In Karlsruhe fällt demnächst eine Entscheidung zum Rundfunkbeitrag der Deutschen. Und in Wien übernimmt im nächsten Jahr der frühere APA-Geschäftsführer Clemens Pig als Generaldirektor die Leitung des ORF. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen macht sich Gedanken über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – und er erinnert an den legendären Musikproduzenten Clive Davis, der diese Woche im Alter von 94 Jahren verstarb. (Foto © Stephan Pick; ORF/Thomas Ramstorfer)
In Karlsruhe fällt demnächst eine Entscheidung zum Rundfunkbeitrag der Deutschen. Und in Wien übernimmt im nächsten Jahr der frühere APA-Geschäftsführer Clemens Pig als Generaldirektor die Leitung des ORF. Kick-Media-Vorstandschef Alexander Elbertzhagen macht sich Gedanken über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – und er erinnert an den legendären Musikproduzenten Clive Davis, der diese Woche im Alter von 94 Jahren verstarb.
Liebe Freundinnen und Freunde des smalltalk,
seit Mittwoch verhandelt das Bundesverfassungsgericht über den zukünftigen Rundfunkbeitrag. Die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, hatte vor zwei Jahren eine Erhöhung um 58 Cent auf 18,94 Euro empfohlen, was die Bundesländer dann aber nicht umsetzten. Die Folge: ARD und ZDF zogen nach Karlsruhe. Mittlerweile hat die KEF den Betrag etwas zurückgeschraubt und empfiehlt nun eine Erhöhung auf 18,64 Euro, die dann ab dem 1. Januar 2027 gelten soll. Mit einer Entscheidung ist vermutlich erst Ende des Jahres zu rechnen.
Bei all dem geht es nicht nur ums Geld. Es geht auch um ein insgesamt sehr gutes Programm. Um gute Filme, gute Unterhaltung, viel Sport und fundierte Information im linearen Fernsehen und im Stream, um all die regionalen und lokalen Angebote sowie den Hörfunk. Dabei ist gerade die politische Berichterstattung enorm wichtig. Ist doch in einer Demokratie wie der unseren das Wissen um Fakten entscheidend für die Ernsthaftigkeit politischer Debatten. 18,64 Euro für all das! Ich finde, das ist ein absolut fairer Betrag.
Schauen Sie mal auf die Abogebühren für Sportprogramme! In einer früheren Ausgabe habe ich das Mal nachgerechnet („Sport-TV: Jeder Schuss ein anderer Sender!“). Da kommen Sie mit unter 20 Euro nicht aus. Bei Weitem nicht. Aber hier geht es natürlich auch um Politik. Denn es gibt nun mal Politiker, die das Konzept öffentlich-rechtlicher Staatsferne offenbar nicht verstanden haben oder nicht verstehen bzw. nicht akzeptieren wollen. Was sie wollen, ist Einfluss auf das, was die Menschen in diesem Land sehen, hören und lesen.
Selbstständige und angeblich „linke“ Fernsehanstalten nerven da nur und müssen daher eingehegt werden. Diese Übung ist nicht neu, wird aber immer wieder von Teilen der Union, besonders aber von der AfD auf die Tagesordnung gesetzt. In Karlsruhe geht es also letztlich um sehr viel – nämlich um Artikel 5 des Grundgesetzes.
Doch auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Nachbarschaft tut sich einiges. Der ORF in Österreich bekommt einen neuen Chef. Ebenfalls ab 1. Januar 2027 tritt Clemens Pig, der frühere CEO der Presseagentur APA, seinen Dienst als Generaldirektor an. Nach einer 15-stündigen Marathonsitzung fiel die Entscheidung des Stiftungsrats erstmals auf einen Kandidaten, der nicht aus dem internen Zirkel des ORF stammt.
Die Personalie ist auch für uns spannend, schließlich arbeiten wir von der Kick-Media AG viel mit unseren österreichischen Partnern zusammen. Das ist nicht nur seit Sarah Engels‘ ESC-Auftritt in Wien so. Die von unserer Firma Pool Position gemanagte Barbara Schöneberger moderiert seit über zehn Jahren die berühmten „Starnächte“, also die Musikshow-Hochämter des österreichischen Fernsehens. Nach dem diesjährigen Auftakt Ende Mai am Neusiedler See folgt die nächste Ausgabe am 10. und 11. Juli am Wörthersee.
Ein anderes großes Thema, das uns in Deutschland mit dem ORF verbindet, sind natürlich um diese Jahreszeit immer die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt mit der Verleihung des Bachmannpreises. Am Donnerstag wäre die 1973 verstorbene Ingeborg Bachmann übrigens 100 geworden.
Clive Davis hätte die 100 fast geschafft. Doch am vergangenen Dienstag starb er im Alter von 94 Jahren in New York. Der legendäre Musikproduzent hat Rock- und Pop-Geschichte geschrieben, denn er nahm früh junge Talente unter Vertrag, die im Laufe ihrer Karriere die Musikwelt prägten und veränderten. Janis Joplin, Santana, Bruce Springsteen, Billy Joel, Patti Smith, Pink Floyd, Aerosmith, Whitney Houston und Barry Manilow – all diese Stars hat er entdeckt und ihnen den Weg zum Weltruhm geebnet.
Clive Davis war als Anwalt, wie man so sagt, mit allen Wassern gewaschen und insofern nicht immer unumstritten. Ich habe ihn erleben dürfen und begegnete ihm vor rund 25 Jahren in München. Bereits da galt er als Legende. Mit dabei war Alcia Keys, die von ihm gerade entdeckte junge Sängerin und Pianistin, für die damals eine Weltkarriere begann. Ansonsten schipperte Clive Davis mit seinem Boot durchs Mittelmeer und genoss das Leben Dasein. Dank der vielen Tantiemen, die zu Recht auf sein Konto flossen, konnte er sich sein Dasein recht angenehm gestalten.
Ich wünsche Ihnen ein weiterhin schönes und aller Hitze zum Trotz angenehmes Wochenende!
Alexander Elbertzhagen
(Herausgeber smalltalk)
PS: Apropos Hitze, ein passender Sommerdrink (aber höchstens zwei!) ist ein schöner Pisco Sour: Natürlich mit Pisco, dazu dann Limettensaft, Zuckersirup und ein wenig Eiweiß. Pisco ist das Nationalgetränk der Peruaner – wobei die Chilenen sagen, dass das ihr Signature Drink sei. Der beste, so heißt es in Chile, komme aus dem Valle del Elqui nördlich von Santiago.
PPS: Gerade scheint mal wieder der Fußball die Welt zu dominieren. Dabei sollten wir Wimbledon nicht vergessen. Seit Montag wird dort wieder Tennis gespielt. Vor 40 Jahren holte ein gewisser Boris Becker auf dem heiligen Rasen seinen zweiten Wimbledon-Sieg und sorgte dafür, dass der von ihm im Vorjahr ausgelöste deutsche Tennistaumel einfach nicht aufhören wollte. 2026 sind diverse deutsche Spielerinnen und Spieler dabei. Angeführt werden sie von Alexander Zverev bei den Herren und Laura Siegemund bei den Damen. Eine klassische TV-Übertragung des Turniers gibt es nicht. Zu sehen ist das Ganze exklusiv bei Amazon Prime Video.
