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2. Mai, 2026

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1. Mai im TV: Wo waren die Filme zum Tag der Arbeit?

Zu Weihnachten und zu Ostern laufen im Fernsehen Bibelfilme. Die Suche nach einem passenden Angebot für den 1. Mai war dagegen auch in diesem Jahr wieder einigermaßen vergeblich. Dabei gäbe es einiges zu entdecken bzw. wiederzuentdecken. Zum Beispiel Jean-Paul Salomés „Die Gewerkschafterin“ mit Isabelle Huppert. Möglich ist da allerdings noch mehr. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen hat recherchiert – und abgesehen davon etwas Feines in Andorra entdeckt.

Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,

viele traditionelle Feiertage werden heutzutage als entleerte Rituale wahrgenommen. Ob das auch für den 1. Mai gilt, hängt von der Perspektive ab. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund war die Sache auch in diesem Jahr klar. Über das gesamte Land verteilt fanden am gestrigen „Tag der Arbeit“ mehr als 400 Demos, Feste und andere offizielle Veranstaltungen statt. Aber seien wir mal ehrlich: Die meisten Menschen zieht es am 1. Mai nicht mit Transparenten in die Innenstadt. Vielmehr freuen sie sich über einen arbeitsfreien Frühlingstag im Grünen. Und das ist völlig in Ordnung.

Der ursprünglich klassenkämpferische Impact des Maifeiertags ist vielen genauso wenig bewusst wie die fast vergessene katholische Tradition des Marienmonats. Dass die Union kürzlich laut „Spiegel“-Informationen beim Krisengipfel der Regierung die Abschaffung des 1. Mai als gesetzlichem Feiertag ins Spiel gebracht haben soll, kann man vor diesem Hintergrund erst einmal nachvollziehen. Eine gute Idee ist das aber selbstverständlich trotzdem nicht. Was wäre mit diesem Traditionsbruch gewonnen? Damit lassen sich weder Glück noch Zufriedenheit und schon gar nicht das Bruttosozialprodukt steigern.

Ein Tag wie der 1. Mai kann nämlich ganz einfach dazu beitragen, das Leben als lebenswert wahrzunehmen. Zum Beispiel durch den höchst lebendigen Brauch des „Tanz in den Mai“. Ich hoffe, Sie hatten Gelegenheit, bei einem entsprechenden Fest den Wonnemonat zu begrüßen. Dass nach langer kalter Jahreszeit endlich die Temperaturen steigen und die Sonne scheint, war schon immer ein Grund zur Freude. Die Walpurgisnacht, also die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, wird im Grunde seit Jahrtausenden gefeiert. Heute ist das Ganze ein kultureller Mix aus heidnischen Ursprüngen, Christentum und je nach persönlicher Vorliebe einer Prise Ballermann.

In verschiedenen Gegenden Deutschlands wurden in der Nacht zum Freitag außerdem bunt geschmückte Maibäume aufgestellt, die allerdings dann gegen Diebe aus dem Nachbardorf verteidigt werden mussten. Der Bayerische Rundfunk greift diesen Brauch in Gestalt einer kurzweiligen Adventure-Spielshow auf: „Maibaum Hunters“, zu sehen in der ARD-Mediathek.

Insgesamt aber blieb 2026 das TV-Angebot mit Mai-Bezug recht dünn. Die Programmplaner setzten auf Actionfilme von „Fantomas“ (ZDFneo) und „James Bond“ (Nitro) bis „London Has Fallen“ (RTLzwei) oder „Rocky“ (Kabel Eins). Was hat das mit dem 1. Mai zu tun – außer, dass es Menschen gibt, die den arbeitsfreien Tag überwiegend vor dem Fernseher verbringen?

Was natürlich passend wäre: Filme zum Thema Arbeiterbewegung. Und da ist die Auswahl gar nicht mal so schlecht. „Strajk – Die Heldin von Danzig“ von Volker Schlöndorff mit Katharina Thalbach in der Hauptrolle zum Beispiel. Den gibt es beim Arthouse-Streamer Filmfriend. Oder „Die Gewerkschafterin“ mit Isabelle Huppert im Angebot von MagentaTV. Vielleicht käme auch „Der junge Karl Marx“ mit August Diehl in der Titelrolle (ebenfalls MagentaTV oder Prime Video) in Frage.

Wer es weniger politisch mag, konnte auch den Walpurgisnacht-Aspekt zum Programm machen. RTL brachte am Freitagabend immerhin „Let’s Dance“. Ich habe mich stattdessen mal auf die Musik konzentriert und auf der Webseite des altehrwürdigen „Musikexpress“ zehn Songempfehlungen zum 1. Mai gefunden. Mit dabei sind u.a. „Working in the Coal Mine“ von Lee Dorsey und John Lennons „Working Class Hero“ in einer Version von Marianne Faithfull, „Ich komme, um zu kündigen“ von Bernd Begemann und Dolly Partons „9 to 5“ aus der gleichnamigen Kinokomödie. Die wäre mal was fürs feiertägliche TV-Programm gewesen. Vielleicht im nächsten Jahr…

Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes erstes Mai-Wochenende!

Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)

PS: Die politischen Forderungen am 1. Mai drehen sich letztlich immer um die viel gescholtene Work-Life-Balance – ohne die das Leben eine ziemlich trostlose Angelegenheit wäre. Wichtig ist bei diesem Begriff aber vor allem die „Balance“. Zu viel „Life“ im Sinne von „Chillen“ ist einem guten Leben ebenso wenig zuträglich wie zu viel „Work“ im Sinne von „Abrackern“. Ich habe das Glück, dass mir meine Arbeit viel Freude bereitet und mich sehr befriedigt. Meine Work-Life-Balance empfinde ich von daher als sehr ausbalanciert.

PPS: Letzte Woche führte mich eine Reise in die Pyrenäen, nach Andorra. Bei einem Essen in dem tollen Restaurant „Celler d‘en Toni“ habe ich einen hervorragenden weißen Rioja entdeckt. Noch besser: Ich habe ihn getrunken. Blanco Reserva, eine fantastische Cuvée von Remírez de Ganuza. Dieser Wein hatte eine unglaubliche Fülle an Aromen, dicht strukturiert, doch weit entfernt von aufdringlich und ganz einfach angenehm frisch. Sehr ausbalanciert. Für mich der perfekte Genuss zum 1. Mai.

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ronald paul yandere