GIB MIR 5! Foto: Leipziger Messe/Martin Neuhof

16. März, 2018

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Comics auf der Buchmesse: „Eine einzigartige Literaturform“

Als eine der wichtigsten Buchmessen in Europa hat die Leipziger Buchmesse längst auch Raum für Comics geschaffen. Parallel zur eigentlichen Messe findet in der sächsischen Metropole derzeit die inzwischen fünfte Manga-Comic-Con statt – die erstmals restlos ausgebucht ist. smalltalk sprach mit der Projektmanagerin Nora Furchner über das steigende Ansehen von Comics und die jeweiligen Wechselwirkungen zwischen gezeichneter und klassischer Literatur und Film.

 

Frau Furchner, wie kam es eigentlich dazu, das einst so verschmähte Medium Comics im Rahmen der Leipziger Buchmesse so prominent aufzustellen, u.a. mit der Manga-Comic-Con?

Nora Furchner: Die Leipziger Buchmesse betreibt mit den Bereichen Kinder- und Jugendbücher sowie dem Fokus Bildung seit den 1990er Jahren aktive Leseförderung. Mit dem Boom japanischer Comics in Deutschland ab Mitte der 90er Jahre begannen unsere Aussteller mit der Präsentation von Comics und Manga in unserem Kinder- und Jugendbereich. Da das Interesse dafür stetig stieg, entwickelten wir 2014 die Manga-Comic-Con (MCC) – eine eigene Messe für Comics und Mangas in einer eigenen Halle. Seitdem sind die Leipziger Buchmesse und die MCC Heimat für Fans gezeichneter Geschichten. Die MCC ist übrigens zur 5. Auflage erstmals restlos ausgebucht. Parallel hat sich das Genre der Graphic Novels, der stärker literarisch ausgerichteten Comics, in Deutschland positiv entwickelt. Verlage, die Graphic Novels im Programm haben, zielen vor allem auf erwachsene Leser und sehen sich eher im Umfeld unabhängiger Verlage – bei uns in Halle 5. Zusätzlich finden Fans gezeichneter Geschichten Comics im Kinder- und Jugendbereich in der Halle 2.

In den USA und Frankreich beispielsweise genießen der Comic bzw. die Bande dessinée seit jeher ein höheres Ansehen als in Deutschland. Wieso fällt es den Deutschen noch so schwer, das Medium ernst zu nehmen?

Nora Furchner: Ich glaube, in Deutschland setzt seit einigen Jahren ein Umdenken ein. Ob Graphic Novel, Comics oder Manga – sie erzählen oftmals sehr ernste Geschichten, die in Verbindung mit den hochwertigen Zeichnungen eine einzigartige Literaturform darstellen. Das versuchen wir auch mit unseren Messeangeboten zu transportieren. Und offensichtlich wird das auch verstanden und vom Publikum honoriert. Die Graphic-Novel-Aussteller berichten uns jedenfalls seit Jahren über ein steigendes Interesse der Besucher für ihr Genre.

Der riesige kommerzielle Erfolg von Marvel-Verfilmungen oder der Reihe „The Walking Dead“ scheint zu beweisen, dass auch Comics spannende, moderne, lustige und vielleicht sogar tiefgründigere Geschichten erzählen können. Findet in den Köpfen der Leute seit dem Riesenerfolg des ersten „Iron Man“-Films vor zehn Jahren ein Umdenken statt?

Nora Furchner: Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob das mit der „Iron Man“-Verfilmung zusammenhängt. Vielleicht werden die Heldencomics verfilmt, weil ein Umdenken stattgefunden hat? Fakt ist, Helden waren schon immer beliebt und mit den neuen Möglichkeiten der Filmanimation werden die Figuren aus Büchern oder Comics noch lebendiger. Zusammen mit Games ergibt das eine wunderbare Ergänzung. So können wir nach unserem Arbeits- oder Schulalltag über verschiedene Wege in die Comicwelten abtauchen.

Wenn Comics inzwischen großen Einfluss auf das Filmgeschäft ausüben, inwiefern könnten beispielsweise ihre Heldengeschichten auch die Literatur auf Dauer beeinflussen?

Nora Furchner: Das tun sie bereits. Schauen Sie sich zum Beispiel das seit Jahren boomende Genre der Fantasy-Literatur an. Da wimmelt es nur so von Helden und Schurken, die die Leser faszinieren, bewegen und zum Nachdenken bringen.

Worin sehen Sie als Veranstalter der Leipziger Buchmesse die Stärken des Mediums Comic und wie schätzen Sie die Rolle von Comics in zehn, zwanzig Jahren ein?

Nora Furchner: Comics, Manga und Graphic Novel begeistern Jung und Alt, locken Kinder- und Jugendliche in die Welt der Literatur, faszinieren aber auch Erwachsene. Die doppelte Erzählweise über Bilder und Worte ist eine besondere Kunst, die jeden Respekt verdient. Ich bin sicher, dass die Leser jeden Alters auch in Zukunft gezeichnete Geschichten sehr schätzen werden.

Foto © Leipziger Messe/Martin Neuhof

Das Interview darf für redaktionelle Zwecke mit Quellenangabe „smalltalk/Kick-Media“ genutzt werden



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