Die Musik- und TV-Welt blickt heute nach Wien. Für Deutschland tritt beim dortigen Eurovision Song Contest Sarah Engels mit „Fire“ an. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen ist an der Donau vor Ort und fiebert diesmal besonders mit. Schließlich wird Sarah Engels seit Jahren von der Kick-Media-Firma Pool Position gemanagt. Für Elbertzhagen hat sie auf alle Fälle reichlich „douze points“ verdient. Morgen erhebt er dann sein Glas auf einen besonderen Jubilar: Udo Lindenberg wird 80. Foto © Alma Bengtsson/EBU
Die Musik- und TV-Welt blickt heute nach Wien. Für Deutschland tritt beim dortigen Eurovision Song Contest Sarah Engels mit „Fire“ an. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen ist an der Donau vor Ort und fiebert diesmal besonders mit. Schließlich wird Sarah Engels seit Jahren von der Kick-Media-Firma Pool Position gemanagt. Für Elbertzhagen hat sie auf alle Fälle reichlich „douze points“ verdient. Morgen erhebt er dann sein Glas auf einen besonderen Jubilar: Udo Lindenberg wird 80.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
Vienna Calling! Heute Abend steigt in Wien der Eurovision Song Contest. Das, was 1956 in vergleichsweise bescheidenem Rahmen in Lugano begann, avancierte im Laufe der folgenden 70 Jahre zur größten Musikshow der Welt mit zuletzt 166 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern aus 37 Ländern.
Diesmal singt Sarah Engels für Deutschland. Wir von Kick-Media arbeiten seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit ihr zusammen. Mit ihrer großartigen Stimme und ihrer beeindruckenden Power hat sich Sarah in den letzten Tagen perfekt mit Wien connectet. ESC-Kommentator Thorsten Schorn stellte im Vorfeld gegenüber dpa fest: Sarahs Stimme gehört live zu den besten dieses Jahrgangs.
Einen Gewinner gibt es auf alle Fälle aber schon jetzt: Der ARD-Sender One übertrug am Dienstag und am Donnerstag die beiden Halbfinal-Wettbewerbe und landete beim jungen Publikum unter den jeweils erfolgreichsten TV-Sendungen des Tages. Ein solcher Erfolg mit „hervorragenden Quoten“ (DWDL) ist One nicht oft beschieden.
Auf alle Fälle bin ich heute Abend Feuer und Flamme und drücke Sarah die Daumen für den großen Auftritt. Die ARD überträgt wie immer live. Im Übrigen stimmt Barbara Schöneberger (Pool Position) mit dem „Countdown“ ebenfalls im Ersten wieder live aus Wien auf das Mega-Ereignis ein. Am Start ist überdies der ESC-Experte Thomas Hermanns (Pool Position). Nach dem Wettbewerb meldet sich Barbara dann von der Aftershow-Party. In Wien trifft sich also nicht nur die ESC-Family, sondern auch die Kick-Media-Family.
Rund um den ESC gab es in den vergangenen Jahren immer wieder politische Kontroversen. 2026 ist das nicht anders. Die Lage hat sich sogar noch zugespitzt. Fünf Länder boykottieren das Event. Wegen der Teilnahme Israels. Die am Montag in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ aufgeworfene Frage, ob es sich beim ESC um einen Musikwettbewerb oder eine politische Veranstaltung handele, ist meiner Ansicht nach absurd.
Warum dieses Entweder-Oder? Kunst ist doch immer politisch. Denn sie gestaltet unser Zusammenleben, sie beeinflusst die Art, wie wir miteinander umgehen und zeigt, wer wir sind oder zumindest wer wir sein könnten. Das gilt für Beethovens „Eroica“ genauso wie für Conchita Wursts „Rise Like a Phoenix“. Kunst ist nun mal Kommunikation, ist Miteinander. Sie bringt Menschen zusammen. Oder wie die dreimalige ESC-Teilnehmerin Katja Ebstein bei „Hart aber fair“ sagte: „Wenn man zusammen singt, schießt man nicht aufeinander“.
