David Bowie ist eigentlich immer ein Thema. Und diese Woche besonders. Denn vor genau 50 Jahren begann die Berlin-Zeit des 2016 verstorbenen Künstlers. Bereits Anfang des Jahres erinnerte auf Arte die Dokumentation „Bowie – Der letzte Akt“ auch daran. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen verbindet mit Bowie sehr persönliche Erinnerungen. Er war 1978 Tourmanager der „Heroes“-Tour. Dabei erlebte er den Künstler als Rockstar und begeisterten Leser. Das lenkt Elbertzhagens Überlegungen schließlich auf die aktuelle Longlist des Deutschen Buchpreises. Foto © Arte/dpa
David Bowie ist eigentlich immer ein Thema. Und diese Woche besonders. Denn vor genau 50 Jahren begann die Berlin-Zeit des 2016 verstorbenen Künstlers. Bereits Anfang des Jahres erinnerte auf Arte die Dokumentation „Bowie – Der letzte Akt“ auch daran. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen verbindet mit Bowie sehr persönliche Erinnerungen. Er war 1978 Tourmanager der „Heroes“-Tour. Dabei erlebte er den Künstler als Rockstar und begeisterten Leser. Das lenkt Elbertzhagens Überlegungen schließlich auf die aktuelle Longlist des Deutschen Buchpreises.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
in dieser Woche ging es in diversen Medien um den August 1976. Damals begann David Bowies Berliner Phase. Eine Zeit, in der dieser wohl außerirdischste unter den außerirdischen Rock-Superstars der 70er in den Kreuzberger Hansa-Studios das legendäre „Heroes“-Album aufnahm. Vom Kontrollraum aus konnte er die Mauer sehen. 1978 ging er dann mit diesem Album auf Welttournee – und ich war im Auftrag der Plattenfirma RCA als Tourmanager für Deutschland und Österreich dabei. Damals habe ich Bowie persönlich kennengelernt. Und das war schon eine sehr besondere Erfahrung.
Doch nicht nur Bowie war sensationell. Auch die ihn begleitenden Musiker waren großartig und haben bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Allen voran der Gitarrist Adrian Belew. Der spielte zu der Zeit u.a. auch für Frank Zappa und später dann mit Mark King von Level 42 oder Stewart Copeland von The Police.
Helden für eine Tour – mit David Bowie unterwegs
In Deutschland spielte Bowie 1978 u.a. in Hamburg, Frankfurt und Köln. Besonders gut erinnere ich mich an den Auftritt in München, weil wir danach gemeinsam durch die dortigen Diskotheken zogen. Selbstverständlich ging es auch nach West-Berlin, in die Deutschlandhalle. Dorthin, wo vor dem Krieg Massenveranstaltungen der Nazis stattgefunden hatten. Dass Berlin für David Bowie kein Ort wie jeder andere war, konnte man spüren. Schließlich hatte er rund zwei Jahre hier gelebt.
In Schöneberg war er zunächst bei Edgar Froese von Tangerine Dream untergekommen. Dann wohnte er zusammen mit seinem Kumpel Iggy Pop, der ihn zuvor auf seiner 76er-Tour begleitet hatte. Bowies Verbundenheit mit Berlin zeigte sich ebenso dadurch, dass er den Titelsong von „Heroes“ auch in deutscher Sprache aufnahm: „Obwohl sie unschlagbar scheinen / Werden wir Helden / Für einen Tag“. Später wurde „Heroes“ dann zum musikalischen Leitmotiv des Films „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.
Die Tour von 1978 hat mich natürlich begeistert und sie hat mich bis heute geprägt. Im gleichen Sommer reiste ich dann noch mal nach London und habe dort Bowie und die Band besucht. Sie gaben zwei Konzerte im Earl’s Court. Unweit davon ist das legendäre Hammersmith Odeon, der Ort, an dem Bowie 1973 seine berühmte Kunstfigur Ziggy Stardust beerdigt hatte. Letztes Jahr war ich wieder mal dort und habe Bob Geldof und die Boomtown Rats gesehen. Bob stellte bei der Gelegenheit sofort den Bowie-Bezug her. Danach habe ich tagelang immer wieder das „Heroes“-Album durchgehört. Toll war natürlich auch der Dokumentarfilm „Bowie – Der letzte Akt“ von Jonathan Stiasny, den Arte diesen Januar zeigte.
Von Bowies Büchern zum Deutschen Buchpreis
Wenn David Bowie auf Tour war, hatte er immer jede Menge Bücher dabei. Man kann sagen, dass zu seinem Tourgepäck eine ganze Bibliothek gehörte. Zu seinen Lieblingsbüchern zählten vor allem englischsprachige Werke. Doch beispielsweise stand auch Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ auf der Liste. Näheres dazu findet man in dem auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen Band „Bowies Bücher“ von John O’Connel.
Das bringt mich zu einer rein deutschsprachigen Bücherliste, die diese Woche veröffentlicht wurde: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels präsentierte am Dienstag die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026. Demnach gehen 20 Romane ins Rennen um die begehrte Auszeichnung. Begehrt ist sie deswegen, weil eine Nominierung und erst recht ein Sieg die Verkaufszahlen des entsprechenden Titels ankurbeln. Doch auch wenn der Deutsche Buchpreis vor allem ein Marketinginstrument ist und sich so etwas wie die qualitativ „20 besten Titel“ ohnehin nicht bestimmen lässt, so dokumentieren die nominierten Werke durchaus die beeindruckende Vielfalt der Gegenwartsliteratur unserer Sprache.
Zu den bekanntesten Autorinnen und Autoren auf der Nominiertenliste gehören sicherlich Heinz Strunk mit „Memories of Heidelberg“, Helene Bukowski mit „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ und Ingo Schulze, dessen Titel uns in diesen Tagen ein wenig wehmütig werden lässt: „Das Wasser im August“.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Wasser ist in diesem August wirklich wichtig. Und eine ganz einfache und zugleich alkoholfrei wirkungsvolle Erfrischung ist das, was der Wiener Popstar Bibiza gerade feiert: „Soda Zitron“. In Deutschland ging’s mit dem dazugehörigen Album „Rocknrollstar“ direkt auf Platz 14 der Charts. Österreicher lieben die hyperaktive Nummer sowieso, denn ein Soda Zitrone (das „e“ am Schluss wird von Kennern nicht ausgesprochen) ist in unserem südlichen Nachbarland so was wie ein nicht-alkoholisches Nationalgetränk. Mineralwasser, also ein Soda (mit stimmlosen „s“ ausgesprochen) plus Zitronensaft – und fertig. Oder wie es auf Österreichisch heißt: Sodala!
PPS: Bibiza zieht ein Soda übriges einem (sic!) Cola vor. Vielleicht liegt es daran, dass mittlerweile ja nicht mehr klar ist, wo die braune Brause überhaupt ihren Ursprung hat. Denn die Erzählung von der uramerikanischen Erfindung geriet neulich ins Wanken, seit ein Dominikanermönch im Archiv eines florentinischen Klosters ein vergilbtes Rezept gefunden hat. Dort ist die Rede von einem Elixier aus bolivianischen Kokablättern und Colanüssen. Sei’s drum…
