Kolumne Zu den Ostertraditionen deutscher Fernsehsender gehört der Blick in die Archive. Auch in diesem Jahr gibt‘s ein Wiedersehen mit beliebten Klassikern. So lief gestern im Ersten der Monumentalfilm „Die zehn Gebote“. Weiter geht’s mit „Winnetou“, „Sissi“ und „James Bond“. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen nimmt das österliche TV-Programm unter die Lupe, erinnert an die Kraft des Kinos und empfiehlt einen cholesterinsenkenden Osterspaziergang. (Foto © Paramount Pictures)

4. April, 2026

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„Vom Eise befreit…“: Ostertraditionen im TV und anderswo

Zu den Ostertraditionen deutscher Fernsehsender gehört der Blick in die Archive. Auch in diesem Jahr gibt‘s ein Wiedersehen mit beliebten Klassikern. So lief gestern im Ersten der Monumentalfilm „Die zehn Gebote“. Weiter geht’s mit „Winnetou“, „Sissi“ und „James Bond“. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen nimmt das österliche TV-Programm unter die Lupe, erinnert an die Kraft des Kinos und empfiehlt einen cholesterinsenkenden Osterspaziergang.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

am heutigen Karsamstag, dem Tag zwischen Passion und Auferstehung, ist traditionell Ruhe angesagt. Ein Kollege aus dem Kick-Media-Team, gelernter Germanist, klärte mich auf: Die Silbe „kar“ stamme aus dem Althochdeutschen und bedeute so viel wie „Trauer“ oder „Jammer“. In der christlichen Tradition ist der Karsamstag also der Tag des Trauerns, des Gedenkens an das Leiden und Sterben Jesu am Karfreitag. Erst dann folgt das große Finale: die Auferstehung am Ostersonntag. Anschließend eine Art Aftershow-Party am Montag. Es geht also um Tradition und die will gepflegt werden.

Im säkularen Entertainment-Zeitalter überwiegt der Blick aufs Happy End am Sonntag. Wir freuen uns dementsprechend auf den Auftritt des Osterhasen, auf das Zusammensein mit der Familie und Schokolade en masse – auch wenn die gegenwärtigen Preise für kakaohaltiges Naschwerk nicht gerade amüsant sind. Traditionell gestaltet ist aber auch das feiertägliche Fernsehprogramm. So wird am Ostersonntag ab 10:15 Uhr im Ersten der katholische Gottesdienst vom Petersplatz in Rom übertragen, an dessen Schluss Papst Leo XIV. den höchst traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ spendet.

Bemerkenswert finde ich aber, dass die Sender zum Fest häufiger als sonst auf alte Spielfilme und Hollywood-Klassiker setzen – die allerdings nicht immer einen religiösen Bezug haben müssen. Das gilt beispielsweise für Harald Reinls „Winnetou“-Filme aus den frühen 60ern. Mit Pierre Brice und Lex Barker. Bereits gestern zeigte das ZDF am Vormittag den ersten Teil. Morgen folgt fast parallel zum Papst Film Nummer 2 und am Ostermontag endet die Reihe ab 11:00 Uhr mit „Winnetou 3. Teil“.

Für das gestrige Mittagsprogramm holten die Mainzer den Monumentalschicken „Cleopatra“ aus dem Archiv und ließen noch einmal das Charisma von Elizabeth Taylor und Richard Burton auf das Publikum wirken. Fast gleichzeitig lief im Ersten Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“ mit Charlton Heston.

Heute Abend gibt es bei Vox zur Primetime „Leben und sterben lassen“ von 1973, den ersten James-Bond-Film mit Roger Moore. Den Titelsong steuerte Paul McCartney bei: „Live and Let Die“. Der Nachmittag des morgigen Ostersonntags steht bei 3sat ab 14:35 Uhr ganz im Zeichen der „Immenhof“-Heimatfilme aus den 1950ern. Am Abend ist dann „Edgar Wallace“ angesagt und bei Arte geht es um 20:15 Uhr mit Kirk Douglas in Stanley Kubricks Sandalenfilm „Spartacus“ aus dem Jahr 1960 zur Sache.

Für die Zeit nach einem schönen zweiten Osterfrühstück macht am Ostermontag auch RTL ein nostalgisches Angebot: Ab 12:10 Uhr läuft die komplette „Sissi“-Trilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm. Apropos RTL: Das Event-Programm „Die Passion“ entfällt auch in diesem Jahr. Sie können sich vorstellen, warum: die Kosten, ach diese Kosten!

Wie auch immer, ein eher zeitgenössisches Bewegtbildangebot hält naturgemäß das Kino bereit. Dort läuft weiterhin die für den Deutschen Filmpreis nominierte Joachim-Meyerhoff-Verfilmung „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, die in den Lichtspielhäusern bereits mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher begeisterte. Mehrfach nominiert ist auch „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak. Den gibt’s auch noch im Kino.

Eine echte Empfehlung, jedenfalls fand ich diesen Film sehr bewegend, ist „Hamnet“ mit Oscar-Preisträgerin Jessie Buckley. Einfach nur sehr lustig kommt „Horst Schlämmer sucht das Glück“ mit der großartigen Berlinale-Gewinnerin Meltem Kaptan daher. Ein Fest für Cineasten kredenzt Regie-Genie Paolo Sorrentino mit „La Grazia“: die Geschichte eines alternden italienischen Staatspräsidenten, der mit stoischer Routine seine Arbeit erledigt und heimlich Techno hört.

Aber vielleicht ist das alles ja auch viel zu viel und viel zu laut. Zum Glück gehört zum Osterfest die entspannende Tradition des Osterspaziergangs. Spätestens seit Goethes „Faust“ ist das vielfach so. Sie wissen schon: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick“ usw. Tatsächlich soll Spazierengehen nach der ganzen Schlemmerei den Cholesterinspiegel senken und viele andere Wunder bewirken. Kann man ja mal ausprobieren.

Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes, entspanntes Wochenende und frohe Ostern!

Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)

PS: Was wäre Ostern ohne ein schönes Osteressen! Als Hauptgang zum Beispiel geschmortes Lamm und frisches Gemüse. Hinterher darf es ruhig auch mal ein Eierlikörchen sein. Als Digestif oder meinetwegen auch mit Vanilleeis oder Obst. Nicht nur der bekennende Eierlikör-Aficionado Udo Lindenberg hat an dem cremigen Elixier seine Freude.

PSS: Eine weitere Tradition ist das Verstecken und Suchen von Eiern im heimischen Garten. Wie in diesen Tagen zu lesen war, dürfte da auch so mancher deutsche Rockstar im Hasenkostüm zwischen Büschen und Beeten herumhüpfen. Aber da hat jede Familie sicherlich ihre eigene Tradition. Zu Ostern ist eben vieles möglich. Ein wunderbares Fest!

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