HP_Ruth Moschner liest_Foto Kick-Media_Janina Lippertz
Die Autorin und Moderatorin Ruth Moschner hat am heutigen Montag, den 1. Juni ein neues Buch veröffentlicht. In die „Die Fuck-it-List-Challenge“ plädiert sie für einen Abschied vom ständigen Drang zur Selbstoptimierung. Die 50-Jährige hinterfragt alte Gewohnheiten und absurde Glaubenssätze, gesellschaftliche Zwänge und toxische Lebensregeln. Im smalltalk-Interview erklärt Moschner u.a., was sie zu dem Buch inspiriert hat und verrät, welche Situationen sie bei aller Gelassenheit auch heute noch auf die Palme bringen.
Frau Moschner, welche nervige Gewohnheit, welchen absurden Glaubenssatz haben Sie selbst zuletzt von Bord geworfen?
Ruth Moschner: Nachdem ich heute Morgen meine Badezimmerwand mit Kaffee gegossen habe, möchte ich mich nun endgültig vom Multitasking verabschieden. Ich meine, ich weiß doch eh seit Jahren, dass das bloß eine Erfindung ist. Aber meine Lernkurve gleicht hier eher einer Flatline. Podcast über OpenAI gehört, das Gesicht gecremt und die große Kaffeetasse balanciert. Joah. Zeitersparnis gleich null – zuzüglich 15 Minuten Wandschrubben. Fuck it!
Gab es eine Initialzündung? Was hat Sie zu diesem Buch inspiriert?
Ruth Moschner: Immer dann, wenn ich mit dem Tod eines geliebten Menschen oder einer vertrauten TV-Persönlichkeit konfrontiert wurde, habe ich selbst Bilanz gezogen. Weil in solchen Momenten deutlich wird, wie knapp die Lebenszeit eigentlich ist. Wir wissen nicht, wann es vorbei ist, deswegen möchte ich nicht immer aufschieben, wirklich mein Leben zu leben. Und je mehr man sich von unnötigen Dingen löst, desto mehr Platz wird frei, für die wirklich schönen Sachen, die dann auch perfekt zu einem passen.
In „Die Fuck-it-List-Challenge“ plädieren Sie für einen Abschied von der Bucket List. Aber es gibt doch sicherlich noch einiges, das Sie noch nicht gemacht haben, aber zukünftig gerne machen würden, oder?!
Ruth Moschner: Die Fuck-it-List ist die große Schwester der Bucket List. Natürlich habe ich noch viel vor. Ich schreibe aber im Buch auch, dass Pläne oft nicht sinnvoll sind, weil wir uns ja nur das vorstellen können, was wir kennen. Wenn ich mir mein Leben vorstelle, ist es besser als das geworden. Daher: Vergesst den Eimer und die Liste und macht euch bereit für die wirklich guten Dinge, die außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen!
Angesichts der vielfältigen Herausforderungen des Lebens wird auch das Einhalten einer „Ihr-könnt-mich-alle-mal“-Haltung zur Herausforderung. Wie bewältigt man diese Challenge?
Ruth Moschner: Das Nein-Sagen fällt uns immer noch sehr schwer, wahrscheinlich, weil es so negativ behaftet ist. Wir sollen lieber allzeit bereit, immer fröhlich frisch und gebügelt erscheinen. Das kann ich nicht von heute auf morgen ändern, sondern Schritt für Schritt. Was mir bei der Recherche zu dem Buch auch durch viele Gespräche außerdem noch mal bestätigt wurde: Wir sind alle anders und genau das ist es, was uns verbindet. Indem wir offen sind für andere Perspektiven, schaffen wir nicht nur Empathie, sondern echte Verbundenheit und Respekt.
Die Haltung, die beim Meistern einer Fuck-it-List-Challenge nicht ganz unwichtig zu sein scheint, ist die der Gelassenheit. Was macht Sie trotz aller Gelassenheit weiterhin fassungslos oder bringt Sie sogar auf die Palme?
Ruth Moschner: Ich schreibe ein Buch, in dem es auch um Übergriffigkeiten geht, und ein Moderator war im Zuge eines Promo-Interviews übergriffig, um mich dann danach noch zweimal aufzufordern, ihn kostenlos darüber aufzuklären, was er denn nun genau falsch gemacht hätte. Das kann man sich nicht ausdenken. Muss man auch nicht, weil: Es hat ja stattgefunden. Ich wünschte, ich wäre vor der Kamera so richtig schön ausgerastet. In den Momenten verfluche ich meine gute Erziehung.
