Während viele Podcasts in den Sommermonaten pausieren, bleiben Laura Karasek und ihr Kollege Stephan Seiler mit „Candy Diaries“ auf Sendung. Im smalltalk-Interview spricht die Moderatorin darüber, warum Diabetes keine Ferien kennt, weshalb sie mit ihrem Podcast Vorurteile abbauen möchte und wie Humor dabei helfen kann, den Alltag mit der chronischen Erkrankung zu meistern.
Während viele Podcasts in den Sommermonaten pausieren, bleiben Laura Karasek und ihr Kollege Stephan Seiler mit „Candy Diaries“ auf Sendung. Im smalltalk-Interview spricht die Moderatorin darüber, warum Diabetes keine Ferien kennt, weshalb sie mit ihrem Podcast Vorurteile abbauen möchte und wie Humor dabei helfen kann, den Alltag mit der chronischen Erkrankung zu meistern.
Frau Karasek, bei „Candy Diaries“ soll mit Mythen rund um Diabetes aufgeräumt werden. Was macht Podcasts für Sie zu einem so besonderen Medium, um komplexe Themen verständlich, persönlich und nahbar zu vermitteln – und damit auch Menschen zu erreichen, die sich sonst vielleicht nicht mit Diabetes beschäftigen würden?
Laura Karasek: Ich liebe Podcasts, weil sie so intim sind. Man hat das Gefühl, man sitzt mit zwei Menschen am Küchentisch und hört einem Gespräch zu, das eigentlich gar nicht für einen bestimmt war. Gerade bei einem Thema wie Diabetes ist das wunderbar, weil man eben nicht nur über Werte, Insulin und Sensoren sprechen muss, sondern über das echte Leben dazwischen. Über die absurden, nervigen, manchmal traurigen und oft auch sehr lustigen Momente. Und vielleicht hört dann jemand zu, der mit Diabetes eigentlich gar nichts zu tun hat, und versteht plötzlich ein bisschen besser, was es bedeutet, jeden einzelnen Tag Entscheidungen treffen zu müssen, über die andere Menschen nie nachdenken.
Während viele Podcasts im Juli und August eine Sommerpause einlegen, halten Sie mit „Candy Diaries“ weiter die Stellung. Warum war Ihnen das wichtig?
Laura Karasek: Weil Diabetes leider auch keine Sommerpause macht. Der liegt ja nicht im Juli am Strand und sagt: „Laura, wir hören uns dann im September wieder.“ Gerade im Sommer gibt es so viele Situationen, die mit Typ-1-Diabetes noch einmal ganz eigene Herausforderungen mitbringen – Reisen, Hitze, Sport, Eis, Alkohol, lange Abende. Und genau darüber wollen wir sprechen. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor und Ehrlichkeit. Denn am Ende soll „Candy Diaries“ vor allem zeigen: Man kann mit Diabetes ein sehr volles, wildes und schönes Leben führen.
Sie moderieren den Podcast gemeinsam mit Stephan Seiler, der ebenfalls an Diabetes erkrankt ist. Warum funktioniert die Zusammenarbeit so gut?
Laura Karasek: Stephan und ich haben beide Diabetes – aber uns verbindet auch unsere Impulsivität, unser ADHS, unsere Emotionalität, Sensibilität und unser Humor. Und wir können uns über alles austauschen, weil wir beide nahbar sind. Da reicht manchmal ein Blick oder ein Satz, und der andere weiß sofort, was gemeint ist. Gleichzeitig nehmen wir uns beide nicht wahnsinnig ernst. Das hilft. Der Diabetes ist schon ernst genug, da müssen Stephan und ich es nicht auch noch sein.
Sie sprechen im Podcast sehr offen über persönliche Situationen – über Feiern, Sport, Reisen, Liebe oder berufliche Herausforderungen. Gibt es trotzdem Bereiche, bei denen Sie bewusst eine Grenze ziehen und sagen: Das bleibt privat?
Laura Karasek: Natürlich. Offenheit bedeutet nicht, dass man alles preisgeben muss. Aber alles, was ich sage, soll echt, wahrhaftig und aufrichtig sein. Ich erzähle viel über meine Gedanken und Gefühle, auch weil ich glaube, dass man anderen damit helfen kann, sich weniger allein zu fühlen. Aber ein paar Geheimnisse sollte man auch noch haben. Sonst habe ich irgendwann nichts mehr für meine Bücher übrig.
Sie haben in Ihrem Podcast unter anderem Alexander Zverev als prominentes Beispiel für einen erfolgreichen Menschen mit Diabetes erwähnt. Das wurde anschließend auch von anderen Medien aufgegriffen. Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht solche prominenten Vorbilder, um Vorurteile abzubauen und Betroffenen Mut zu machen?
Laura Karasek: Ich finde solche Vorbilder unglaublich wichtig. Gerade für Kinder und Jugendliche kann es einen riesigen Unterschied machen, jemanden zu sehen, der mit Typ-1-Diabetes ganz oben angekommen ist. Alexander Zverev steht auf den größten Tennisplätzen der Welt – und hat trotzdem denselben Diabetes, mit dem andere morgens in die Schule gehen oder im Büro sitzen. Das zeigt: Diabetes kann anstrengend sein, er verlangt einem viel ab, aber er definiert nicht, wie groß man träumen darf. Ich hätte mir als junges Mädchen mit Diabetes solche Vorbilder gewünscht. Menschen, bei denen ich sehe: Da geht noch ganz schön viel.
Mit Blick auf die nächste Folge von „Candy Diaries“, die am Freitag erscheint: Was erwartet die Hörer*innen und warum eignet sie sich perfekt als Hörstoff für den Sommer?
Laura Karasek: Die neue Folge ist genau das, was ich mir für „Candy Diaries“ wünsche: informativ, persönlich und trotzdem leicht. Man kann sie am Strand hören, im Auto auf dem Weg in den Urlaub oder beim Spaziergang – und nimmt hoffentlich neben ein paar neuen Gedanken auch das Gefühl mit, dass man mit all den kleinen und großen Diabetes-Absurditäten nicht allein ist. Wir wollen keinen Diabetes-Unterricht machen. Eher gute Gesellschaft leisten – mit ein bisschen Wissen. Und das funktioniert zum Glück auch bei 30 Grad.
