smalltalk-Interview Philipp Steffens

3. Mai, 2017

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RTL-Fiction-Chef Philipp Steffens: Die Zukunft des Fernsehens mitgestalten

3. Mai 2017 – Serien wie „Der Lehrer“ oder „Alarm für Cobra 11“ haben sich über viele Jahre zu etablierten Marken im deutschen Fernsehen entwickelt. RTL macht damit zuverlässig Quote. In jüngster Zeit sorgte der Kölner Privatsender zudem mit aufwendigen Produktionen wie dem Mehrteiler „Deutschland 83“ und der neuen „Winnetou“-Trilogie für enormes Aufsehen. Namentlich „Deutschland 83“ räumte zahlreiche Preise ab, darunter der Grimme-Preis, die Goldene Kamera und der Deutsche Fernsehpreis. In den USA gab es sogar einen International Emmy Award. Und RTL hat angekündigt, im fiktionalen Bereich nachzulegen. Zu diesem Thema stand RTL-Fiction-Chef Philipp Steffens im smalltalk-Interview Rede und Antwort.

 smalltalk: Herr Steffens, fiktionale Eigenproduktionen scheinen für RTL immer wichtiger zu werden.

Philipp Steffens: Bereits vor einigen Jahren haben wir angefangen, verstärkt auf Eigenproduktionen zu setzen. Dies hat sich bereits jetzt ausgezahlt und wird es in Zukunft noch mehr tun. Wir setzen auf Exklusivität und Kreativität. In dem sich verändernden Markt, der von immer neuen Sendern und auch Streaming-Diensten beeinflusst wird, wollen wir unsere Kompetenz durch exklusive Programme, die wir kreativ beeinflussen, stärken.

smalltalk: Im März kündigten Sie an, die Dosis eigenproduzierter Fiction deutlich zu erhöhen. Noch in diesem Frühjahr werde RTL mit der Produktion von fünf Serien loslegen. Wie ist der gegenwärtige Stand der Dinge?

Philipp Steffens: Wir schreiben vermehrt aus, wir suchen und sichten Talente – man darf gespannt sein. Derzeit produzieren wir fünf neue Serien: eine Crime-Serie unter dem Arbeitstitel „Bad Cop“, die Legal-Serien „Jenny – echt gerecht!“ und „Plötzlich Anwalt“, die Dramedy „Sankt Maik“ und die Medical unter dem Arbeitstitel „Lifelines“.

 smalltalk: Kürzlich wurde offiziell verkündet, dass ab 2018 in Cannes ein neues Festival für TV-Serien stattfinden wird. Wie beurteilen Sie diesen Plan und sehen Sie Chancen, dass auch deutsche Serien dort eine Rolle spielen werden?

Philipp Steffens: Das scheint mir eine ganz logische Konsequenz auf die Entwicklungen serieller Formate zu sein. Serien haben sich zu einer dem Kino ebenbürtigen Filmkunstform entwickelt, in der viele große Talente tätig sind. Es gibt ja auch schon längst etablierte Festivals für TV-Serien, wie zum Beispiel „Séries Mania“ seit 2009, „Série, Series“ seit 2012 und Berlins „Drama Series Days“ seit 2015. Ich sehe durchaus gute Chancen für deutsche Produktionen. Dass wir auf internationalem Niveau agieren, bewies uns zum Beispiel der internationale Emmy, mit dem „Deutschland 83“ ausgezeichnet wurde.

Foto: RTL/Nik Konietzny

Jonas Nay und Maria Schrader in einer Szene der vielfach preisgekrönten RTL-Serie „Deutschland 83“. 2018 kommt die Fortsetzung – erst bei Amazon, dann bei RTL. (Foto: RTL/Nik Konietzny)

smalltalk: Welche Genres kommen bei deutschen Zuschauern am besten an und in welchen Bereichen will RTL das breite Publikum bedienen? Sitcoms, Krimis, Drama?

