Das neue Album der Rolling Stones erobert weltweit die Charts. Auch in Deutschland landete „Foreign Tongues“ auf Platz 1. Kick-Media-Vorstandschef und Stones-Fan Alexander Elbertzhagen feiert das insgesamt 25. Studiowerk der Band. Aber er kann auch anders und beschäftigt sich außerdem mit Wagner. Passenderweise beginnen an diesem Wochenende die Bayreuther Festspiele. Und, für Elbertzhagen keine Überraschung: Bei Wagner und den Stones gibt’s durchaus Gemeinsamkeiten. Foto © Polydor/Universal
Das neue Album der Rolling Stones erobert weltweit die Charts. Auch in Deutschland landete „Foreign Tongues“ auf Platz 1. Kick-Media-Vorstandschef und Stones-Fan Alexander Elbertzhagen feiert das insgesamt 25. Studiowerk der Band. Aber er kann auch anders und beschäftigt sich außerdem mit Wagner. Passenderweise beginnen an diesem Wochenende die Bayreuther Festspiele. Und – für Elbertzhagen keine Überraschung: Bei Wagner und den Stones gibt’s durchaus Gemeinsamkeiten.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
zugegeben, die Rolling Stones sind sehr alt. Aber auf ihrem neuen Album klingen sie sehr jung. Mir als Fan rollt da sozusagen ein Stein vom Herzen. Altes Eisen? Von wegen! „Foreign Tongues“ ist ihr insgesamt 25. Studiowerk und eroberte gerade weltweit die Spitzenpositionen der Charts. Auch bei uns in Deutschland. Die erste deutsche Nummer 1, ironischerweise mit dem Titel „The Rolling Stones No. 2“, bescherte ihnen das Jahr 1965. Und 61 Jahre später sind die bösen Briten wieder und immer noch top.
In den Jahrzehnten dazwischen habe ich einiges im Musikgeschäft erlebt. Wenn ich daran denke, wie wir manchmal daran gearbeitet haben, mit schlauen (und stets legalen) Marketing-Ideen möglichst hohe Charts-Positionen zu erreichen…
Und dann die Stones! Die machen ganz einfach ein hervorragendes Album. Weil sie nun mal die Stones sind – und weil sie einem hervorragenden Produzenten vertrauen: Andrew Watt. Der ist 35 und hat schon mit Jungstars wie Justin Bieber, Selena Gomez und Shawn Mendes aber auch mit Iggy Pop, Eddie Vedder und Glenn Hughes gearbeitet. Nach „Hackney Diamonds“ ist „Foreign Tongues“ seine zweite Stones-Produktion. Und die klingt fantastisch. Dabei strahlen die 14 neuen Titel von Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und ihren Mitstreitern eine enorme Lebensfreude aus.
Klassische, schöne und analoge Uraltmethode!
In Deutschland gab die Band keine Interviews und trat auch nicht im Fernsehen auf. Eine entsprechende Tournee kommt (hoffentlich) nächstes Jahr. In jedem Fall zeigen uns die alten Recken des Rock’n’Roll, dass die Grundlagen des Erfolgs vor allem gute Songs und eine bestmögliche Produktion sind. Die dpa berichtete, dass Mick Jagger im Studio mit Schlagzeuger Steve Jordan tanze, um zu spüren, ob der Song , an dem man gerade arbeite, den richtigen Groove habe. Wenn sich dann das Gefühl einstelle, dass es passt… erst dann sei der Song gut. Eine klassische, schöne analoge Uraltmethode! „Foreign Tongues“? Unbedingt anhören!
Glaubensfrage: Wagner oder Verdi?
Im vergangenen Jahrhundert war es eine Glaubensfrage, ob man mehr den Stones oder den Beatles zugeneigt war. Was für ein Blödsinn! Schließlich spielte auf dem neuen Stones-Album auch diesmal wieder Beatles-Legende Paul McCartney Bass. Zu hören auf dem Song „Covered in You“. Mick Jagger war begeistert von dem einstigen Konkurrenten. Und auch McCartney hatte offenbar seinen Spaß.
Wenn ich jetzt noch ein weiteres Jahrhundert zurückgehe, lande ich hinsichtlich musikalischer Glaubensfragen unweigerlich bei Richard Wagner. Wagner oder Nicht-Wagner, das ist allerdings heute immer noch die Frage. Vieles an dem genialischen Tonsetzer ist sicherlich zu Recht höchst umstritten oder eindeutig unsäglich bis schrecklich. Doch seine Musik fasziniert trotz allem mindestens genauso wie die seines wohl größten Rivalen Giuseppe Verdi.
Opernliebhaber im Allgemeinen und Wagnerianer im Besonderen haben ab diesem Wochenende wieder aktuellen Anlass, sich mit Wagners Werk zu befassen. Heute Abend werden schließlich die 150. Bayreuther Festspiele eröffnet. Christian Thielemann dirigiert auf dem grünen Hügel Beethovens Neunte. Morgen Vormittag folgen dann ein Gedenkakt und ein Gedenkkonzert, was eben mit Wagners dunkler Seite zu tun hat. Am Sonntagnachmittag ist es dann Zeit für die Premiere der ersten Bayreuther „Rienzi“-Inszenierung.
Bayreuth lockt also wieder. Der rote Teppich, das Festspielhaus, es wird bedeutend und voll. Denn alles ist ausverkauft. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr, denn ich habe tatsächlich schon Karten für 2027. Für mich wird es das zweite Bayreuth-Erlebnis in meinem Leben sein. 2026 bleibt mir immerhin der Livestream in der ARD-Mediathek.
Ob mit Wagner oder Jagger: Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Musik nicht nebenbei zu hören, sondern bewusst zu genießen, lohnt sich bei den Rolling Stones genauso wie bei Wagner oder Verdi. Zum Sound der Stones empfehle ich als stilechte Erfrischung einen eisgekühlten Whiskey-Cola. Am besten mit Jack Daniels. Alternativ ginge auch ein Gläschen vom Band-eigenen Jamaica-Rum: Crossfire Hurricane. Als Begleiter für Richard Wagners Musik wird in Bayreuth ein eigener Sekt angeboten, eine Geldermann Bayreuther Festspiel Cuvée Brut. Der Meister selbst soll allerdings Bier bevorzugt haben. In der Nachfolge böten sich Erzeugnisse der Bayreuther Bierbrauerei an: zum Beispiel Aktien Zwick’l Kellerbier oder Aktien Landbier Fränkisch Dunkel.
PPS: Zur Einstimmung auf die Bayreuther Festspiele gibt es in der ARD-Mediathek die Doku „The Good, the Bad & the Ego“. Der Vierteiler (beim Schöpfer der Ring-Tetralogie selbstverständlich!) untersucht, was an Wagner trotz allem bis heute fasziniert. Wäre der Mann nicht selbst Komponist und Texter gewesen, so hätten die Stones den passenden Soundtrack liefern können. Mit ihrem Klassiker „Sympathy for the Devil“.