Ebsteins Satz klingt erst mal naiv. Er unterstreicht aber den politischen Impact, den Musik haben kann. Spätestens durch die weltweiten Angriffe autoritärer Politikerinnen und Politiker auf Freiheitsrechte auch in der Kunst wird eine Veranstaltung wie der ESC endgültig politisch relevant. Ich finde es schön und gut, dass heute Abend (fast) ganz Europa plus Israel und Australien zuschaut, wenn es einmal nicht um Inflation, Energiekrise und Migration geht – sondern um Komposition, Text, Stimme, Inszenierung und den geheimnisvollen Faktor X.
Los ging das Spektakel am vergangenen Wochenende mit dem Defilee auf dem Turquoise Carpet, den die Organisatoren auf dem Wiener Rathausplatz ausgerollt hatten. Hier hinterließ Sarah Engels einen enormen Eindruck in einem fantastischen Kleid. Passend zu ihrem Song „Fire“ hatte ihr die Designerin Jasmin Erbas die üppige Robe auf den Leib geschneidert. Als literarisches bzw. cineastisches Vorbild diente ihr dabei Katniss Everdeen aus „Die Tribute von Panem“: „The Girl on Fire“.
Entscheidend ist allerdings, welchen Eindruck Sarah heute Abend hinterlässt. Wird sie sich in die Liste der erfolgreichsten deutschen Acts einreihen können? Wird „Fire“ ein Song wie Michael Schultes „You Let Me Walk Alone“? Der kam 2018 in Lissabon immerhin auf Platz 4. Auf Spotify ist er der meistgestreamte deutsche ESC-Song aller Zeiten. Dahinter rangieren Lena Meyer-Landruts „Satellite“, der Siegertitel von 2010, und „Rockstars“ von Malik Harris.
Wer nun aber den Titel deutscher Mister Eurovision für Top-Leistungen hinter den Kulissen verdient, ist schwer zu entscheiden. Ralph Siegel oder Stefan Raab? Einer der beiden wird es wohl sein. Auf internationaler Ebene ist als besonders prägende Figur zweifellos der Ire Johnny Logan zu nennen. Der gewann den ESC zwei Mal als Sänger und einmal als Komponist. Ich traf ihn 1987 in Brüssel, als ich mit der norwegischen Delegation vor Ort war und die Sängerin Kate Gulbrandsen betreute. Kate erreichte schließlich einen guten neunten Platz – und Johnny gewann das Ding mit „Hold Me Now“.
Natürlich werde ich auch die Erfahrung des ESC 2011 in Düsseldorf nicht vergessen, als der Wettbewerb nach Lena Meyer-Landruts Sieg in Deutschland ausgetragen wurde. Judith Rakers (Pool Position) moderierte das Spektakel gemeinsam mit Anke Engelke und Stefan Raab. Ich denke aber auch an das vergangene Jahr, als Michelle Hunziker (Pool Position) beim ESC in Basel als Moderatorin auf der Bühne stand; begleitet von meiner Vorstandskollegin Petra Mauß. Und genauso wie heute schaute die Welt zu, beim größten internationale Musikwettbewerb. Jetzt, also in wenigen Stunden bei Sarah Engels zuzuschauen, zuzuhören und mitzufeiern, dürfte sich lohnen.
Ich wünsche Sarah eine gute Platzierung und Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Am morgigen Sonntag hat Udo Lindenberg Geburtstag. Der wahre Begründer der deutschsprachigen Rockmusik wird unglaubliche 80. Nicht nur Rock, auch alle anderen Schattierungen der populären Musik und unsere Sprache überhaupt hat er seit den frühen 70ern geprägt wie kein zweiter. Vom stillen Jazz-Drummer zu einem einzigartigen Phänomen, zu einer einmaligen Persönlichkeit – gratuliere, Udo! Unvergessen unsere Fahrten im Porsche auf der Autobahn Hamburg-Lübeck!
PPS: Wien ist momentan der Place to be. Wegen des Eurovision Song Contests – und wegen der großartigen Kaffeehauskultur, die sich gerade im Frühling besonders gut erleben lässt. Auf der Terrasse des traditionsreichen „Café Landtmann“ unweit des Burgtheaters genoss ich jetzt einen herrlichen Wiener Gemischten Satz. Schön, dass diese Winzertradition, die lange als verschwunden galt, längst wieder höchst lebendig ist. Man schmeckt: Dieser Wein aus Wien gehört einfach hierher.