Philipp Steffens: Die Qualität einer Serie liegt für uns darin, außergewöhnlich, innovativ und gleichzeitig massentauglich und unterhaltend konzipiert zu sein. Dabei setzen wir vor allem auf hohe Emotionalität. Dies kann sich in viele Genres und Formen übersetzen lassen. Wir wollen mit starken Protagonisten und relevanten, mit Leichtigkeit erzählten Themen das Senderprogramm erweitern. Anfang 2016 haben wir drei neue Sitcoms ausgestrahlt, eine vierte ist in Produktion. Als nächstes folgt eine große Bandbreite neuer Serien: Crime, Legal, Medical und Dramedy. Sie sehen, wir setzen uns keine formellen Grenzen, solange uns die Geschichten, Figuren und Themen überzeugen.

 smalltalk: Was haben Sie aus der von Kritikern hochgelobten und nicht zuletzt in den USA sehr positiv aufgenommenen Serie „Deutschland 83“ gelernt, die hierzulande quotenmäßig eher unter den Erwartungen lag?

Philipp Steffens: So viel Beachtung wie „Deutschland 83“ hat eine deutsche Serie in den Feuilletons selten erfahren. Die Branchenresonanz schien letztendlich jedoch euphorischer als die Einschaltquote wiedergab. Es gibt für jedes Format verschiedene Bemessungs- und Bewertungsgrundlagen. Die Einschaltquote ist ein entscheidendes Kriterium hinsichtlich der Refinanzierung solcher Investitionen. „Deutschland 83“ hat hierbei weniger auf das Konto als auf das Image des Senders eingezahlt. Der Verkauf auf dem internationalen Markt hingegen ist eine große Bestätigung für die Qualität der Serie. Wenn wir über unser Publikum hinaus internationale Aufmerksamkeit erlangen können, haben wir viel erreicht.

 smalltalk: Amerikanische Serien gelten in der Branche und auch beim Publikum als das Nonplusultra. Die Gründe dafür sind bereits vielfach diskutiert worden, wobei Mut und Geld eine entscheidende Rolle zu spielen scheinen. Was muss hierzulande passieren, um sowohl künstlerisch als auch kommerziell das Niveau amerikanischer Produktionen zu erreichen? Und: Ist das überhaupt ein Ziel?

Philipp Steffens: Die Qualität einer Serie misst sich immer an dem jeweiligen Ziel. Mit „Deutschland 83“ hatten wir ein anspruchsvolles und ambitioniertes Team hinter der Kamera und einen außergewöhnlichen Cast vor der Kamera. Wir haben einen spannenden Spionagethriller mit ambivalenten Figuren in einem politisch aufgeladenen Setting erzählt. Damit haben wir ein Nischenpublikum bedient sowie das internationale Interesse an deutschen historischen Stoffen. Mit „Alarm für Cobra 11“ haben wir seit über 20 Jahren eine der erfolgreichsten, langlebigsten und meist verkauften Action-Serien. Auch das ist eine unschlagbare Qualität. „Der Lehrer“ begeistert national mit von Staffel zu Staffel steigenden Quoten und Reichweiten, während die meisten amerikanischen Produktionen einen starken Abfall ab der zweiten Staffel verzeichnen müssen. Es scheint, als würde der US-amerikanische Serien-Boom allmählich abklingen. Es wird sich zeigen, ob der deutsche Serienmarkt nun für sich neue Potenziale ausschöpfen kann.

 smalltalk: Wie sehen vor diesem Hintergrund die Zukunftsplanungen im Bereich fiktiver Produktionen wie Serien oder Mehrteilern für RTL aus?

Philipp Steffens: Wie schon gesagt, erhöhen wir die Dosis eigenproduzierter Fiction deutlich, vor allem in serieller Form. Wir freuen uns über die Möglichkeit, verschiedene Genres und Themen ausprobieren zu können. Mit starken Teams wollen wir gemeinsame Visionen finden und die Zukunft des deutschen Fernsehens mitgestalten.

 smalltalk: Herr Steffens, vielen Dank für das Interview.

Foto (Philipp Steffens) © RTL/Stefan Gregorowius

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