld der Fußball-WM exklusiv bei MagentaTV zu sehen sein wird. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen schreibt über den Stand der Dinge beim „Binge“.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

neue Wörter braucht das Land. Ständig. Denn jeden Tag verändert sich die Welt. Mal ein bisschen, mal ganz schön heftig. „Lockdown“, „Doppelwumms“, „Energiepreisdeckel“ – immer wieder muss irgendetwas bezeichnet werden, was es vorher nicht gab. Manches verschwindet dann so schnell, wie es gekommen ist. Anderes ist gekommen, um zu bleiben.

Medienunternehmen beschäftigten sich beispielsweise lange mit „SEO“ (Search Engine Optimization). Die ist bekanntlich wichtig, um seine Inhalte im Internet auffindbar zu machen. Doch längst hat SEO Konkurrenz bekommen und die hört auf den Namen „GEO“: Generative Engine Optimization, eine Art Suchmaschinenoptimierung für die KI. Ob SEO und damit eben dieser Begriff angesichts der gegenwärtigen GEO-Entwicklung obsolet werden, bleibt abzuwarten.

Eine andere ehemalige Trendvokabel aus der Medienwelt könnte ebenfalls an Bedeutung verlieren: „Binge-Watching“. Dabei hatte ich mich gerade so schön daran gewöhnt. Bei Neustarts von Serien entfällt mittlerweile immer häufiger die Möglichkeit, sich dem Binge-Watching hinzugeben, also dem, was man auch Serienmarathon nennen könnte.

Eine neue Serie kommt raus – und das Wochenende scheint für viele Leute gerettet. Weil sie plötzlich alle zehn oder zwölf Folgen hintereinander gucken oder „wegbingen“ können. „Binge“, was ursprünglich vor allem „Gelage“ bedeutet: Genau das war ja gerade das Neue und Coole bei den Streamern. Auf einmal hatte man die Möglichkeit, in die Erzählung einer Serie regelrecht einzutauchen.

Doch dieses „digitale Schlaraffenland“, so nannte es der Kommunikationswissenschaftler Marcus S. Kleiner kürzlich in einem dpa-Gespräch, schrumpft gerade ein wenig. Beispielweise werden die Folgen der Neuauflage von „Scrubs“ bei Disney+ nicht auf einen Rutsch veröffentlicht. Stattdessen muss man wie im guten alten linearen Fernsehen stets eine Woche auf die Fortsetzung warten. Gleiches gilt für die aktuellen Staffeln von „Maxton Hall“ (Prime Video), „The Pitt“ oder „Euphoria“ (beide HBO Max). Und im Vorfeld der Fußball-WM zeigt MagentaTV die Doku-Serie „Wontorras World Cup – Vater. Tochter. WM.“ ebenfalls im wöchentlichen Erscheinungsrhythmus.

Trotz allem ist der Begriff Binge-Watching nicht tot. Sobald alle Folgen einer Serie online sind, darf wieder nach Herzenslust „gebingt“ werden. Spannend finde ich zum Beispiel die Netflix-Serie „Transatlantic“ über Emigranten, die Anfang der 40er-Jahre im von Nazi-Deutschland kontrollierten Südfrankreich vor der Gestapo fliehen. Mit Moritz Bleibtreu als Walter Benjamin und Alexander Fehling als Max Ernst. Wie auch immer: Die Auswahl fürs Binge-Watching ist verlockend. Das Wort wird gewiss nicht so rasch verschwinden.

Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!

Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)

PS: Ein weiterer Terminus wird uns wohl ebenfalls erhalten bleiben: „Slop“. Denn auch die so bezeichneten KI-Schrottinhalte dürften nicht so einfach verschwinden. Die Bedeutung dieser englischen Vokabel wechselt je nach Zusammenhang zwischen „Schmutzwasser“ oder „Schlampe“ oder „Salbaderei“. Gemeint sind im KI-Zusammenhang Bilder, Videos, Musik oder ganze Bücher, die nur so tun als ob. Nicht zu vergessen Fake News (auch so ein Begriff!). Eine passende deutsche Entsprechung wäre schlicht „Schrott“. In den USA war „Slop“ jedenfalls das Wort des Jahres 2025.

PPS: Bilder eines echten Fotografen gibt es in dem neuen Buch „baby steps. Wie du in kleinen Schritten dein Leben revolutionierst“. Den Texten von Autorin Carina Hellmich sind jede Menge Fotos zugeordnet, die von einem in der Medienbranche nicht ganz unbekannten Fotografen stammen: Sat.1-Senderchef Marc Rasmus. Dessen ungewöhnliche Momentaufnahmen passen perfekt zu dem jeweiligen Kapitel. Das macht schon beim bloßen Durchblättern Spaß – und bereichert den Text um zusätzliche Anschaulichkeit.

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ronald paul yandere