Kolumne

18. April, 2026

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Musik im Fernsehen: Wo ist die Geschichte?

Es gibt sie noch, die großen Schlagershows im Fernsehen. Auch nach dem Ende von „Immer wieder sonntags“ und „Die Beatrice Egli Show“. Florian Silbereisen feiert weiterhin seine „Feste“ und präsentiert in der ARD beispielsweise „Schlagerchampions – das große Fest der Besten“. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen macht sich Gedanken über den Schlager im Besonderen und über Musik im Fernsehen im Allgemeinen.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

die meisten Menschen haben einen ausgezeichneten Musikgeschmack. Viele hören am liebsten Bach, Mozart oder Beethoven. Jedenfalls behaupten sie das. Überträgt man das aufs Fernsehprogramm, müssten Opern bei 3sat oder zumindest Jazzkonzerte bei Arte Spitzenquoten einfahren. Doch die Wirklichkeit, sie ist nicht so.

Nach einer Statistik des Deutschen Musikinformationszentrums bevorzugten im vergangenen Jahr 52 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer deutsche Schlager. Bei der Klassik waren es jedenfalls erheblich weniger. Trotzdem: Im Fernsehen geht es dem Schlager derzeit an den Kragen. Zum Ende des vergangenen Jahres strich der MDR die „Schlagerhitparade“ mit Christin Stark, der Ehefrau von Matthias Reim. In diesem Jahr ereilt die Show „Immer wieder sonntags“ das gleiche Schicksal. Das Format läuft seit 1995 in der ARD und nach dem Ende der Sommer-Saison 2026 nicht mehr. Dann hieß es diese Woche: Auch „Die Beatrice Egli Show“ wird es nicht mehr geben. Die Gastgeberin wolle sich auf neue Projekte konzentrieren, hieß es beim SWR.

Im Hörfunkbereich ist die Tendenz ähnlich. Da werden Schlagerwellen eingestellt. Im Feuilleton regt sich dagegen kaum Widerstand. Es geht nun mal nicht um Bach, Mozart oder Beethoven. Auf der anderen Seite fordert die Regierung des Freistaats Bayern, der dortige öffentlich-rechtliche Rundfunk möge doch bitte in seinen Hörfunkprogrammen bayerische, deutsche und europäische Musik bevorzugen. Also jetzt doch wieder mehr Schlager, oder was?

Zum Thema Schlagerkrise befragte die dpa kürzlich den Musikwissenschaftler Felix Thiesen von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Aus seiner Sicht sei Schlager trotz allem weiterhin ein starkes Genre und seine Popularität ungebrochen. Aber braucht der Schlager nicht doch das Fernsehen? Nicht unbedingt, meint Thiesen und verweist auf die Bedeutung sozialer Netzwerke. Für Newcomer ergebe sich allerdings durch „das Verschwinden klassischer TV-Flächen“ doch schon ein Problem mit der Sichtbarkeit.

Aber es ist ja nicht so, dass der Schlager komplett verschwunden ist. Die großen ARD-„Feste“ mit Florian Silbereisen erreichen weiterhin ein Millionenpublikum. Kein Wunder, sind sie doch als Fernsehsendung konzipiert und nicht als bloße Abfolge von zu vermarktenden Musiktiteln. Im ZDF hält Giovanni Zarrella das Banner des Schlagers weiterhin hoch. Bei ihm sind zudem die Grenzen zum Pop fließend – wie übrigens ebenso bei den Shows von Helene Fischer, in denen schon Bands wie Queen oder die Simple Minds, aber auch Reinhard Mey und Tim Bendzko auftraten.

Fest steht aus meiner Sicht: Musik im Fernsehen darf keine Nummernrevue mehr sein. Sie sollte als Erzählung präsentiert werden. Das kann eine Show sein, ein Porträt oder eben auch eine Dokumentation. So wie jetzt der Film „Wacken – Hearts Full Of Metal“, der ab 4. Juni exklusiv bei MagentaTV zu sehen sein wird. Das Rock-Festival von Wacken ist ein Phänomen. In dieser Doku geht es nicht um einzelne Musiker oder Acts – es geht um eine Geschichte. Um klassisches Storytelling.

Das Gleiche gilt für die aktuelle Dokumentation „Grönemeyer – Alles bleibt anders“ zum 70. Geburtstag von Herbert Grönemeyer. Am vergangenen Wochenende schrieb ich bereits darüber. Die lineare Ausstrahlung in der ARD war dann am Montag zur besten Sendezeit und erreichte knapp 2,9 Millionen Menschen. Das Alter des Protagonisten ließ allerdings nicht auf das seines Publikums schließen. Auch die Jüngeren schalteten ein und bescherten dem Ersten in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 14 Prozent, was bei dem öffentlich-rechtlichen Sender besonders gefeiert worden sein dürfte.

Ich bin überzeugt, wenn Fernsehproduzenten begreifen, dass sie die Darbietung von Musik in eine Geschichte einbinden sollten, dann können sie das Publikum auch begeistern.

Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!

Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)

PS: Laut der oben erwähnten Statistik des Deutschen Musikinformationszentrums liegen Rock- und Popmusik mit knapp 74 Prozent bei den Männern und 72 Prozent bei den Frauen an der Spitze der Beliebtheitsskala. Wie wäre es, mit einem entsprechenden TV-Programm darauf zu reagieren? Vielleicht immer wieder freitags?

PPS: Ein guter Freund schickte mir kürzlich zwei Flaschen seines Lieblings-Sauvignon Blanc. Ein Österreicher, also der Wein. Ein „Ried Karsabathe“ vom Weingut Skringer in der Südsteiermark. Sehr schön strukturiert, nicht zu viel Frucht und mineralisch. Mir gefällt das sehr. Peter hat offenbar einen guten Geschmack.

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ronald paul yandere