Morgen ist der längste Tag des Jahres und kalendarischer Sommeranfang. Das heißt aber keineswegs, dass bis September außer Fußball-WM nichts mehr in der Welt passiert. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen genießt selbstverständlich auch den Sommer. Doch er vermisst Caren Miosga, Louis Klamroth und Sandra Maischberger – und freut sich schon auf deren Rückkehr auf die Bildschirme.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
der Sommer ist da. Nach dem meteorologischen Start am 1. Juni sind wir ab dem morgigen 21. Juni auch kalendarisch in der neuen Jahreszeit angekommen. Passenderweise beginnen am nächsten Wochenende in ersten Bundesländern die großen Schulferien. Und spätestens wenn sich dann im Juli der Bundestag in die parlamentarische Sommerpause verabschiedet, beginnt das, was im Journalismus einst die Saure-Gurken-Zeit genannt wurde. Doch da muss ich kurz einhaken. Denn in Wirklichkeit sind die Zeiten der Saure-Gurken-Zeit vorbei.
Die Welt dreht sich bekanntlich weiter, auch dann wenn sich der glücklichere Teil der Menschheit gerade eine möglichst sonnige Auszeit gönnt. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die Wirtschaftskrise, die Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt (der parlamentarische Break in Berlin endet am 7. September) – im Schatten der Sommerpause ist weiterhin einiges im Gange.
Im Licht dagegen steht in diesem Jahr die FIFA als größte Lobby-Organisation der Welt. Die Folge: Es ist Krieg und keiner guckt hin. Stattdessen gucken alle Fußball. Statt um tödliche Verluste auf den Schlachtfeldern geht es um glanzvolle Siege im Stadion. Dass viele Talkshows, die das Weltgeschehen sonst kommentierend, einordnend und orientierend begleiten, ausgerechnet jetzt pausieren, finde ich schade.
Während also alles im Guten wie im Bösen im Fluss bleibt, heißt es in der ARD bei „Hart aber fair“ (seit 1. Juni), „Caren Miosga“ (seit 7. Juni) und seit dem 10. Juni bei „Maischberger“: Still ruht der See. Einen Tag später übernahm die FIFA die Programmhoheit über das deutsche Fernsehen. Schließlich sieht es ganz so aus, als ob viele Anbieter der fußballerischen Konkurrenz aus dem Wege gingen und offenbar lieber Wiederholungen zeigten. Selbst in den Dienststellen der „Tatort“-Kommissare sind die Ermittlungen derzeit eingestellt.
Was den politischen TV-Talk betrifft, so ist hier immer wieder ein Überangebot beklagt worden. Doch das gegenwärtige sommerliche Unterangebot kann zumindest meine Nachfrage nicht ganz decken. Da freue ich mich beispielsweise schon auf den 10. August. Dann soll Sandra Maischberger laut Plan zurückkehren. Falls etwas Außergewöhnliches passiert, dürfte sie sich auch früher wieder melden. So wie sie am 6. Januar die Winterpause unterbrach und anlässlich des militärischen Angriffs der USA auf Venezuela und der Festnahme von Präsident Maduro außerplanmäßig auf Sendung ging. Das ZDF zieht übrigens erst nächsten Monat den Stecker. „Markus Lanz“ verabschiedet sich am 16. Juli für vier Wochen, „Maybrit Illner“ folgt am 23. Juli, also schon nach der WM, mit knapp sechs Wochen Auszeit.
Die Sommerpause der Talkshows ist zwar nicht nur der Fußball-WM geschuldet. Irgendwann müssen die Menschen, die dort arbeiten ja auch mal Urlaub machen. Aber der Einfluss des sportlichen und medialen Mega-Entertainment-Events ist schon enorm. Ich finde es durchaus beeindruckend, wie die FIFA ihr Produkt über die Jahrzehnte so entwickelt hat, dass es die Programm-, Urlaubs- und manchmal sogar Lebensplanung so vieler Menschen nicht unwesentlich beeinflusst – und wie sie es immer wieder schafft, die meisten anderen Themen so zu überlagern, dass diese kaum wahrgenommen werden und man annehmen könnte, es gäbe sie noch: die gute alte Saure-Gurken-Zeit.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes sommerliches Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: In der Ausgabe des vergangenen Wochenendes habe ich im Zusammenhang mit dem legendären Schlager „Capri-Fischer“ an dessen Komponisten Gerhard Winkler erinnert – und dabei ungerechterweise den Namen des Texters nicht erwähnt: Ralph Maria Siegel, der Vater des Komponisten und ESC-Veteranen Ralph Siegel. Von ihm stammt das berühmte „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“. Der umgekehrte Fall kommt gar nicht so selten vor. Zum Beispiel beim Musical „Elisabeth“ wird meist nur der Texter genannt, Michael Kunze. Oder bei der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht. Die Namen der Komponisten, Sylvester Levay bzw. Kurt Weill, fallen ebenso ungerechterweise häufig unter den Tisch.
PPS: Das beim Fußballgucken mit großem Abstand beliebteste Getränk scheint zumindest bei den deutschen Fans Bier zu sein. Kein Wunder, schließlich gibt es da wirklich hervorragende Varianten. Dabei gilt auch: Es muss nicht immer Alkohol sein. Längst ist die Auswahl an nullprozentigen Bieren nicht nur groß, sondern auch erstaunlich hochwertig. Meine Entdeckung des Sommers: Clausthaler Extra Herb. Für mich als gebürtiger Norddeutscher genau das richtige Pils.
