Jens Wittenbrink von Simply Peace e.V
Beim Deutschen Fernsehpreis in Köln gab es diese Woche viel zu feiern. Doch nicht nur in den großen Städten ist was los. Auf seinem Roadtrip durch die west- und norddeutsche „Provinz“ hatte Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen „viele schöne und angenehme Erlebnisse und Begegnungen“. Zum Beispiel besuchte er das große Zeltfestival Ruhr am Kemnader See in Bochum. In seiner Kolumne berichtet er nun von einer beeindruckenden kulturellen Vielfalt.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
wie einig ist Deutschland? Gerade wirkt es durchaus gespalten. Spätestens nach der Wahl in Sachsen-Anhalt scheint sich eine Art neuer deutscher Teilung immer deutlicher abzuzeichnen. Doch Vorsicht: Die gedachten Gräben oder Mauern teilen nicht unbedingt den Westen und den Osten. Sie trennen oftmals eher die Stadt vom Land, die Metropole von der Provinz, das Zentrum von der Peripherie. Wobei: Hat Deutschland überhaupt ein Zentrum?
Klar, da gibt es Berlin (unsere Hauptstadt liegt ironischerweise am östlichen Rand des Staatsgebiets). Und es gibt Hamburg, München und Köln. Das sind die Millionenstädte und zugleich die führenden Medienstandorte unseres Landes. Dort werden für 83 Millionen Menschen viele der entscheidenden Inhalte produziert und nicht wenige dieser Inhalte haben auch hier ihren Ursprung. Beispielsweise beim Fernsehen entsteht häufig der Eindruck, das Land, die „Provinz“, spiele eine untergeordnete Rolle.
Liegt das etwa daran, dass außerhalb der Metropolen nichts und in Berlin dagegen der Bär los ist? Die „Tagesschau“-Redaktion aus Hamburg straft diese Vorstellung Lügen. Mit ihrem Format „Mittendrin“. Ich mag die unter dieser Marke regelmäßig erscheinenden Geschichten, die außerhalb irgendwelcher Großstadtblasen angesiedelt sind.
So berichtete „Mittendrin“ kürzlich von der brandenburgischen Kleinstadt Gartz, deren 26-jähriger parteiloser Bürgermeister Luca Piwodda mit seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern so einiges bewegt. Außerdem ging es um einen Blick hinter die Kulissen der Reit-WM in Aachen, auf Hiddensee wurde der Inseltaucher Tommy Döde bei der Arbeit begleitet und aus Neuss gab es einen Bericht über das größte von einem einzigen Verein ausgerichtete Schützenfest der Welt.
Am besten lernt man Land und Leute aber natürlich kennen, indem man sich vor Ort ganz einfach selbst ein Bild macht. So habe ich in diesem Sommer eine Rundreise durch West- und Norddeutschland unternommen. Nebenbei bemerkt: Es ist selbstverständlich auch in anderen ländlichen Gegenden sehr schön. Ich denke da u.a. an Deidesheim in Rheinland-Pfalz oder Lindau am bayerischen Ufer des Bodensees. Näheres hierzu finden Sie beispielsweise auf der sehr zu empfehlenden Webseite tageskarte.io. Aber für mich ging es diesmal eben vom Niederrhein bis an die Nord- und Ostsee. Dort habe ich überall tolle Veranstaltungen und tolle Menschen erleben dürfen.
So feierte man auf dem Schlossplatz von Oldenburg das 50-jährige Jubiläum des Stadtfestes. Wir von Kick-Media haben dort bei dieser Gelegenheit einen „Comedy-Gipfel“ mit Matze Knop, Cindy aus Marzahn, Markus Krebs und Atze Schröder ausgerichtet. Der Titel „Mittendrin“ fand denn auch in Münster Verwendung. Da gab es Ende August ein großes Stadtfest. Obendrein ging in der Stadt des Westfälischen Friedens gleich der diesjährige Nordrhein-Westfalen-Tag über die Bühne. Inklusive großer Party zum 80. Geburtstag des Bundeslandes.
Schließlich landete ich noch beim mit James Arthur, Giovanni Zarrella, Amy Macdonald, Wincent Weiss, Zaz u.v.a. prominent besetzten Zeltfestival Ruhr auf der Stadtgrenze von Bochum und Witten. Der dortige Auftritt der Band Santiano war schon sehr beeindruckend. Darüber hinaus wollte ich mir in Bochum auch in diesem Jahr nicht die Ruhrtriennale entgehen lassen. Deswegen hatte ich schon früh Tickets für das großartige David-Bowie-Musiktheaterstück „Rebel Rebel“ in der Jahrhunderthalle besorgt.
Schlussendlich machte mir mein Roadtrip durch die „Provinz“ wieder einmal klar: Was gibt es doch in Deutschland für eine beeindruckende kulturelle Vielfalt! Musik, Theater, Volksfest und noch viel mehr. Die Menschen kommen zusammen, sitzen beieinander, feiern und reden miteinander. Und das überwiegend sehr friedlich. Die eingangs erwähnten Gräben und Mauern oder das in letzter Zeit so häufig verwendete Wort „Spaltung“ kommen einem da nicht in den Sinn.
Selbstverständlich weiß ich, dass die „Provinz“ auch anders kann. Aber das kann die Großstadt auch. Und wie sie kann! Das wird dann mitunter eher unangenehm. Auf meiner Deutschlandreise hatte ich dagegen viele schöne und angenehme Erlebnisse und Begegnungen. Und nicht nur einmal war ich während der Tour froh, in der angeblich vernachlässigten Provinz zu sein und nicht in der leider immer häufiger wirklich vernachlässigten Großstadt.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Zum Feiern bietet sich ein Limoncello Spritz Sbagliato an. Für mich eine schöne Alternative zum omnipräsenten Aperol Spritz. Man nehme Limoncello (nicht zu viel!) und gieße ordentlich mit alkoholfreiem Sekt auf. Ich bevorzuge „Mumm“. „Freixenet“ hat zu viel Druck. Dann noch einen kleinen Schuss Sprudel und einige dünn geschnittene Zitronenscheiben. Fertig ist dieser sehr süffige und erfrischende Sommer-Drink.
PPS: Kürzlich war ich in der Kölner „Henne.Weinbar“ schön essen. Als Aperitif/Digestif schlug mein Gesprächspartner einen Port Tonic vor, also weißen Portwein mit Tonic Water aufgefüllt. Auch nicht schlecht!
