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Im Arthouse-Kino geht derzeit nichts ohne Sandra Hüller. Nach „Rose“ kommt demnächst „Vaterland“ mit ihr als Erika Mann, die ihren Vater Thomas Mann auf einem Roadtrip durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland begleitet. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes wurde der Film von Paweł Pawlikowski mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen outet sich als Hüller-Fan und ist gespannt, wie sich Wolfram Weimers Gesetzentwurf zu verpflichtenden Investitionen in den Filmstandort Deutschland entwickeln wird.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
Sommer, Sonne, Filmfestspiele. Im nun zu Ende gehenden Mai war Cannes mal wieder der Kraftort der Filmbranche. Auf der Leinwand und auf dem roten Teppich strahlte an der Croisette einmal mehr die schier omnipräsente und weiterhin sensationell gute Sandra Hüller. In dem in Cannes uraufgeführten Film „Vaterland“ spielt sie Erika Mann, die 1949 an der Seite ihres von Hanns Zischler verkörperten Vaters Thomas Mann einen fiktiven Roadtrip durch das vom Krieg zerstörte Deutschland unternimmt. Regisseur Paweł Pawlikowski wurde mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
Im September soll „Vaterland“ hierzulande ins Kino kommen. Da bin ich auf alle Fälle dabei. Weil mich Thomas Mann generell sehr interessiert – und weil Sandra Hüller wirklich fantastisch ist. Ein deutscher Weltstar. Ab 25. Juni ist sie übrigens als die Titelheldin in dem Dokudrama „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ zu sehen. Seit ihrem sensationellen Auftritt bei der Ruhrtriennale vor zwei Jahren, als sie in „I Want Absolute Beauty“ von Intendant Ivo van Hove mit PJ Harvey-Songs brillierte, bin ich Fan. Das war einfach unglaublich!
Ein fettes Ausrufezeichen verdient aber auch die Tatsache, dass es das gute alte Kino überhaupt immer noch gibt! Im Zeitalter der allgegenwärtigen Verfügbarkeit gefühlt sämtlicher Bewegtbildinhalte wird schließlich gestreamt, als gäbe es kein Morgen. Zu Hause, in der Bahn, im Gym, im Büro. Querformat, Hochformat. Alles ist möglich. Das Nonplusultra bleibt allerdings weiterhin das Erlebnis der großen Leinwand. Und auf der lieben wir vor allem die Stars aus Hollywood. Sandra Hüller und Hollywood gehören mittlerweile auch zusammen. Siehe „Der Astronaut – Project Hail Mary“. Dort spielt sie die Chefin von Ryan Gosling.
Dass Hollywood heute längst nicht mehr „Hollywood“ sei, weil immer weniger Leute in der einstigen Traumfabrik Arbeit haben, da an anderen Orten billiger produziert werden könne, betonte neulich noch mal die Sendung „Studio 9“ im Programm von Deutschlandfunk Kultur. Mit Film kann eben viel Geld gemacht werden – aber dieses Geld behält man offenbar am besten für sich.
In der deutschen Filmbranche gibt es bekanntlich ebenfalls Probleme. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will der Flaute durch ein Gesetz begegnen. Sein in dieser Woche vom Bundeskabinett beschlossener Entwurf sieht vor, dass auch große internationale Streamingdienste wie Netflix, Amazon oder Disney+ zu Mindestinvestitionen im Lande verpflichtet werden. Darüber hinaus geht es um eine Aufstockung der staatlichen Förderung. Jetzt muss der Bundestag entscheiden.
Staatliche oder verpflichtende private Förderung hin oder her: Wer etwas gewinnen will, muss nun mal Einsatz zeigen und investieren. Bei Paweł Pawlikowski und „Vaterland“ hat sich das offenbar schon gelohnt. Gleiches gilt für Valeska Grisebachs mit dem Preis der Jury geehrten Film „Das geträumte Abenteuer“ oder auch für Grisebachs rumänischen Kollegen Cristian Mungiu. Sein Film „Fjord“, der dieses Jahr in Cannes die Goldene Palme für den besten Film gewann, soll im August in Frankreich starten. Hoffentlich dauert es nicht sehr viel länger, dass er auch bei uns läuft. Erst in den Kinos, dann irgendwann im Streaming und vielleicht dann auch im Free-TV.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: In Cannes oder überhaupt unter südlicher Sonne einen schönen eiskalten Pastis zu genießen, ist eine feine Sache. Zu meinen Favoriten gehört „Le Camarguais“ von der Distillerie Blachère aus der Gegend von Avignon. Das ist kein Industrieprodukt, enthält keinen zugesetzten Zucker und schmeckt so, wie ein Pastis schmecken sollte. Da hört man schon die Pétanque-Kugeln klackern. Als Alternative kann ich aber auch ein gutes Glas Rosé empfehlen. Zum Beispiel einen Château Minuty. Auch das gehört für mich zur Côte d’Azur.
PPS: Die Fußball-WM rückt immer näher. Da wird es sicherlich großartige Spiele geben – aber gewiss auch eine ziemliche Fußballberieselung. Auf alle Fälle können wir froh sein, dass in Deutschland das Hin und Her rund um das Thema Torwart vorüber ist. Aus Kölner Sicht etwas traurig: Saïd El Mala wurde nicht in den Nationalkader berufen. Wie kann das beim Effzeh passieren, der an sich ja immer für internationale Turniere bereit ist?
