Kunst Der Münchener Maler Alexander Höller hat sich intensiv mit Edvard Munchs legendärem „Schrei“ auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist Höllers eigener „Stummer Schrei“. Am Kölner Dom stellte er jetzt seine neue Serie der Presse vor und setzte ein Zeichen gegen Vorurteile und Intoleranz.

20. Mai, 2021

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Alexander Höller: Stürmische Weltpremiere am Kölner Dom

Der Münchener Maler Alexander Höller hat sich intensiv mit Edvard Munchs legendärem „Schrei“ auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist Höllers eigener „Stummer Schrei“. Am Kölner Dom stellte er jetzt seine neue Serie der Presse vor und setzte ein Zeichen gegen Vorurteile und Intoleranz.

Die Fallwinde am Kölner Dom können heftig sein. Das bekam am gestrigen Nachmittag auch der Maler Alexander Höller zu spüren, als er der Öffentlichkeit erstmals seine neue Serie „Der stumme Schrei“ vorstellte. Am Ostportal der Kathedrale enthüllte er coronakonform und in Anwesenheit von Pressevertretern ein großformatiges Selbstporträt.

Höller gehört zu den gefragtesten jungen Stars der deutschen Kunstszene. Im vergangenen Sommer feierte der Absolvent der Münchener Akademie der Bildenden Künste in der Kölner Galerie Martina Kaiser einen großen Erfolg mit der Ausstellung seiner fulminanten „Wald“-Serie. Im Dezember begeisterte er dann mit seinen magischen „Goldenen Stunden“.

Anlässlich der Weltpremiere seiner neuen Arbeiten kehrte der Wahl-Münchener nun an den Rhein zurück. In seinen neuen Bildern setzt er sich intensiv mit dem Werk des norwegischen Malers Edvard Munch auseinander. Im Mittelpunkt steht dabei der weltberühmte „Schrei“. Höllers Antwort ist die Serie „Der Stumme Schrei“.

In seinen Bildern klagt der 24-Jährige an, allerdings ohne sich selbst über irgendjemanden zu erheben. Schon die Titel seiner Arbeiten machen deutlich: Höller stilisiert sich selbstironisch als „Clown“, als „Pavian“ oder „Orang-Utan“. Er ist eben auch nur ein Wesen aus der Ordnung der Primaten, das wie der Protagonist in Munchs Klassiker mit stillem Entsetzen und lautlosem Schrei auf das reagiert, was ihm die von jeglicher Humanität zum Teil erheblich entfremdete Gesellschaft zumutet. Vorurteile, Schubladendenken, Mobbing – all das führt für Höller letztlich zur Zerstörung von Individualität, Selbstbestimmung und allem, was uns zu Menschen macht.

In Öl und Acryl zeigen die in der Regel 170 x 180 Zentimeter großen Leinwände abstrahierte Darstellungen von unterschiedlichen Gesichtern eines Menschen. Furios im Farbgestus und radikal in der Form formuliert Alexander Höller einen wort- und dabei ganz und gar nicht sprachlosen Generationenschrei. Auf diese Weise verleiht er dem stummen Kranksein an der Welt in einem selbstbewussten, befreienden Akt der Emanzipation bildgewaltige Sichtbarkeit. Aus Munchs Weltschmerz schöpft er künstlerische Kraft, um die Angststörungen, Depressionen und Burn-out-Syndrome seiner eigenen Gegenwart als actionreiche Porträts eines weisen Narren zu artikulieren. Es sind die Ansichten eines Clowns im 21. Jahrhundert, dessen Schrei im Halse stecken bleibt.

Ursprünglich war die erste Enthüllung für die Art Karlsruhe vorgesehen, wo Alexander Höller in einer eigenen „One Artist Show“ präsentiert worden wäre. Aus bekannten Gründen sind seine Arbeiten stattdessen nun im Rahmen der „Art Karlsruhe Selections“ coronakonform und daher auch nur auf Terminanfrage in der Kölner Galerie Martina Kaiser zu sehen. Im Laufe des Jahres werden sie u.a. auch in Wiesbaden und Berlin ausgestellt.

Die stürmischen Bedingungen am Dom konnten übrigens weder Alexander Höller noch seinem Gemälde etwas anhaben. Nichts ist weggeflogen und auch der Künstler blieb mit beiden Beinen auf dem Boden. Die Botschaft seiner Bilder dürfte aber angekommen sein: Höllers „Stummer Schrei“ mit erhobenem Mittelfinger ist ein Aufschrei gegen Vorurteile und Intoleranz – ein malerisches Pamphlet für Individualität und Selbstbestimmung.

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