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Der Rapper Prinz Pi kündigte seinen Rückzug aus dem Musikgeschäft an. Weit über die Hip-Hop-Szene hinaus fand diese Meldung in der vergangenen Woche Beachtung. Insgesamt ist der Musikmarkt zwar erfolgreich – aber er hat sich verändert. Alte Modelle funktionieren nicht mehr. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen fasst die aktuelle Lage zusammen.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
was sagt Ihnen Friedrich Kautz? Unter seinem Künstlernamen ist er auf jeden Fall bekannter: Prinz Pi. Der Mann ist ein legendärer Berliner Rapper. Vor 20 Jahren landete er erstmals mit einem Album in den Charts. Seither eroberte er immer wieder die Top 10. Mit drei Longplayern stellte er sogar die Nummer 1. Keine Frage, Prinz Pi hat im Genre Deutsch-Rap künstlerisch und kommerziell tiefe Spuren hinterlassen. Doch jetzt ist Schluss. Denn der Prinz tritt zurück. Er beendet seine Karriere. Mit 46.
Sollten Sie sich nicht für Deutsch-Rap interessieren, könnte Ihnen diese Nachricht, die Anfang der Woche die Runde machte, völlig egal sein. Aber es geht um mehr. Es geht nicht nur um Rap, es geht um Musik überhaupt. „Ich würde total gern noch zehn weitere Touren machen und zehn weitere Alben, aber das läuft leider nicht, weil sich die Welt und speziell die Musikwelt extrem gewandelt hat“, erklärte Prinz Pi auf seinem Instagram-Account.
„Ich komme aus der Generation, da hat man noch sein Geld verdient, indem man Alben verkauft hat, auf CD“, so der Musiker weiter. „Das ist mittlerweile weggefallen.“ Grundsätzlich wird hierzulande mit Musik zwar wieder reichlich Geld verdient – der deutsche Musikmarkt weist für das erste Halbjahr 2026 einen Gesamtumsatz von 1,2 Milliarden Euro aus, was im Vorjahresvergleich ein Plus von mehr als fünf Prozent bedeutet. Doch aus verschiedenen Gründen kommt davon bei den meisten Musikern kaum etwas an. Und das trifft vor allem den Mittelbau existenziell. Und die Kleinen sowieso.
„Ist Touring tot?“ Auf jeden Fall ist der Kostendruck enorm
Übrig bleibt das Tourneegeschäft. Doch auch da läuft es unterhalb des Superstar-Levels nicht mehr, wie die „Musikwoche“ unter der Überschrift „Ist Touring tot?“ kürzlich feststellte. „In den Wochen, als die Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs explodierten, haben wir gut 20 Prozent weniger Tickets verkauft als zuvor“, zitiert die Fachzeitschrift einen Veranstalter, der seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit genannt sehen wolle. Die Tickets einfach günstiger machen? Wie soll das gehen?
Mal ganz abgesehen von der oben skizzierten Lage bei Recorded Music sind im Live-Geschäft die Kosten geradezu explodiert. Das hängt mit dem Thema Inflation zusammen, aber auch mit spezifischen Entwicklungen innerhalb der Branche. Steht das Musikgeschäft also vor einem großen (möglicherweise berechtigten) Kollaps?
Sicher ist: Die ganz großen Acts werden überleben. Zum Beispiel Herbert Grönemeyer. Schon jetzt sind nahezu alle Konzerte seiner für den Sommer 2027 angekündigten Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz ausverkauft. Grundsätzlich aber ist der Kostendruck enorm. Gleiches gilt aber auch für den Druck der Konkurrenz. Denn das Angebot ist einfach gewaltig. Jetzt im Sommer hat man da vor allem die Festivalszene im Blick. „Einige Festivals oder Veranstalter werden vielleicht im Jahr 2027 nicht mehr weitermachen“, schreibt Ernst-Ludwig Hartz, der Veranstalter des Bonner Kunst!Rasen-Festivals in der „Musikwoche“.
Auszug aus dem Schlaraffenland
Was haben wir einst in einem Musik-Schlaraffenland gelebt! Ich war dabei. In diesem Schlaraffenland wurde vieles als gegeben hingenommen. Niemand fragte: Was macht denn der Begleitgitarrist von Superstar XY mit 55, wenn sein Chef oder seine Chefin nicht mehr auf Tour geht? Zum Glück kann man gute Live-Musik immer noch sehr authentisch in kleinen Clubs und Kneipen erleben. Für die Mehrheit der Musikerinnen und Musiker ist das allerdings ein schwacher Trost.
Viele Veranstalter haben schon vor längerer Zeit auf diese sich abzeichnende Entwicklung reagiert. So schicken sie beispielsweise sogenannte „immersive Shows“ durchs Land. Das PR-Team unserer Kick-Media-Firma Position Public Relations arbeitete bereits für Produktionen wie „The Mystery of Banksy“ oder zuletzt „Serienkiller – Die True Crime Ausstellung“. Weitere klassische Veranstalter verfolgen ähnliche Wege.
Jeder weiß, dass nichts beständiger ist als der Wandel. Und das gilt offenbar auch für die Musikkultur. Also nicht nur für die Art und Weise wie Musik entsteht, sondern auch wie sie vermarktet wird. Dessen sollte man sich bewusst sein. Prinz Pi scheint das verstanden und seine Schlüsse gezogen zu haben. Er geht zwar im Herbst noch mal auf Tour. Doch vor allem arbeitet er mittlerweile in einer Werkstatt und baut zum Beispiel Möbel.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Rückläufig ist in Deutschland auch der Absatz von alkoholhaltigen Getränken. Immer beliebter werden zum Beispiel Biere ohne Umdrehungen. Irgendwo dazwischen liegt ein Klassiker aus Prinz Pis Heimatstadt: die Berliner Weiße. Die hat in der Regel rund drei Prozent Alkohol. Lange galt sie als nahezu ausgestorben. Doch im Zuge der Craft-Beer-Bewegung ist die Weiße in jüngster Zeit nicht nur bei Touristen wieder im Kommen. Auch ohne Himbeer- oder Waldmeistersirup. Bei den gegenwärtigen Temperaturen ist diese leicht säuerliche Variante jedenfalls ein toller Durstlöscher.
PPS: Ein Comeback in Deutschland feiert gerade „Anheuser-Busch Bud“, ein Lagerbier mit fünf Volumenprozenten und seit diesem Jahr exklusiver Bierpartner beim übrigens wieder ausverkauften Wacken Open Air. Seit Mittwoch fließt es hektoliterweise durch die berühmte Gerstensaftpipeline des Festivals. Der belgische Konzern AB InBev versucht gerade, sein international weit verbreitetes „Bud“ auf dem deutschen Markt zu etablieren. Mal sehen, ob er damit den Geschmack der hiesigen Biertrinker trifft. In Wacken heißt es erst einmal: Prost und „Party on!“
